Milch- und Alkohol-Unverträglichkeit bei Asiaten

Haben asiatische Menschen tatsächlich Probleme beim Genuss von Milch oder Alkohol? Ein Blick auf die Enzyme kann Klarheit verschaffen.

Manch einer mag das vielleicht kennen: Ein Glas Milch und im Anschluss daran Bauchweh, Blähungen oder ewig nicht von der Toilette runterkommen. Doch woran liegt das? Und gibt es in Bezug auf die Milchunverträglichkeit tatsächlich regionale Unterschiede?

Die Prozesse in unserem Körper beim Verdauen von Milch

Als Säugling bekommen wir alle Milch und das ist für uns die beste Nahrung in diesem Stadium. Und was geschieht währenddessen in unserem Körper? Der Milchzucker (Laktose) ist in seiner normalen Form für uns schwer verdaulich. Also kommt an dieser Stelle das Enzym Laktase auf den Plan. Es spaltet den Milchzucker in die beiden für den menschlichen Körper weniger schwer verdaulichen Bestandteile Traubenzucker (Glukose) und Schleimzucker (Galaktose).

Doch im Erwachsenenalter kommt es bei vielen Menschen dennoch zu ungewollten Nebenwirkungen beim Milchverzehr. Warum? Stimmt etwas nicht mit den Enzymen? Haben sie etwa verlernt Milchzucker zu spalten? – In der Tat ist es von der Natur eher so angelegt gewesen, dass man die Milch nur im Säuglingsalter zu sich nimmt; das lässt sich auch bei den Tieren noch so beobachten. Der Hintergrund dafür ist ganz einfach: Die ausgewachsenen Tiere sollen nicht die Milch aufbrauchen, die für all die kleinen Kälbchen und Lämmchen bestimmt ist. So war es auch bei uns Menschen gedacht. Im Normalfall ist die Produktion des Milchzucker spaltenden Enzyms bei Kleinkindern nämlich voll ausgebildet, während sie jedoch im Erwachsenenalter zurückgehen sollte.

Änderungen in unseren Essgewohnheiten

Doch vor etwa zehntausend bis siebentausend Jahren begannen unsere damals lebenden Verwandten Kühe und andere Wiederkäuer zu domestizieren und brachten damit auch Milch auf den täglichen Speiseplan. Von da an gewöhnten sie ihre Körper daran, auch im Erwachsenenalter Milchzucker spalten zu können (also das hierfür benötigte Enzym wieder vermehrt zu produzieren) und damit ohne weitere Bedenken Milch zu sich zu nehmen. Neben der individuellen Gewöhnung spielte hauptsächlich wohl auch eine Punktmutation eine wichtige Rolle, die bei den Europäern und auch bei einigen westafrikanischen Stämmen auftrat, die ebenfalls von Viehzucht lebten. Diese Punktmutation nämlich sorgte dafür, dass das Enzym Laktase auch nach der Kindheit weiterhin gebildet werden konnte.

Damit ist geklärt, weshalb manche Menschen heute Milch sorgenfrei trinken können. Doch was ist mit dem Rest? Denn weltweit ist es tatsächlich sogar die Mehrheit der Menschen, die Milch nur schlecht vertragen kann.

Zuerst begann man in Nord- und Mitteleuropa Kühe, Ziegen und dergleichen als „Haustiere“ zu halten und deren Milch immer häufiger als Nahrung zu sich zu nehmen. Und in der Tat ist die Fähigkeit, Milch ohne weitere Probleme zu verdauen, vor allem in Europa nördlich der Alpen verbreitet. Hier sind nur 10 – 15 % von der Milchunverträglichkeit betroffen, wohingegen alle anderen dank einer körpereigenen Laktase-Enzym-Genese unter keinen weiteren Beschwerden beim Verzehr von Milch und anderen Milchprodukten leiden.

Demgegenüber verträgt die Mehrheit der mittel- und südasiatischen Bevölkerung im Erwachsenenalter keine reine Kuhmilch mehr. (Beispielsweise haben 99 % aller Menschen in China eine Milchunverträglichkeit). Bei ihnen werden die Enzyme nach dem Säuglings- und Kleinkindstadium (in der Regel nach drei Jahren) kaum noch oder gar nicht mehr im Körper produziert.

Wie man sehen kann, ist die Frage, ob man auf Milchprodukte negativ reagiert oder nicht, wohl genetisch bedingt. Milch verdauen zu können ist noch eine recht „junge“ Entwicklung (Wie oben erwähnt, begann die Haltung von Kühen erst vor circa siebentausend Jahren.). Die Asiaten haben später mit Viehzucht begonnen und daher scheinen sich ihre Körper noch nicht so recht auf den Verzehr dieser Milch eingestellt zu haben: Es werden einfach weniger Enzyme zum Zerlegen der Milchbestandteile produziert; natürlich auch bedingt durch jeweilige Essgewohnheiten (siehe Indien: Dort spielte im Gegenteil zu China die Rinderhaltung von jeher eine wichtige Rolle. Dementsprechend vertragen hier mehr Menschen Milch.).

Und so lassen sich auch die regionalen Unterschiede erklären. Es ist nicht so, dass Asiaten Milch nicht schmeckt, sie vertragen sie nur oftmals nicht. Doch inzwischen ist die Milchunverträglichkeit in Asien auf Grund der Entwicklung der Milchwirtschaft nicht mehr allzu extrem ausgebildet. Oftmals reagieren Betroffene eher noch auf reine frische Kuhmilch, während sie die pasteurisierte Version oder einfache H-Milch aus dem Supermarkt um die Ecke mittlerweile genießen können.

Die Rolle der Enzyme beim Alkoholabbau

Dasselbe Spiel mit den Enzymen tritt auch in Bezug auf Alkohol ein: Denn auch hier sind unter anderem Enzyme schuld an der Unverträglichkeit. Oder besser gesagt: Die fehlenden Enzyme. Alkohol wird im menschlichen Körper vorwiegend mit Hilfe von „Alkoholdehydrogenase“ abgebaut. Doch fehlt dieses Enzym, ist lediglich ein stark verminderter Alkoholabbau möglich – die Folge: Übelkeit.

Erfahrungsgemäß zeigen vor allem Ostasiaten eine weitaus geringere Alkoholverträglichkeit auf, als es zum Beispiel bei Europäern der Fall ist. Im Allgemeinen werden nämlich in den Körpern der asiatischen Bevölkerung nur wenige Mengen an Alkoholdehydrogenase produziert. Und weniger solcher Enzyme ist nun einmal gleichbedeutend mit einem weniger stark ausgeprägten Alkoholabbau. Das Gute dabei: Bei Betroffenen ist davon auszugehen, dass sich bei ihnen höchstwahrscheinlich nie eine Alkoholabhängigkeit entwickeln wird.

Aber natürlich ist die Frage danach, wie gut oder nicht gut jemand den Genuss von Alkohol verträgt, noch von vielen weiteren Faktoren abhängig zu machen; allen voran natürlich auch die Gewohnheit, wie oft Alkohol zu sich genommen wird und in welchen Mengen. So kann es natürlich auch jede Menge „trinkfeste“ Asiaten geben. (Wobei vernünftiger Weise generell vom Alkoholkonsum abzuraten ist!)

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