Restless Legs (Unruhige Beine) Ursache, Symptome und Therapie

Die Diagnose des RLS ist verhältnismäßig einfach zu stellen. Eine Therapiekombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde bringt gute Erfolge.

Das Restless Legs Syndrom (RLS) ist eine neurologische Erkrankung. Sie ist charakterisiert durch unangenehme Gefühle in den Beinen, die sich vorwiegend gegen Abend, beim ruhigen Sitzen oder im Bett liegend bemerkbar machen. Oft zwingen sie den Betroffenen wieder aufzustehen und herumzugehen. Damit ist RLS eine häufige Ursache von Schlafstörungen. Teilweise sind auch Arme und Hände betroffen.

Symptome

Ziehen, Spannen, Kribbeln, Schmerzen und andere schwer zu beschreibende Merkmale sind typisch für RLS. Schon in medizinischen Schriften aus dem Jahr 1685 sind Beschreibungen dieser Symptomatik zu finden und man nimmt an, dass es dieses Krankheitsbild noch wesentlich länger gibt. Die Erkrankung wird auch Wittmaak-Ekbom-Syndrom genannt. Der Arzt Theodor Wittmaack hat sie 1861 nach der Hauptsymptomatik, den unruhigen Beinen, benannt und sein Kollege Karl A. Ekbom prägte 1945 den Begriff des Restless-Legs-Syndrom.

Diagnose

Die Diagnose kann schon durch Stellung von einfachen Fragen erhoben werden:

  • Haben sie manchmal oder auch häufig unangenehme Missempfindungen an den Beinen wenn sie sich hinsetzen oder hinlegen?
  • Besteht ein Bedürfnis, die Beine zu bewegen nach dem Hinsetzen oder Hinlegen?
  • Sind diese Missempfindungen und das Bedürfnis nach Bewegung abends und nachts schlimmer als tagsüber?
  • Ist langes Sitzen im Auto oder bei Flügen sehr unangenehm?
  • Nehmen die Symptome gegen Nachmittag oder Abend zu?
  • Sind sie tagsüber müde und unausgeruht?
  • Haben Angehörige ähnliche Symptome?

Ursachen

Es wird vermutet, dass es sich beim Restless Legs Syndrom um eine vererbte Veranlagung handelt, welche bei einigen Patienten schon allein genügt, um die Symptomatik auszulösen. Man spricht hier von der idiopathischen (= selbstständig, von sich aus entstanden) Form des RLS. Andere Betroffene, die die gleiche Veranlagung auch haben, erkranken aber trotzdem erst dann, wenn zusätzliche Faktoren wie z.B. eine Schwangerschaft, ein Vitamin- oder Hormonmangel oder eine Polyneuropathie (Schädigung von Nervenbahnen) hinzukommen (= symptomatische Form).

RLS wird als Begleiterscheinung bei einer Vielzahl von Erkrankungen und Beschwerdebildern beschrieben. Es trifft gehäuft auf bei: Eisenmangel, Diabetes mellitus, Rheumatoider Arthritis und Polyneuropathie. Auch Schwangere berichten nicht selten vom Symptom der unruhigen Beine, dieses bildet sich jedoch nach der Geburt des Kindes meistens spontan zurück.

Auch Medikamente können ein RLS auslösen oder verstärken. Hierzu gehören Neuroleptika, Lithium, Mianserin, Beta-Blocker, Trizyklische Antidepressiva, Antikonvulsiva, Histamin-Blocker, Antiemetika, Kalziumblocker.

Bei der idiopathischen Form des RLS vermutet man eine gestörte Dopaminfreisetzung im Hirnstamm. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Nervensystem, der Impulse, sprich Informationen zwischen Nervenzellen, Hirnzentren und Immunsystem weitergibt. Führt die versuchsweise therapeutische Gabe von Dopaminvorstufen zu einer Besserung, gilt die Diagnose so gut wie gesichert.

