Kollegentypen – der Autoritätenhörige

Ein Kollege, der seine Meinung und sein Handeln ausschließlich nach den Vorgesetzten ausrichtet, kann ebenfalls zu Konflikten im Team beitragen.

Der Autoritätenhörige an sich ist eigentlich eher paradox von seiner Grundhaltung her – zum einen ist er beratungs- und kritikresistent, wenn seine Arbeit berechtigterweise kritisiert wird, zum anderen ist er jedoch stets gerade in Bezug auf Vorgesetzte um Unauffälligkeit und übermäßige Freundlichkeit bemüht. Dieses paradoxe Handeln führt häufig zu Konflikten innerhalb des Teams.

Der Autoritätenhörige und seine Integration ins Team

Die Integration ins Team gestaltet sich für diesen Kollegentypen häufig eher schwierig, da er sein Verhalten stets nach dem Gusto der Vorgesetzten auszurichten versucht, dabei aber nur wenig Authenzität und Persönlichkeit entwickelt, sodass er für seine Kollegen schwer einzuschätzen ist. Sein Verhalten gegenüber Untergebenen richtet er nach dem Motto der Vorgesetzten aus: Stehen die Vorgesetzten auf dem Standpunkt, dass alle im Team – vom Teamleiter angefangen bis zur Schreibkraft – gleich zu behandeln sind, wird er versuchen, dies entsprechend umzusetzen, um Konflikte mit Vorgesetzten zu vermeiden. Betonen die Vorgesetzten jedoch eher Hierarchien und leben eher das Motto vor „Nach oben kriechen, nach unten treten“, so wird er dieses Verhalten ebenso an den Tag legen.

Selbst wenn es um Dinge geht, die außerhalb der Arbeit liegen, wie private Unternehmungen oder eigene Hobbys, so fällt auf, dass die Berichte eines autoritätenhörigen Kollegen seltsam blutleer und leidenschaftlos wirken – vermutlich aus Angst, mit einer zu großen Begeisterung für etwas oder jemanden bei anderen anzuecken, im ungünstigsten Fall beim Vorgesetzten.

Klassische Aussagen eines autoritätenhörigen Kollegen

Fast nie werden von ihm eigene Vorschläge bei Meetings und Besprechungen gemacht, um zu vermeiden, bei Vorgesetzten mit irgendwelchen Ideen anzuecken. Aus diesem Grunde sind Aussagen wie die folgenden charakteristisch für diesen Kollegentypen:

  • Wenn der Chef beispielsweise jedem Teammitglied ein Geschenk gemacht hat, so wird er, wenn er über dieses Geschenk berichtet, niemals sagen: „Die Flasche Wein, die ich vom Chef geschenkt bekommen habe …“, sondern stattdessen: „Die Flasche Wein vom Chef.“
  • Manche Aussagen dokumentieren die eigene Selbstunsicherheit und die Ausrichtung an anderen besonders deutlich, etwa Sätze wie: „Ja, hm, ich weiß nicht, was meinst du denn …?“
  • Selbst, wenn eindeutig nach der Ansicht des betreffenden Kollegen gefragt wird, folgt häufig eine Gegenfrage: „Was sagt denn der Chef dazu?“
  • Eine weitere charakteristische Aussage lautet: „Ich bin nett zu den Sekretärinnen, weil der Chef das so möchte.“ In diesem Zusammenhang drängt sich dann den betroffenen Sekretärinnen sicherlich die Frage auf, wie der Kollege sie behandeln würde, wenn der Chef die Prämisse ausgeben würde, dass Sekretärinnen auch als Fußabtreter für die Launen anderer fungieren können.
  • „Was soll denn der Chef sagen, wenn er mich mit dir hier quatschen sieht?“ Normalerweise hat kein Vorgesetzter der Welt etwas dagegen, wenn seine Mitarbeiter auch mal ein paar persönliche Worte miteinander wechseln und diese Konversationen nicht mehr als ein Viertel der gesamten Arbeitszeit in Anspruch nehmen. Selbst bei kurzen Gesprächen befürchtet der autoritätenhörige Kollege jedoch, dass der Chef ihn als faul und geschwätzig abstempelt, insbesondere wenn er mit Untergebenen persönliche Worte wechselt.

Anhand dieser Beispiele wird deutlich, dass der Autoritätenhörige ängstlich darum bemüht ist, anzuecken oder Konflikte in irgendeiner Form zu vermeiden. Oft schafft er aber gerade dadurch, dass er so gut wie nie eine eigene Meinung hat und stattdessen sein Handeln stets nach Vorgesetzten ausrichtet, jede Menge Konlfiktstoff.

Mögliche Konsequenzen durch das Verhalten eines autoritätenhörigen Kollegen

Manche Teammitglieder bemühen sich, sofern möglich, ein solches Verhalten weitestgehend zu ignorieren und dem betreffenden Kollegen aus dem Weg zu gehen. Ist dies jedoch nicht möglich, so sorgen eine nicht vorhandene eigene Meinung oder Aussagen wie „Ich bin ja nur nett zu den Sekretärinnen, weil der Chef das so möchte.“ vielfach für Streit und offene Missstimmungen. Eine gut funktionierende Integration eines solchen Kollegen ist aufgrund seines Verhaltens sehr schwierig oder gar unmöglich.

Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter angesichts eines solchen Verhaltens häufig das Gefühl beschleicht, dass der Kollege gar nicht nett zu ihnen ist, weil er Wert auf ein gutes Betriebsklima und eine vollwertige Integration ins Team legt, sondern lediglich von Vorgesetzten auferlegten und/oder allgemeingültigen Wertvorstellungen wie etwa Höflichkeit und guten Umgangsformen entsprechen möchte.

Der Umgang des Teams mit einem autoritätenhörigen Kollegen

Aufgrund der vorgenannten Umstände ist, wie bereits angesprochen, eine Integration des betreffenden Kollegen in ein gut funktionierendes Team sehr schwierig, da er aufgrund seiner Angst, bloß nirgendwo anzuecken, eher auf Distanz geht und bisweilen auf manche Kollegen sogar arrogant wirkt. Dennoch sollten die anderen Mitarbeiter dem Kollegen offen mitteilen, wenn er sie durch sein autoritätenhöriges Verhalten und seine fehlende eigene Meinung verärgert. Vielfach handelt es sich dabei jedoch um vergebene Liebesmüh, sodass solche Unmutsäußerungen eher aus Gründen der eigenen Psychohygiene fallen sollen und nicht, um eine effektive Verbesserung der Integration und des Sozialverhaltens zu erzielen – es sei denn, dem Kollegen selbst fällt auf, dass es bei ihm hier nicht sehr gut bestellt ist und möchte selbst aktiv etwas daran ändern.

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