Kampf gegen Adipositas bei Kindern – Neues aus der IDEFICS-Studie

Ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung im Kindesalter zählen zu den Hauptrisikofaktoren für Übergewicht. Nun gibt es weitere, neue Ergebnisse der Studie.

Erste Ergebnisse der IDEFICS- Studie ((Identification and Prevention of Dietary- and Lifestyle-Induced Health Effects in Children and Infants) hatten in den Jahren 2007 und 2008 belegt, was grundsätzlich bekannt ist: Gesunde Ernährung für Kinder ist mehr als wünschenswert – einige Faktoren seitens der Eltern wie fehlende (gemeinsame) Zeit und Lust zum Kochen oder auch fehlende finanzielle Möglichkeiten stehen dem jedoch häufig im Wege. Ähnlich verhält es sich bezüglich ausreichender körperlicher Aktivität: diese wird durch Gegebenheiten wie fehlende Sportstätten, intolerante Nachbarn und das Nichtvorhandensein von Gärten oder Grünflächen oder auch mangelnde Sicherheit stark eingeschränkt.

IDEFICS soll zur Prävention von Übergewicht beitragen

Europäische Kinder leiden zunehmend unter Übergewicht und Fettleibigkeit und deren langfristigen Folgen. Im Rahmen der IDEFICS-Studie sollen Ernährungsfaktoren, soziale Umgebung und Lebensweise ermittelt werden, die Auswirkungen auf die Gesundheit haben. In einem weiteren Schritt sollen diese Informationen verwendet werden, um spezifische Interventionsmethoden zu entwickeln, umzusetzen, auszuwerten und zu überprüfen. um somit ernährungs- und lebensstilbedingte Krankheiten und Beschwerden zu reduzieren.

Die Ergebnisse einer Umfrage dienten der Erarbeitung einer europaweiten Lebensstilstrategie. Diese besteht im Allgemeinen aus effizienten Interventionsprogrammen für gesündere Ernährung und bessere Fitness der Kinder. Langfristiges Ziel ist der Abbau der Barrieren für gesunde Ernährung und körperliche Aktivität bei Kindern, um Übergewicht vorzubeugen oder wenn nötig abzubauen. Dazu sollen vor allem der Ernährungsunterricht in der Schule und eine durchdachte Ernährungspolitik an Schulen mit Unterstützung durch die Eltern beitragen. Ein Beitrag zu mehr Bewegungsfreude soll unter anderem durch die Schaffung von verkehrsfreien Zonen oder sicheren Strassen, erschwinglichen Sportaktivitäten erreicht werden.

Fortsetzung der IDEFICS-Studie

Aus den Ergebnissen der IDEFICS-Fortsetzung geht nun hervor, dass auch das Schlafverhalten von Kindern wesentlich zur Entwicklung von Übergewicht beitragen kann. Dabei steht die Schlafdauer neben ungesunder Ernährung und Bewegungslosigkeit in direktem Zusammenhang mit dem Körpergewicht. Die IDEFICS-Studie zum präventiven Lebens- und Ernährungsstil von über 16.000 zwei- bis zehnjährigen Kindern in acht Ländern zeigt, dass Kinder mit weniger als neun Stunden Schlaf ein doppelt so hohes Risiko für Übergewicht haben, als Kinder mit elf Stunden Schlaf.

In Europa variiert die Schlafdauer von Kindern sehr stark, in Süd- und Osteuropa ist sie wesentlich kürzer als im Norden. Und wird vermutlich durch verschiedene Kultur- und Umweltfaktoren beeinflusst. Warum zu wenig Schlaf nun zu Übergewicht beiträgt ist noch nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird aber, dass die bei Schlafmangel entstehenden Stoffwechsel-Veränderungen die hormonelle Regulation der Energiebalance stören: Bei zu wenig Schlaf lässt die Zuckersenkende Insulinwirkung nach und es kommt zunächst zur Insulinresistenz, später möglicherweise zu Diabetes und Übergewicht.

Schlank im Schlaf und durch Bewegung

Ebenso scheint ein Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit zu bestehen: Kinder im Vorschulalter mit weniger als neun Stunden täglichen Schlafs wiesen ein deutlich höheres Risiko für Übergewicht auf. Die übrige Zeit nutzten die Kinder (hauptsächlich Jungen) vorwiegend für Videospiele oder Fernsehen.

