Soll ich eine Therapie machen?

Wann eine Psychotherapie erforderlich ist. Viele Menschen fragen sich, ob sie eine Psychotherapie beginnen sollen. Nützliche Informationen von unabhängiger Seite können zur Entscheidungsfindung beitragen.

Unter einer Therapie verstehen wir heute, in gewisser Abweichung zu früher, alle der Beseitigung und Linderung von Gesundheitsstörungen und Krankheitszuständen dienenden Maßnahmen. So ist die aktuelle Definition. Anfang des vergangenen Jahrhunderts war das noch ganz anders. Da verstand man darunter die Lehre von der Behandlung der Krankheiten im Allgemeinen oder einzelner Krankheiten im Besonderen. Wie man leicht erkennen kann, hat im Laufe des 20. Jahrhunderts eine Begriffserweiterung stattgefunden. Wir sehen heute eine Therapie nicht mehr nur in Zusammenhang mit Krankheiten, sondern bereits in der Reduzierung von so genannten Befindlichkeitsstörungen. Das sind noch gar keine Krankheiten, sondern oft ziemlich diffuse und deshalb auch schwer zu diagnostizierende Zustände.

Soll ich eine Therapie machen?

Wenn Sie erst einmal überlegen müssen, ob Sie eine Therapie machen sollen oder nicht, wissen Sie in aller Regel nicht, was Ihnen fehlt. Sie haben irgendwelche Symptome, die Sie manchmal Leid bringend erleben und wollen sie loswerden. Müdigkeit, Ängste, Nervosität, Druck auf einzelnen Organen wie dem Herzen, eine ganze Palette, die sich nicht so richtig darstellen und messen lässt. Organisch konnte mit den Verfahren der klassischen Medizin nichts festgestellt werden. Höchstens, dass Sie gegen bestimmte Stoffe allergisch sind und sie meiden sollen. Was nun? Die Vermutung liegt nahe, dass Ihre Psyche nicht im Gleichgewicht ist und die Brücke zu Ihrem Körper ebenfalls nicht in Balance. Psychosomatischen Befund nennt das der Mediziner und jetzt ist guter Rat erst einmal teuer, denn zur Heilung gibt es keine Medikamente. Man kann ruhig stellen, man kann dämpfen, aber nur mit Nebenwirkungen.

Psychotherapie – ja oder nein?

Zunächst einmal sollten Sie wissen, dass mit Therapie bei nicht konkreten Feststellungen einer ganz bestimmten körperlichen Krankheit immer eine Psychotherapie gemeint ist. Ob sie tatsächlich sinnvoll ist, oder nicht, hängt entscheidend vom Leidensdruck ab und der ist individuell. Als Laie mehr über psychische Erkrankungen zu wissen, bedeutet nicht, eine richtige Diagnose stellen zu können. Schon gar keine stimmige Selbstdiagnose, aber mehr Wissen schadet auch nicht. Beispielsweise ist die Erkenntnis eher nützlich, dass alle Therapeuten unterschiedlich sind und man ebenso gut an den richtigen wie an den falschen geraten kann. Wenn die Chemie zwischen Therapeut und Patient nicht stimmt, ist jede Psychotherapie absolut kontraproduktiv und sollte sofort abgebrochen werden. Genauso wie sich erstklassige Therapeuten gegen manche Patienten entscheiden, was völlig in Ordnung ist, sollten auch die Patienten öfter von dieser Möglichkeit Gebrauch machen.

Welche psychischen Erkrankungen gibt es?

Es gibt drei Hauptarten von psychischen Erkrankungen: Neurosen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen.

Neurosen

Eine Neurose ist eine erlebnisbedingte Störung der Reizverarbeitung durch das Gehirn. Wobei die Organneurose oder psychosomatische Störung mit Krankheitssyptomen an bestimmten Organen einhergeht, insbesondere des Herzens, Magens, Darms, während die Psychoneurose die Seele betrifft. Im Gegensatz zum Psychotiker hat der Neurotiker oft zumindest eine vage Vorstellung, dass es sich bei ihm um Empfindungen handelt, die nicht ganz der Norm entsprechen. Eigentlich gibt es überhaupt keinen Menschen ohne irgendeine leichte Neurose, die ihn im Alltag nicht weiter stört und anderen meistens gar nicht auffällt. Ob eine Neurose therapiert werden sollte, hängt davon ab, in welchem Grad sie als belastend empfunden wird. Zwangsneurosen und Phobien, die das normale Leben zu stark einschränken, gehören therapiert. Im Unbewussten herum zu graben und möglicherweise ein Erlebnis ins Bewusstsein zu heben, das traumatische Qualität bekommt, muss dagegen nicht immer sinnvoll sein.

Persönlichkeitsstörungen

Das Problem besteht ein Stück weit darin, dass der Einzelne nicht weiß, ob er eine gestörte Persönlichkeit hat. Der betroffene Mensch kann nicht sagen, ob er eher querulantorisch, zwanghaft, schizoid oder depressiv ist. Er weiß auch nicht, ob er paranoid, schizotypisch, antisozial, narzisstisch, passiv-aggressiv, selbstschädigend oder sadistisch ist. Es ist ganz schwierig, sich richtig einzuschätzen. Für die meisten Störungen der Seele gilt, dass jeder sie in unterschiedlichen Ausprägungen schon einmal gehabt hat. Egal ob sie nun Entwicklungs-, Funktions-, Leistungs-, Mental-, Sexual- oder Sprachstörungen heißen. Das Borderline-Syndrom stellt insofern eine Ausnahme dar und sollte therapiert werden, weil es mit acht Prozent eine relativ hohe Suizidrate aufweist. Für diese Krankheit sind ein unklares Selbstbild und ebensolche Lebensziele wie auch die Unfähigkeit, die Gefühle und Aggressionen zu kontrollieren, typisch. Bei verschiedenen Persönlichkeitsstörungen kommen Überschneidungen der Merkmale vor. Häufig sind Depressionen oder Gewalttätigkeiten damit verbunden und erfordern in solchen Fällen therapeutische Hilfe.

Psychosen

Psychosen erfordern im Gegensatz zu den Neurosen und den meisten Persönlichkeitsstörungen generell immer eine psychotherapeutische Behandlung. Da sind wichtige psychische Funktionen erheblich gestört und es treten offenkundige Fehlinterpretationen der Wirklichkeit auf, wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Gedächtnisstörungen. Die Betroffenen meinen oft, nicht sie selbst hätten sich verändert, sondern ihre Umgebung. Meistens haben sie im akuten Stadium keine Einsicht in ihren krankhaften Zustand. Folglich können sie deshalb auch nicht selbst entscheiden, ob sie eine Therapie brauchen oder nicht.

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