Männliche Wasserläufer bringen Weibchen für Sex in Lebensgefahr 

Um zur Paarung schreiten zu können, locken die Männchen einer Wasserwanzenart hungrige Räuber an.

Sex ist für die Weibchen der meisten Arten mit hohen Kosten verbunden. Schon der Paarungsakt macht verwundbar gegenüber Feinden, die anschließende Trächtigkeit zehrt enorm an Energiereserven und Körpersubstanz und auch Geburt oder Eiablage bergen große Risiken. Entsprechend kritisch verhalten sich Weibchen gegenüber potentiellen Geschlechtspartnern. Nur Nachwuchs gezeugt mit den geeignetsten Männchen ist es wert, solche Risiken auf sich zu nehmen.

Um ihren hohen Ansprüchen gerecht werden zu können, haben die Weibchen einer Wasserläuferart (Gerris gracilicornis) eine Genitalplatte evolviert, die für aufdringliche Männchen eine erzwungene Verpaarung unmöglich machen soll.

Paarungsspiel der Wasserläufer

Wasserläufer gleiten, durch den Effekt der Oberflächenspannung getragen, auf der Wasseroberfläche umher. Bei der Paarung springt das Männchen dem Weibchen auf den Rücken und versucht seine Geschlechtsorgane mit denen des weiblichen Tieres zu verbinden. Dazu aber muss das Weibchen seine Schutzplatte öffnen, ansonsten kann keine Paarung erfolgen. Forscher haben beobachtet, dass das Erzeugen von kleinen Wellen durch die Männchen die Weibchen zur Aufgabe ihres Widerstandes animiert.

Sobald ein Weibchen die Paarung gestattet, hört das Männchen mit dem Wellenschlagen auf.

Balz lockt Fressfeinde an

Handelt es sich beim Wellenerzeugen um ein Balzritual, bei dem die Weibchen besonders „taktvollen“ Männchen die Paarung gestatten? Die Wissenschaftler Chang S. Hang und Piotr G. Jablonski vermuteten ganz andere Gründe hinter diesem Verhalten und unterzogen ihre Hypothese einem Test.

In Y-förmigen Wasserbehältnissen setzten die Forscher in den beiden Armen des Aquariums jeweils ein Wasserläuferpaar aus, wobei eines der Männchen durch eine am Rücken des Weibchens befestige Vorrichtung am Erzeugen von Wellen gehindert wurde. Im Fuß des Beckens befand sich ein räuberischer Rückenschwimmer (Notonecta triguttata), eine andere, tauchende Wanzenart, die auch Jagd auf Rückenschwimmer macht. Es zeigte sich, dass der Rückenschwimmer stets vom Paar mit dem wellenerzeugenden Männchen angelockt wurde, dass andere, stille Paar dagegen ignorierte.

Weibliche Wasserläufer werden zu Opfern von Räubern

Was geschah aber, wenn ein Wasserläuferpaar angegriffen wurde? Wenn ein Rückenschwimmer Beute machte, so war es stets ein weiblicher Wasserläufer, der dem Räuber zum Opfer fiel. Das Männchen auf dem Rücken des Weibchens entkam regelmäßig.

Besonders diejenigen Weibchen, die zuvor Erfahrungen mit den gefräßigen Schwimmwanzen gemacht hatten, jedoch noch entkamen, gaben nun bei neuerlichen Paarungsversuchen schnell nach und ließen Paarungen mit den Männchen zu.

Ganz anders verhielten sich dagegen die Weibchen, bei denen die aufgeklebte Rückenvorrichtung den Wellenschlag der Männchen unterband. Sie waren weitaus zögerlicher und gaben ihren Widerstand nicht so schnell auf.

Männliche Wasserläufer balzen bei Gefahr besonders intensiv

Männchen, die noch nicht auf ein Weibchen aufgesprungen waren, verhielten sich in Anwesenheit von Rückenschwimmern deutlich zurückhaltender und ließen sich Zeit für den entscheidenden Sprung. Wenn ihnen dieser gelang und sie auf dem Rücken des Weibchens in Sicherheit waren, zeigten besonders die großen Exemplare, was für ein Kavalier in ihnen steckt: Sie erzeugten nun besonders zahlreiche Wellen.

Die Wissenschaftler interpretieren das Verhalten der männlichen Wasserläufer nun dahingehend, dass diese das Verhalten von Räubern beeinflussen und so das Risiko des Gefressenwerdens für die Weibchen erhöhen, was wiederum die weiblichen Tiere zur Kopulation einlenken lässt.

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