Pflanzenkohle – aus Stroh wird schwarzes Gold

Regelrecht über Nacht lässt sich aus Biomüll Erdöl und sogar Braunkohle herstellen. Möglich macht dies ein Verfahren namens kalte Verkohlung.

Tatsächlich ist es möglich, aus Stroh und Kartoffelschalen schwarzes Gold herzustellen. Schließlich ist auch herkömmliche Kohle aus Biomüll entstanden. Vor Millionen von Jahren starben Pflanzen genauso ab wie heute. Normalerweise verrotten sie an der Luft. Werden sie aber von Wasser oder Schlamm luftdicht abgeschlossen, zum Beispiel im Moor, und anschließend unter Druck gesetzt, entsteht zunächst Torf. Im Laufe von Millionen von Jahren wird aus Torf dann zunächst Braun- und schließlich Steinkohle. Dabei werden die Pflanzen mit Kohlenstoff angereichert. Diesen Prozess nennt man Inkohlung.

Herkömmliche Kohle muss in tiefen Bergwerken oder im Tagebau mit riesigen Baggern gewonnen werden. Hierfür werden mitunter ganze Dörfer vertrieben. Nach dem Abbau werden die gewaltigen Gruben mit Wasser oder Erde angefüllt und nicht selten später neu besiedelt.

Prinzip Holzkohle-Meiler

Seit über zweitausend Jahren stapeln Köhler Holz geordnet in Meilern auf, zünden es an und verschließen es danach luftdicht mit Erde. Dieser Prozess dauert je nach Größe eines Meilers zwischen 3 und 15 Tage. Der Köhler überwacht den Meiler, damit er nicht ausgeht und es auch nicht zu einer Verbrennung kommt.

Bereits 1913 wurde das Prinzip der kalten Verkohlung entdeckt. Markus Antonietti, geboren am 6. Februar 1960, vom Max-Planck-Institut stellte nun nach dreijähriger Forschung am 24. November 2006 einen funktionierenden Mini-Meiler der Öffentlichkeit vor. Von Außen betrachtet sieht es einer übergroßen Thermoskanne nicht unähnlich. Anfangs unterschätze Antonietti jedoch, wie viel Energie bei der sogenannten hydrothermalen Karbonisierung freigesetzt wird. Er musste das explosive Experiment schließlich vom Labor in die Natur verlegen.

Der Mini-Meiler

Die Sache funktioniert recht ähnlich wie im Meiler, jedoch erheblich beschleunigt. Es dauert nur noch 8 bis 12 Stunden. Pflanzliche Stoffe, wie Stroh oder eben Bioabfälle, werden zusammen mit Wasser und einem Katalysator in den Behälter gegeben und bei 180 bis 200 Grad Celsius und 20 bar Druck gekocht. Nach Beendigung des Prozesses muss der Topf abkühlen, bevor man die grüne Kohle entnehmen kann.

Der Katalysator beschleunigt im Behälter die Aufspaltung der Zuckermoleküle, Glukose oder auch Cyclodextrine, in Kohlenstoff und Wasser. Das Produkt ist eine schwarze, wässrige Brühe: Wasser und Kohle. Diese muss natürlich erst getrocknet werden, bevor das Endprodukt genutzt werden kann: kleine, poröse Kugeln aus Braunkohle, sogenannte Kolloide.

Kohle, Erdöl, Dünger – Praktische Anwendung

Bei diesen Kolloiden bleiben die Mineralien in den Pflanzen erhalten. Das macht die Pflanzenkohle zu einem erstklassigen Dünge- oder Brennmittel. Da sie auch noch CO2-neutral ist, kann sie auch zu herkömmlichen Briketts gepresst und als umweltfreundliche Kohle verwendet oder durch die Kohleverflüssigung in Benzin umgewandelt werden.

Dazu sei die Methode jedoch zu schade, meint Antonietti. Denn bereits wenige Minuten nach Beginn des Vorgangs im Druckgefäß entsteht eine Vorstufe von Erdöl. Auch dieses kann entnommen und verwendet werden, da man den Prozess jederzeit anhalten kann. Forscher versuchen nun, verstärkt dieses Erdöl zu gewinnen. Da es keine mineralischen Verschmutzungen enthält, sei es reiner und sogar besser als herkömmlich gefördertes Erdöl.

Eine weitere Vorstufe ist Schwarzboden. Kohlendioxid, durch den Schwarzboden aus der Luft entzogen, könnte als Mutterboden eingesetzt auch die Qualität karger Böden erheblich verbessern. Würde jeder Bürger statistisch gesehen 1,5 Kubikmeter dieses Bodens auslegen, könnten wir CO2-neutral leben. Dies sei durchaus realistisch, denn allein in Deutschland fallen jährlich 50 Millionen Tonnen agroindustrieller Abfälle an.

Zukunftsmusik

Würde man den gesamten Biomüll der BRD zu Kohle verkochen, wäre die daraus gewonnene Menge genug, um etwa 20% unseres Energiebedarfs zu decken. Zusammen mit Wind-, Wasser- und Solarkraft ein für die Zukunft profitabler und umweltfreundlicher Energiehaushalt.

Manche Forscher sehen es als durchaus realistisch an, bereits in etwa 5 Jahren im großen Stil grüne Kohle zu produzieren. Gerade wässriger Biomüll, zum Beispiel Bananen- oder Kartoffelschalen, sind für diese Methode besonders gut geeignet. Heißt das in Zukunft grüne Kohle statt Komposthaufen und ein Verkocher in jedem Haushalt statt Biotonne?

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