Unvorteilhafte Formulierungen in Bewerbungen

Selbstverständlichkeiten und Behauptungen vermeiden. Es gibt einige Aussagen und Floskeln in Bewerbungen, die mittlerweile als K. O.-Kriterium gelten. Hierzu gibt es jedoch sinnvolle Alternativen.

Manche Bewerber verschenken bereits in der Einleitung Potential, indem sie abgedroschene Phrasen verwenden oder viel zu lange Sätze mit überflüssigem Ballast schreiben. Hierzu zählen beispielhaft:

  • „… hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als Bauzeichner.“
  • „… mit großem Interesse habe ich am vergangenen Wochenende in der WAZ Ihre Stellenausschreibung gelesen.“

Der Einstieg „hiermit“ bei Bewerbungen ist nicht mehr zeitgemäß und wirkt zudem sehr einfallslos, weil trotzdem immer noch mindestens 70 Prozent aller Bewerber diesen Einstieg nach der Anrede wählen. Bewerbungstexte, die mit „hiermit“ beginnen, lösen beim Personalchef kein weitergehendes Interesse aus, so dass die Bewerbung fast sofort auf den Absagestapel wandert.

Im zweiten Fall ist der Hinweis „am vergangenen Wochenende“ überflüssig. Dem Personaler ist es egal, ob der Bewerber die Annonce am letzten Wochenende, am darauffolgenden Montag, beim Frühstück oder auf dem Klo gelesen hat – wichtig ist, dass der Bewerber sein Interesse und seine Eignung für die ausgeschriebene Stelle bekundet.

Vorsicht bei Behauptungen und Selbstverständlichkeiten

Es wird kaum einen Bewerber geben, der nicht von sich behauptet, teamfähig, flexibel, belastbar, freundlich zu sein, deshalb können Formulierungen wie die folgenden sogar Minuspunkte bedeuten:

  • „Ich bin flexibel und belastbar.“
  • „Ein wertschätzendes und freundliches Miteinander ist für mich selbstverständlich.“
  • „Mein analytisch-konzeptionelles Denkvermögen zeichnet mich aus.“
  • „Ich behalte stets die Zielerreichung der Aufgabenstellung im Auge.“

Gerade weil gute Umgangsformen, Kollegialität, Flexibilität und Ähnliches in der Arbeitswelt als selbstverständlich vorausgesetzt werden, könnte dem Personalchef der Verdacht kommen, dass außer Selbstverständlichkeiten wie Pünktlichkeit und „Dienst nach Vorschrift“ nicht viel von dem Bewerber zu erwarten ist. Umgekehrt könnte er sich jedoch auch fragen, warum ein Bewerber gerade seine sozialen – aber eigentlich selbstverständlichen – Eigenschaften derart betont. Eventuell könnte dies darauf schließen lassen, dass der Bewerber auch ganz anders kann.

Betonung der fachlichen und persönlichen Fähigkeiten

Sinnvolle Alternativen zu den oben genannten Floskeln und Selbstverständlichkeiten können sein:

  • „Meine Teamfähigkeit konnte ich bei mehreren Arbeitgebern stets erfolgreich unter Beweis stellen.“ (am besten in Verbindung mit entsprechenden Aussagen in einem oder mehreren Arbeitszeugnissen/Referenzen)
  • bei Buchhaltern, Controllern und ähnlichen Berufen: „Zahlen sind meine Welt – und ich bin ihrer auch nach Jahren nicht müde geworden.“
  • Meine Fähigkeit, mit unterschiedlichsten Menschen umgehen zu können, habe ich während meiner langjährigen Tätigkeit in einer Beratungsstelle für Migranten erfolgreich unter Beweis gestellt.“

Nicht alle möglichen Qualifikationen ins Anschreiben packen

Manche Bewerber neigen dazu, alle jemals erworbenen Qualifikationen und Fortbildungen im Anschreiben aufzuführen, auch wenn sie für die konkrete Stelle und/oder Branche gar nicht von Bedeutung sind. Möchte eine Bewerberin eher ins kreative Fach, ist es relativ unerheblich, alle erworbenen Abschlüsse (Industriekauffrau, staatlich geprüfte Sekretärin, Multimedia Designerin, Wirtschaftsassistentin) in aller Ausführlichkeit darzustellen. Sie kann kurz auf ihre Abschlüsse hinweisen, sollte jedoch eher auf den Abschluss als Multimedia Designerin abstellen, da dieser bei der konkreten Stelle im kreativen Bereich am gefragtesten ist.

Achtung: unfreiwillig komische Formulierungen

Es hat durchaus Sinn, eine Bewerbung vor Versand noch einmal von einer anderen Person oder auch mehreren Personen gegenlesen zu lassen, um Fehler und sprachliche Holprigkeiten auszubügeln. Vier oder sechs Augen sehen mehr als zwei und können die folgenden, teilweise unfreiwillig komischen Formulierungen ausbügeln:

  • „Ich bin fleißig wie eine Biene und meist nett zu Kunden.“ Der erste Teil des Satzes wirkt sehr kindlich und der Hinweis, dass sie meist nett zu Kunden ist, könnte implizieren, dass sie aber auch, wenn sie einen schlechten Tag hat, unfreundlich und streitlustig ist oder sich von jedem muffeligen Kunden provozieren lässt.
  • „Meine Freunde sagen, ich bin ein Alleskönner. Fast alles, was kaputt ist, mache ich wieder ganz.“
  • „Ich repariere in der Nachbarschaft alles Mögliche und auch die Kinder mögen mich.“

Diese Aussagen in Bewerbungsschreiben mögen teilweise zum Schmunzeln anregen, sind jedoch nicht geeignet, um den Bewerber in einem guten Licht erscheinen zu lassen.

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