Kommunikation für Brautpaare

Ein partnerschaftliches Lernprogramm vor der Hochzeit ist sinnvoll. Das Geheimnis glücklicher Paare ist das gelungene Gespräch, versichern die Diplompsychologen und Psychotherapeuten Dr. Joachim Engl und Dr. Franz Thurmaier.

In ihrem Buch „Wie redest Du mit mir?“ stellen Engl und Thurmaier das von ihnen entwickelte EPL – „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ – vor, das Paaren in jeder Phase ihres Lebens zu einer verbesserten Kommunikation verhelfen kann. Nach Ansicht der beiden Autoren ist es sinnvoll, schon vor der Hochzeit durch Einüben eines günstigen Gesprächsverhaltens die Weichen richtig zu stellen. Diese Kommunikationsfähigkeiten können Brautpaare in sechs Sitzungen zur Ehevorbereitung lernen.

Der präventive Ansatz setzt sich zum Ziel, jungen Paaren eine Art Rüstzeug mitzugeben, mit dessen Hilfe sie auftauchenden Problemen besser begegnen können. Denn Engl und Thurmaier haben festgestellt, dass für das Scheitern von Beziehungen Persönlichkeitsfaktoren und natürlich auch sozialökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Beruf und Einkommen von Bedeutung sind, dass aber dem Gesprächsverhalten eines Paares eine große Vorhersagekraft für das Gelingen oder Scheitern einer Paarbeziehung zukommt. Ein glückliches Miteinander in der Ehe über Jahre hinweg aufrecht zu erhalten, gelingt vielen Paaren nicht. Das drückt sich nicht nur in beachtlichen Trennungs- und Scheidungsraten aus, sondern auch im „Nebeneinander statt miteinander“ und im „Gegeneinander statt füreinander“ vieler Ehepaare.

Ehevorbereitung in sechs Schritten

Bereits in der ersten Sitzung der Ehevorbereitung wird damit begonnen, Gesprächsfertigkeiten in die Praxis umzusetzen, indem beide Partner Sprecher- und Zuhörerregeln lernen und Paargespräche mit positiven Themen üben. „Diese positiven Verhaltensweisen sind vielen Paaren nicht unbekannt, nur haben die meisten nicht gelernt, sie bewusst im Gespräch einzusetzen“, schreiben die Autoren.

In der zweiten Sitzung geht es um das Äußern negativer, unangenehmer Gefühle, die man sich selbst zuliebe und der Partnerschaft willen nicht einfach beiseite schieben sollte. Es schließt sich eine dritte Sitzung an, die zum Ziel hat, Probleme lösen zu lernen. „Meist ist es weniger das bloße Vorhandensein von Problemen und unterschiedlichen Bedürfnissen, die eine Partnerschaft scheitern lassen können, sondern viel mehr der Umgang damit“, erklären Engl und Thurmaier. Paare üben in dieser Sitzung, wie sie Schwierigkeiten und Differenzen diskutieren können und schrittweise auf eine faire Lösung hinarbeiten, ohne dass es zu vorschnellen Kompromissen kommt.

Um die Erwartungen an Partnerschaft und Ehe geht es in der vierten Sitzung. Viele Erwartungen an die Beziehung und an den Partner werden als so selbstverständlich angesehen, dass sie gar nicht mehr ausgesprochen werden. Der Austausch von Wünschen und Vorstellungen in verschiedenen Bereichen der Partnerschaft vermittelt dem Paar ein großes Stück Selbsterfahrung und besonderes Wahrnehmen des Partners. Thurmaier und Engl haben festgestellt, dass gerade dieses offene Aussprechen der eigenen Erwartungen zum Entdecken von oft unerwarteten Gemeinsamkeiten mit den Vorstellungen des Partners führt.

Dem Thema „Sexualität und Kommunikation“ ist die fünfte Sitzung gewidmet. „Gerade in der Sexualität ist es wichtig, möglichst offen miteinander zu sprechen, da die Wünsche der Partner nur zum Teil ‚erfühlt’ und deshalb auch nur zum Teil ‚erfüllt’ werden können“, schreiben die Autoren. „Die Scheu, darüber zu sprechen, ist einer der Hauptgründe dafür, dass gemeinsame Sexualität nicht so befriedigend ist, wie sie sein könnte.“

Vorbereitung auf die kirchliche Hochzeit

Um das Thema „Christliche Ehe“ geht es in der letzten Sitzung, die sich an Paare richtet, die kirchlich heiraten wollen. In dieser Sitzung beschäftigt sich das Brautpaar mit der symbolhaften Sprache des evangelischen oder katholischen Trauritus und klärt anhand des Trautextes das eigene Verständnis von christlich gelebter Ehe.

Die Deutsche Bischofskonferenz, die Erzdiözese München und das Bayrische Staatsministerium für Arbeit, Familie und Sozialordnung haben das EPL-Projekt in Auftrag gegeben und finanziert. Das Projekt wurde am Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie entwickelt und am Institut für Klinische Psychologie der Technischen Universität Braunschweig von Kurt Hahlweg wissenschaftlich begleitet.

EPL-Kurse durch ausgebildete Trainer werden in Familienberatungsstellen und kirchlichen Bildungsstätten angeboten. Viele Anregungen für ein besseres Miteinander finden sich auch in dem Buch, das bereits in der 12. Auflage erschienen ist.

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