Kinder mit ausreichend Bewegung verbringen weniger als 14 Stunden wöchentlich vor dem Bildschirm und haben damit ein geringeres Risiko für Übergewicht. Laut Studie besteht zwischen dem täglichen Ausmaß an Bewegung und dem im näheren Umfeld vorhandenen Bewegungsmöglichkeiten ein Zusammenhang. Kinder aus bewegungsfreundlicheren Umgebungen bewegen sich durchschnittlich 15 Minuten am Tag länger als Kinder aus Gegenden mit wenig Bewegungsmöglichkeiten.

Schlafdauer und Bewegungsintensität scheinen also zu den Hauptfaktoren bei der Entstehung von Übergewicht im Kindesalter zu sein. Der Familie kommt jedoch ebenso viel Bedeutung zu. Aus den Ergebnissen der IDESFICS-Studie geht weiterhin hervor, dass der Status von Bildung und Einkommen der Eltern mit dem Gewicht der Kinder in engem Zusammenhang steht. Kinder von Eltern mit niedrigem Einkommen haben ein um bis zu 50 Prozent höheres Risiko für Übergewicht als Kinder aus einkommensstärkeren Familien.Hierbei spielt vor allem die Qualität der Ernährung aber auch der Migrationshintergrund eine Rolle. Zudem neigten auch Kinder alleinerziehender Eltern eher zu Übergewicht ebenso wie Kinder mit einem oder beiden übergewichtigen Elternteilen.

Geschmacksvorlieben beeinflussen das Körpergewicht

Eine der IDEFICS-Untersuchungen bezog sich auf die Geschmacksvorlieben von Kindern zwischen sechs und neun Jahren. Ihnen wurden entweder zwei Cracker oder zwei Gläser Apfelsaft angeboten, bei den Crackern handelt es sich jeweils um ein normales Basisprodukt und um eines mit besonders hohem Gehalt an Fett, Salz oder Mononatriumglutamat, beim Apfelsaft um einen normalen Apfelsaft oder um einen mit Zuckerzusatz oder Geschmacksverstärkern. Übergewichtige Kinder bevorzugten eher den Saft mit Zuckerzusatz und auch den Cracker mit hohem Fettgehalt als normalgewichtige Kinder.

Frühe Ansätze sollen Herzerkrankungen vorbeugen

Da Übergewicht im weiteren Verlauf des Lebens mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen einhergeht, macht es Sinn, bereits im Kindesalter das Risiko für spätere Erkrankungen dieser Art zu ermitteln. Daher entwickelten die IDEFIS-Forscher ein Punkteschema zur Beurteilung des gehäuften Risikos für Herzkrankheiten, welches Blutdruck, Blutzuckerwerte, Blutfette und Körpergewicht der Kinder berücksichtigt. Es ermöglicht eine Abschätzung des Risikos für eine spätere Herzerkrankung bereits im frühen Kindesalter.

IDEFICS in der Endphase

In der Endphase der IDEFICS-Studie wird untersucht, inwieweit die Ernährungsmuster der Kinder das Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit beeinflussen. Eine Analyse dieser Ernährungsmuster soll Hinweise darauf geben, ob sie im Zusammenhang mit Gewichtsveränderungen bei diesen europäischen Kindern stehen und dazu führen, geeignete Ernährungsempfehlungen auszusprechen. Mithilfe der angelegten Gendatenbank und unter Berücksichtigung weiterer Lebensstilfaktoren soll ein genetisch bedingter Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und damit verbundenen Erkrankungen wie Insulinresistenz ermittelt werden.

Fazit und Ausblick

Ein gesundes Gewicht kann durch ausreichend Schlaf erhalten werden. Umso mehr Zeit Kinder jedoch vor dem Fernseher verbringen, umso höher ist auch ihr Körpergewicht. Nach längerfristiger Beobachtung der an der Studie teilnehmenden Kindern und im Anschluss an eine Implementierung verschiedener Veränderungen in Ernährung und Lebensweise wollen die Forscher Aussagen darüber treffen, welche Veränderungen wirksam sind und welche Initiativen am meisten zur Prävention von Übergewicht, Fettleibigkeit und damit verbundenen Krankheiten beitragen. Dies soll die Basis dafür sein, neue Präventionsstrategien mitsamt Richtlinien und Empfehlungen herauszugeben.

Der Appell an politische Entscheidungsträger in Gemeinden und an die Planer von neuen Wohngebieten und Umweltstrukturen muss lauten, ein bewegungsfreundliches Umfeld zu schaffen, um unsere Kinder zu mehr körperlicher Aktivität zu animieren. Außerdem sollen sich Eltern darüber klar werden, wie groß ihre Vorbildfunktion zum Beispiel in den Bereichen Lebensstil und Ernährung ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.