Liebe macht blind

Unbewusste Wahrnehmungsstörungen führen oft aufs Glatteis. Viele Verliebte nehmen den anderen nicht so wahr, wie er tatsächlich ist. Dafür sind meistens verschiedene Wahrnehmungsverzerrungen verantwortlich, die unbewusst sind.

Wer kennt nicht den legendären Satz: „Ach Gott, ich habe mich voll verknallt.“ Manchmal verkündet man selbst voller Überzeugung die frohe Botschaft, manchmal hört man Entsprechendes, wenn man mal wieder mit dem besten Freund beziehungsweise der besten Freundin telefoniert. Nicht selten passiert es, dass wenige Tage später der ganze Spuk wieder vorbei ist. Doch warum ist dementsprechendes Irren menschlich. Der alte Schopenhauer sagte einmal: „Gegen die innere Stimme der Natur vermag die Reflexion wenig.“ Tja, da ist was dran.

Intuitives Sich-Verlieben

Interessanterweise geht es recht schnell mit dem Verlieben. Laut Bas Kast, dem Autor des Bestellers „Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt“, wird im männlichen Gehirn bereits das „Glückshormon“ Dopamin ausgeschüttet, wenn Mann nur ins Gesicht einer (lächelnden) attraktiven Frau blickt. Dopamin ist übrigens maßgeblich am „Verknallen“ beteiligt. Die Evolutionspsychologie hat entsprechende Grundlagen zur Partnerwahl durch verschiedene Experimente zutage gefördert; kurz gesagt lautet die Quintessenz: Gelegenheit macht Liebe.

Unbewusste Wahrnehmungsverzerrungen

Am Verlieben sind aber nicht nur angeborene Mechanismen beteiligt. Wäre dem so, würden sich keine Pärchen finden, die im sozialen Umfeld Verwunderung provozieren, etwa: „Wie kann so eine attraktive Frau an einen solchen Kerl geraten.“ Erfreulicherweise haben sich auch Tiefenpsychologen mit dem Thema beschäftigt und viel Licht ins „Dunkel der irrationalen Partnerwahl“ getragen.

Projektion

Als Erster hat kein anderer als Sigmund Freud den Mechanismus Projektion beschrieben. Meistens ist diese Wahrnehmungsstörung vorhanden, wenn sich zwei Menschen finden, die charakterlich gänzlich verschieden sind. Daraus resultierte wahrscheinlich irgendwann der Spruch „Gegensätze ziehen sich an“. Fragt sich nur, wie lange! Die Tiefenpsychologin Maja Storch hat sich diesem Thema in ihrem Buch „Die Sehnsucht der starken Frau nach dem starken Mann“ gewidmet. Auf den Punkt gebracht: Viele Menschen, die weite Teile ihres Charakters verdrängen, finden solche Personen unglaublich reizend, die in persona die eigenen Schattenseiten verkörpern. Am Anfang erscheint der andere dann toll, weil er so „anders“ ist. Gewöhnlich stört Betreffende aber mit der Zeit gerade das, was sie zunächst begeisterte.

Halo-Effekt

Eine weitere „Falle“ ist der so genannte Halo-Effekt. Wir sind alle nicht frei davon. Ein Beispiel: Man trifft auf einen attraktiven Menschen. Die meistens schließen intuitiv vom ansprechenden Äußeren auf einen zusagenden Kern. Anders gesagt: Wer schön ist, der ist auch gut. So manche Personen kommen alleine durch diesen Effekt ganz gut durchs Leben, wie man sich vorstellen kann. Doch meistens hält der Halo-Effekt nicht lange an, zumindest wenn es um die Partnerwahl geht.

Wahrnehmungsstörungen bemerken und ad absurdum führen

Um sich gegen solche „Fallstricke der Partnerwahl“ zu schützen, muss man bewusst an sich arbeiten. Denn meistens führt es nur zu Enttäuschungen, wenn man sich von seinen „unbewussten Flausen“ leiten lässt. D.h., wer sich immer wieder in Menschen verguckt, die das totale charakterliche Gegenteil verkörpern, der sollte schlicht und einfach an seiner eigenen Persönlichkeit arbeiten. Denn es wird anscheinend zu viel Material verdrängt, was man an sich selbst nicht wahrhaben will. Das sucht man dann an anderen. Der Halo-Effekt ist ebenso anzugehen. Lassen Sie sich nicht zu sehr vom ersten Eindruck blenden. Wahren Sie inneren Abstand, lernen Sie lieber unvoreingenommen das Innere des anderen kennen. Durch solche präventiven Maßnahmen werden Sie erfolgreicher sein bei der Partnerwahl.

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