Stellensuche per Zeitungslektüre

Häufig auftretende Probleme bei klassischen Wegen der Bewerbung. Die meisten Bewerber suchen ihre zukünftigen Arbeitsstellen heute noch über Printmedien oder Online-Portale.

Richard Bolles bezeichnet diese Form der Stellensuche in seinem Bestseller „What colour is your parachute?“ als Neandertal.

Auf bekannte Ressourcen zurückgreifen

Er begründet dies damit, dass die meisten interessanten Stellen heute selten über den klassischen Weg vergeben werden. Uta Glaubitz, die regelmäßig Berufsfindungs-Workshops veranstaltet, erläutert dies anschaulich in ihrem Buch „Mein Traumberuf“ anhand des Beispiels, dass der Chef eines noch relativ unbekannten Plattenlabels einen Assistenten sucht, der ihn aufgrund seiner vielen notwendigen Reisen im Tagesgeschäft entlastet. Um Fehler bei der klassischen Personalauswahl zu vermeiden – unter Umständen hunderte von Bewerbungen sichten, geeignete Bewerber einladen und darauf hoffen, dass der im Vorstellungsgespräch entstandene Eindruck nicht falsch ist – greift er aller Wahrscheinlichkeit nach eher auf Personen zurück, die ihm bereits aus Praktika oder Aushilfstätigkeiten bekannt sind oder er hört sich bei Berufskollegen nach einem geeigneten Kandidaten um.

Hinzu kommt, dass manche Firmen und Institutionen verpflichtet sind, eine zu besetzende Stelle offiziell auszuschreiben, auch wenn derjenige, der diese Stelle bekommt, längst feststeht. In diesen Fällen handelt es sich meist ebenfalls um interne Mitarbeiter, deren Arbeitsweise bereits bekannt ist. Frustrierend ist dies jedoch für externe Bewerber, die dieses Prinzip unter Umständen noch nicht durchschaut haben und die nächste Absage im Briefkasten finden, obwohl sie große Hoffnungen in ihre Bewerbung gesetzt haben.

Ständig wiederkehrende Stellenangebote

Des Weiteren fällt auf, dass häufig im Abstand von wenigen Wochen oder Monaten immer wieder dieselben Firmen exakt ein und dieselbe Position für ein und denselben Standort ausschreiben. Zu einem kleinen Teil mag dies auf Irrtümer bei der Personalauswahl beruhen, aber wenn eine Stelle ständig wiederkehrend ausgeschrieben ist, deutet dies eher darauf hin, dass im Unternehmen selbst etwas im Argen liegt und die Arbeitnehmer aus etwaigen Gründen (z. B. Dumping-Löhne, Seelenfängerei, Unseriosität) kein Interesse an einer längerfristigen Zusammenarbeit haben.

Im Zusammenhang mit Stellenangeboten, die ständig wiederkehrend ausgeschrieben sind, fällt zudem auf, dass die Bewerber eine Absage erhalten mit der Begründung, die Stelle sei anderweitig besetzt worden, sich dann aber wundern, weil eben jene Stelle nur Stunden später wieder im Netz ausgeschrieben ist. Gerade in Online-Jobbörsen sind manche Angebote latent vorhanden. Beschwerden von Bewerbern, die die Betreiber darauf hinweisen und ihren Verdacht äußern, dass es sich hierbei um ein fingiertes Angebot handelt, werden ignoriert oder als unsachlich gelöscht.

Antworten auf Stellengesuche

Viele Bewerber nutzen das Instrument eines eigenen Stellengesuchs. Obwohl sie häufig bereits im Vorfeld explizit darauf hinweisen, welche Tätigkeiten/Arbeitsverhältnisse nicht gewünscht sind (z. B. keine Zeitarbeit, keine Versicherungen, keine Tätigkeit nach § 84 HGB u. ä.), erhalten sie dennoch Angebote von Firmen, die exakt jene Kriterien erfüllen, die der Arbeitssuchende von vornherein ausgeschlossen hat. Es entsteht der Eindruck, dass manche Arbeitgeber auf neu erscheinende Stellengesuche nach dem Gießkannenprinzip antworten. Vielen Bewerbern wird heute vorgeworfen, ihre Unterlagen ebenfalls nach diesem Prinzip zu versenden, so dass eine Reihe von Absagen vorprogrammiert ist – bei Arbeitgebern hingegen scheint das Gießkannenprinzip jedoch legitim zu sein.

Spezifische Probleme in Online-Jobbörsen

Wenn ein Arbeitssuchender kein Berufsbild angibt, das für ca. 99 % der Menschheit eindeutig ist (z. B. Controller, Sekretärin, Krankenschwester, Schweißer), erhält der Bewerber häufig Angebote von der jeweiligen Jobbörse, die mit seinem eigentlichen Beruf nichts zu tun haben. Gerade Geisteswissenschaftler wie etwa Diplom-Pädagogen, Diplom-Sozialwissenschaftler oder Diplom-Ökotrophologen berichten überdurchschnittlich häufig, dass ihnen vollkommen berufsfremde Stellenangebote zugesandt werden. Anders ist es nicht zu erklären, dass einer Diplom-Pädagogin, die eigentlich auf der Suche nach einer Stelle im Bereich Sekretariat/Assistenz mit dem Schwerpunkt Verlagswesen war, mehrfach Job-Angebote als Schweißer, Zerspanungsmechaniker oder Mechatroniker zugesandt wurden – obwohl sie weder über Kenntnisse und Qualifikationen im gewerblich-technischen Bereich verfügt noch solche angegeben hat.

Quintessenz

Aus den genannten Gründen raten sowohl Richard Bolles als auch Uta Glaubitz dazu, die klassischen Pfade der Stellensuche zu verlassen und beispielsweise auf das Instrument der Initiativbewerbung zurückzugreifen und sich gleichzeitig auf ein besonderes Gebiet zu spezialisieren, um potentielle Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen, zumal bestimmte Grundvoraussetzungen für alle Arbeitnehmer in ein und demselben Beruf gegeben sind. Eine Sekretärin beispielsweise hebt sich von ihren Berufskolleginnen nicht durch ihre sehr guten MS-Office-Kenntnisse ab, da darüber in der Regel 99 % ihrer Mitbewerberinnen ebenfalls verfügen.

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