Komasaufen liegt bei Jugendlichen im Trend

Exzessiver Alkoholkonsum unter Jugendlichen wird immer beliebter. Kinder und Jugendliche kommen immer früher mit Alkohol in Berührung. Immer öfter wird bis zur Besinnungslosigkeit getrunken. Die Ursachen hierfür sind vielfältig.

Riskanter Alkoholkonsum, vor allem in Form des so genannten „Binge Drinking“ (5 alkoholische Getränke oder mehr bei einer Gelegenheit), ist bei einer immer größer werdenden Zahl von Jugendlichen stark im Trend. Im Jahre 2007 wurden erstmals mehr Mädchen (1.942) als Jungen (1.837) mit Alkoholvergiftung in Kliniken eingeliefert. Mädchen vertragen aufgrund ihrer geringeren Körpergröße und ihres niedrigeren Gewichtes weniger Alkohol und sind in der Regel schneller betrunken als männliche Jugendliche. Insgesamt wurden im Jahr 2007 ca. 23.165 junge Leute im Alter zwischen 10 und 20 Jahren in volltrunkenem Zustand in bundesdeutschen Kliniken aufgenommen. Das sind im Schnitt jeden Tag etwas mehr als 64 Kinder und Jugendliche.

Vielfältige Ursachen für exzessives Trinken

Das so genannte Komasaufen bzw. Rauschtrinken lässt sich nicht nur in bestimmten Gruppen beobachten. Egal, ob die Flatrate in der Disco genutzt, Tequila bis zum Exzess bei einer Party konsumiert oder Bier und Mixgetränke in großen Mengen im Park getrunken wird, praktiziert wird dieses Verhalten sowohl von Kindern aus sozial schwächerem Umfeld, als auch von Jugendlichen aus gutsituierten Familienverhältnissen. Nach Umfragen unter Jugendlichen konsumierten im Jahr 2008 ungefähr 30% der Befragten mindestens ein Mal im Monat extrem hohe Mengen Alkohol. Das „Binge Drinking“ ist aber kein rein deutsches Problem, sondern eine europaweite Erscheinung, die zumindest teilweise bedingt ist durch die große, gesellschaftliche Akzeptanz von exzessivem Alkoholkonsum bei jungen Erwachsenen, aber auch bei Jugendlichen, die es den Erwachsenen nachmachen möchten. Auch das veränderte Rollenverständnis bei Mädchen unterstützt deren Wunsch, an riskanten Alkoholexzessen teilzunehmen. Auch wird die Altersgruppe derer, die das gleiche haben und tun wollen, was Erwachsene besitzen und tun. Dazu zählen eben nicht nur Handys, Markenkleidung oder tolle Einrichtungen. Auch Partys müssen „erwachsen“ sein, mit allem, was nun mal dazu gehört und das sind große Mengen Alkohol. Viele Jugendliche greifen auch zu Alkohol, um den Alltagsstress zu kompensieren oder die familiäre Situation wenigstens für kurze Zeit auszublenden. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien ist solch ein Verhalten immer häufiger zu beobachten. Aber auch die Anforderungen in Schule und Beruf oder der durch die Eltern ausgeübte Leistungsdruck können Ursache für exzessives Trinkverhalten bei Jugendlichen sein. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist der Reiz des Verbotenen. Immerhin tut man das am liebsten, was man eigentlich nicht darf, und dazu gehört im Jugendalter vor allem der Genuss von Alkohol. Leider steckt die wissenschaftliche Aufarbeitung der Ursachen des zunehmenden Rauschtrinkens in Deutschland noch in der Anfangsphase. Vor allem der steigende, übermäßige Alkoholkonsum von Mädchen und jungen Frauen sollte noch intensiver ergründet werden.

Die Gesetze werden oft umgangen

In Deutschland sind alkoholische Getränke trotz verschärfter Gesetzgebung (Jugendschutzgesetz) günstig und auch leicht zu bekommen. Nicht selten gibt es in Cliquen Mitglieder, die das vorgeschriebene Alter für den Erwerb alkoholischer Getränke bereits erreicht haben und welche dann den Alkohol für die Jüngeren einfach mitbesorgen. Auf diese Weise bekommen auch Kinder und Jugendliche sehr schnell und unkompliziert Zugang zu Alkohol. Der jüngst bekannt gewordene Fall eines Jugendlichen, der in einem Lokal Unmengen an Schnaps konsumieren konnte und an den Folgen eines Wetttrinkens mit dem Wirt starb, macht deutlich, dass auch in Gaststätten noch zu oft die geltenden Gesetze entweder gar nicht oder nicht ausreichend beachtet werden. Schlussendlich muss auch die allgegenwärtige Alkohol-Werbung kritisch betrachtet werden. Sie spricht häufig sehr direkt jugendliche Bedürfnisse an, verharmlost den Alkoholgenuss bzw. stellt ihn als ein Verhalten dar, das für ein positives Lebensgefühl geradezu notwendig ist. Die Gefahr, die von exzessivem Alkoholkonsum ausgehen kann, wird aber völlig ausgeblendet.

Risiken des Alkoholkonsums verringern

Besonders in Zeiten, die für einen verstärkten Alkoholkonsum in der Bevölkerung prädestiniert sind (Karneval, Jahreswechsel, Volksfeste) sollten Erwachsene Personen ihrer Vorbildfunktion beim Umgang mit Alkohol gerecht werden. Vor allem Eltern sind aufgefordert, ihre Verantwortung zum Schutz ihrer Kinder wahrzunehmen, denn Kinder lernen immer von den Menschen am meisten, die zu ihrem engsten Umfeld gehören. Zu diesem Umfeld gehören auch eventuell vorhandene, ältere Geschwister, die Kindern nicht selten als großes Vorbild dienen. Beim Thema Alkohol ist ein einfaches Verbot allerdings nicht ausreichend und sinnvoll. Eltern sollten jede sich bietende Gelegenheit nutzen, um mit ihren Kindern offen über einen sicheren Umgang mit Alkohol zu sprechen. Solche Gespräche sind wichtig, wenn Jugendlichen das 16. Lebensjahr erreichen und sie Alkohol (harte Spirituosen ab dem 18. Lebensjahr) ganz offiziell konsumieren dürfen. Ein offenes Gespräch mit dem eigenen Kind darf sich aber nicht einzig auf den Umgang mit Alkohol beziehen, sondern sollte auch Themenbereiche beinhalten, wie Kenntnis der eigenen Grenzen, Möglichkeiten der Hilfe im Notfall, Sicherheit auf Straße und vieles mehr.

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