Patientennetzwerk in der Klinik

Das Uni-Klinikum Eppendorf speichert Patientendaten in einem Portal.

Die in anderen Ländern unproblematische Speicherung von Krankheitsdaten im Internet wird in Deutschland zunehmend diskutiert.

Was in der baltischen Republik Estland kaum Probleme aufwirft, ruft in Deutschland bei Datenschützern, Patienten und wohl auch Ärzten erhebliches Unbehagen hervor. Nach einem Bericht des „Flensburger Tageblatt“ wird an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf das Internet-Portal „Epnet“ aufgebaut. Dieses soll Daten über die Krankheiten der in Eppendorf behandelten Patienten speichern.

Auch in Hamburg denkt man dabei in erster Linie daran, dass so Doppeluntersuchungen und Fehldiagnosen vermieden werden können. Deshalb wendet sich das Angebot auch vor allem an den Patienten. Dem stehen alle hier gespeicherten Akten und Unterlagen zur Verfügung. Es steht ihm frei, die elektronisch gespeicherten Daten Hausarzt und anderen Fachleuten zugänglich zu machen. Die Freigabe kann jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Und die Eppendorfer Ärzte können natürlich auf die hier gespeicherten Daten ohnehin jederzeit zurückgreifen.

Bisher einmaliges Angebot

Das Angebot ist bislang in Deutschland ziemlich einmalig. Das Interesse der Patienten sei groß, zitiert der Bericht den Leiter der Informationstechnologie am Universitätsklinikum Peter Gocke. Allerdings stößt das Angebot nach Gockes eigenem Eingeständnis auf großes Misstrauen.

Der gleiche Bericht zitiert eine Studie der Fachhochschule Flensburg zum gleichen Thema. Danach sehen es fast neun von zehn Verwaltungsleitern von Krankenhäusern, Ärzte und leitende Mitarbeiter der gesetzlichen Krankenversicherung „E-Health“ als Wettbewerbsfaktor an, der große Zukunftsaussichten habe. Verschiedene schleswig-holsteinische Firmen der elektronischen Datenverarbeitung haben sich in den letzten Jahren einen erheblichen Teil des „Kuchens“ gesichert. Diese Programme dienen allerdings alle nur dem Hausgebrauch der betreffenden Krankenhäuser.

Feldversuch scheitert

Der IT-Euphorie im Gesundheitswesen stehen allerdings die Ergebnisse des Feldversuches mit der elektronischen Gesundheitskarte im Kreis Schleswig-Flensburg entgegen. Dieser ist nahe davor, abgebrochen zu werden. Die Karte kann nicht ausreichend genutzt werden, weil die Patienten die dafür erforderliche Geheimzahl oft nicht zur Verfügung haben – schlicht vergessen oder nicht mehr auffindbar. Gegenüber einer Gesundheitskarte, die ohne diese funktionieren würde, aber haben Datenschützer die allergrößten Bedenken. Noch größere gegenüber Angeboten von Internetportalen, in die die Bürger selbst ihre Krankheitsdaten einstellen können.

Denn es ist nicht zu erkennen, welchen Nutzen dies dem Bürger bringen soll. Dafür sind die sensiblen Daten äußerst gefährdet. Datenschützer fürchten sogar, dass vergleichbar mit den beliebten Portalen für Studenten oder andere junge Menschen die Daten missbraucht werden können.

Datenspeicherung in Dänemark

Nicht nur in Estland ist man da nicht so kleinlich. Auch im benachbarten Dänemark gibt es bereits ein Gesundheitsportal mit großen Möglichkeiten. Diese reichen vom Klinik-Ranking bis zum Austausch von Ärzten über Behandlungsmethoden – im gewissen Rahmen sogar über den Austausch von Kranken- und Krankheitsdaten.

Sicher sind auch in Deutschland die Dinge im Fluss. Ursprünglich sollte die elektronische Gesundheitskarte hier bahnbrechend wirken. In diesem Fall ist wohl eher ein Misserfolg zu erwarten.

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