Therapie

Beim symptomatischen RLS steht im Vordergrund die Behandlung der Grunderkrankung. Bei der idiopathischen Form verabreicht die Schulmedizin Präparate, die in den Dopaminstoffwechsel eingreifen. Es werden entweder eine Vorstufe des Dopamins (z.B. Levodopa, L-Dopa) oder dopaminähnlich wirkende Substanzen (Dopaminagonisten) verschrieben. Viele Patienten sprechen zunächst gut auf z.B. L-Dopa an, allerding führt die dauerhafte Einnahme leider zur Verschlimmerung des Beschwerdebildes, in der medizinischen Terminologie „Augmentation“ genannt. Die Beschwerden können häufig nun auch schon vermehrt tagsüber auftreten. Außerdem können bei Langzeitanwendung Nebenwirkungen hinzukommen, wie sie aus der Behandlung der Parkinsontherapie bekannt sind. Dopaminagonisten gelten als Alternative, wissenschaftliche Beweise fehlen jedoch noch. Außerdem sind sie noch nicht ausdrücklich für die RLS-Therapie zugelassen. Umkehreffekte wie bei L-Dopa werden auch hier diskutiert.

Weitere Medikamente, die eingesetzt werden:

Opiate

Für Patienten mit schweren Ausprägungen von RLS, die nicht oder nicht ausreichend auf die Dopaminbehandlung ansprechen oder diese nicht vertragen, kann eine Behandlung mit Opiaten ebenfalls symptomatisch wirksam sein. Diese Mittel werden besonders bei sehr schmerzhaften Formen des RLS empfohlen.

Kombination von Codein und L-Dopa

In Einzelfällen wurde eine alternierende – jedoch jeweils mehrmonatige Gabe von Codein und L-Dopa als besonders effizient beschrieben.

Benzodiazepine

Benzodiazepine sind psychoaktive Medikamente, die als Entspannungs- und Beruhigungsmittel oder als Schlafmittel verordnet werden. Der Einsatz wird heute eher selten empfohlen. Sie beeinflussen zwar positiv die Schlafstörungen, an denen Patienten mit RLS leiden, jedoch werden die eigentlichen Symptome nicht oder kaum verbessert. Die Gefahr dieser Medikamentengruppe besteht vor allem in der Schläfrigkeit, welche besonders bei älteren Menschen das Risiko von nächtlichen Stürzen mit sich bringt.

Gabapentin

Der Stoff gehört zur Gruppe der Antikonvulsiva (Medikamente gegen Epilepsie). Obwohl verschiedene herkömmliche Antikonvulsiva als Auslöser eines sekundäres RLS bekannt sind, wurde mehrfach eine positive Wirksamkeit des relativ neuen Antiepileptikums Gabapentin berichtet. Es soll, ähnlich wie die Opiate, besonders bei sehr schmerzhaften Formen des RLS eine gute Wirkung haben und wird deswegen vorwiegend bei gleichzeitig bestehenden Polyneuropathien eingesetzt. Gabapentin hat den Vorteil, dass es gut verträglich ist, auch in Kombination mit anderen Medikamenten.

Naturheilkundliche Therapien

In der Naturheilkunde stehen an erster Stelle die nicht-medikamentösen Maßnahmen, die bei leichteren Fällen schon ausreichen können, wie z.B. Bewegung, Wasseranwendungen und Ordnungstherapie. Häufig scheint bei Patienten mit RLS eine Übersäuerung des Gewebes vorzuliegen. Dies kann eventuell den Nährboden für Entzündungen und Fehlinformationen in den Nervenbahnen bilden. Hier ist eine überwiegend basische Ernährung mit viel Obst und Gemüse empfehlenswert und eine zusätzliche Einnahme von basenbildenden Mineralstoffen.

Die Ozon-Sauerstofftherapie und die UV-Bestrahlung des Blutes regen die Mikrozirkulation in Gehirn und Peripherie an und sind ebenfalls lohnenswerte Therapieoptionen. Die Homöopathie kennt zahlreiche Stoffe, die einen positiven Effekt bei RSL haben. Ein geübter Therapeut kann durch ausführliche Befunderhebung das passende Mittel finden. Die Traditionelle Chinesische Medizin kann mit Hilfe der Akupunktur die häufig bestehende energetische Dysbalance ausgleichen.

Oft ist es sinnvoll, mehrere Therapien miteinander zu kombinieren. Naturheilkunde und Schulmedizin sind hier kein Gegensatz, sondern können sich durchaus ergänzen. So kann eine naturheilkundliche Begleittherapie helfen, die Medikamenteneinnahme zu reduzieren und dadurch die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

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