Verhinderung von weltweiten Seuchen – Pläne wie man eine Pandemie wie HIV unterbinden kann

Die meisten Infektionskrankheiten, die den Menschen befallen haben ihren Ursprung im Tierreich. Nicht nur von Haustieren sondern auch von Wildtieren geht eine Gefahr aus.

Die Jagt auf Wildtiere liefert Viren gewisse Möglichkeiten, sich auszubreiten. So können sie von der Beute auf den Jäger springen. Es muss nur ein Tröpfchen Blut ins Auge oder die Nasenschleimhaut kommen, schon hat ein Virus Zugang zu der Blutbahn. Der Human-Immunschwäche-Virus, kurz HIV, fand auf so einem Weg den Zugang zum Menschen. Eine tierische Form des Virus wanderte vom Tieraffen auf den Schimpansen über und anschließend auf den Menschenaffen, bis er beim Menschen angelangte.

Wissenschaftler haben es versäumt, in den Sechziger und Siebziger Jahren die Anzeichen der neuen Infektionskrankheit, die die afrikanische Bevölkerung befiel, zu untersuchen. Hätten die Epidemiologen sich dem angenommen, wäre der Erreger vielleicht erkannt worden noch bevor er Millionen Menschen angefallen hätte. Die Wissenschaftler hätten dann einen solchen Vorsprung gehabt, das sie möglicherweise die Ausbreitung des Erregers verlangsamt, wenn nicht sogar eingedämmt hätten. Doch HIV ist nicht die einzige Krankheit, die aus dem Tierreich auf den Menschen überging. Die Pest beispielweise wurde von Nagern übertragen. Mehr als die Hälfte aller bekannten Infektionskrankheiten kommt ursprünglich von Tieren. Dazu gehört unter anderem das Ebola-Fieber, SARS, Dengue-Fieber und auch Influenza.

Ausbreitung von Viren

Die globalisierte Welt birgt den Nachteil, dass sich neue, unerforschte Erreger schnell über den ganzen Kontinent verbreiten können. Das kann zu einer weltweiten Epidemie, sprich einer Pandemie führen. Dabei ist es unerheblich, ob die Erreger vom Wildtier auf den Menschen überspringen oder ob sie über das Nutzvieh den Weg zum Menschen finden, wie das japanische Enzephalitisvirus oder einige Formen des Influenzavirus.

Nun haben Wissenschaftler die Idee der Überwachung von Wildtieren und bestimmten Bevölkerungsgruppen. Sollten Anzeichen für neue Krankheitserreger erkennbar sein oder ein auffälliges Verhalten beobachtet werden, so ist die Hoffnung gegeben, aufgrund der frühen Erkennung eine weltweite Epidemie zu verhindern. Die Idee ist aus zehn Jahren Forschungsarbeit gewachsen. Im Rahmen dieser Forschung begann man mit einer Studie von einer afrikanischen Dorfbevölkerung in Kamerun, die als besonders gefährdet gelten, Viren aufzunehmen. Sie jagen noch traditionell und ausschließlich für den unverzichtbaren Eigenbedarf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Affen. Es war nicht einfach, das Vertrauen dieser Leute zu gewinnen, doch die Kooperation, die sie schließlich gewährleisteten war unabdingbar für neue epiologische Erkenntnisse der Wissenschaft. Es stellte sich heraus, dass sie unentdeckte Retroviren in sich trugen.

Unterbinden durch Beobachtung

Es ist nicht ganz klar, ob die entdeckten Viren bei Menschen überhaupt Krankheiten auslösen können. Oft wird ein Virus sogar von Mensch zu Mensch weitergegeben, ohne dass sie den Menschen krank machen. Doch da die entdeckten Viren zu dem Stamm der HI-Viren gehören, ist es notwenig für die Epidemiologen, diese besonders gut im Blickfeld zu halten. Krankheiterreger tierischen Ursprungs können sich schnell verändern und so auch eine Gefahr für den Menschen darstellen. Wenn es so weit ist, dass der Erreger von Mensch zu Mensch wandert, ist das ein gefährlicher Zustand, der mit vielen Todesopfern bezahlt werden kann. Wären entsprechende Erforschungen schon dreißig Jahre früher angestellt worden, so wäre HIV sicherlich nicht zur Pandemie geworden. Würde die Methode der Wissenschaftler ausgebreitet werden, so dass in sämtlichen Bevölkerungsgruppen eine Beobachtung stattfinden würde, wäre das Übergangsmuster von tierischen Krankheitserregern auf den Menschen erfassbar.

Die Wissenschaftler hoffen auf eine globale Beobachtung, die den Keim eines Erregers noch vor dem Ausbruch erkennen und somit unterbinden können. Es wurde die Global Viral Forecasting Initiative, kurz GVFI, ins Leben gerufen. Weltweit arbeiten nun Epidemiologen, Naturschutzbiologen und das öffentlichen Gesundheitswesen im Rahmen eines Forschungsprogramms zusammen.

Erkennung von Krankheitserregern

Die GVFI identifiziert Infektionserreger in ihren ursprünglichen Wirten. Es wird festgestellt, ob diese auf den Menschen übergehen und ob sie sich verbreiten. Dabei beschränken sich die Wissenschaftler nicht nur auf Viren, sondern das ganze Spektrum wird in Betracht gezogen. So gilt es, auch Bakterien und Parasiten in die Forschung miteinzubeziehen, die gegebenenfalls auf den Menschen übersiedeln könnten.

Inzwischen sind bereits Einhundert Wissenschaftler kontinuierlich damit beschäftigt, gefährdete Populationen und Wildtiere in Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, in Madagaskar, China, Laos und Malaysia zu beobachten. Dabei handelt es sich um Länder, die als Risikoländer gelten, in denen sich neue Krankheiten schnell ausbreiten können. Es werden nicht nur Jäger untersucht, sondern auch andere Gruppen, die mit lebenden Tieren zusammen arbeiten. Ein Virus zu erkennen ist nicht die Problematik, sondern festzustellen, wie weit dieses Virus sich vom Ausgangspunkt eventuell in Ballungsräume wiederfinden lässt. Das ist ein kritischer Moment, der über eine Pandemie entscheiden kann.

Weltweit werden Überwachungen angestrebt. Als wichtige Länder gelten Brasilien und Indonesien, die auch beobachtet werden sollen. Durch Google.org werden internetgestützte Warnsysteme erstellt, die aktuelle Meldungen berücksichtigen. Kanada hat Personen von der Blutspende ausgeschlossen, die mit Affen in Berührung gekommen waren. Nationale und internationale Aktions- und Überwachungssysteme lokaler Regierungen und der Weltgesundheitsorganisation werden eine wichtige Rolle zur Eindämmung eventueller Seuchen spielen. Zehn Millionen Dollar wird die Initiative jährlich schätzungsweise kosten. Doch das ist sicher ein angemessener Preis, wenn man auch nur eine Pandemie auf diesem Weg verhindern kann.

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