Warum gibt es immer mehr Singles?

In deutschen Großstädten wimmelt es nur so von Alleinstehenden. Die Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen zeigen hierfür verschiedenste Ursachen auf.

Statistiken des statistischen Bundesamtes belegen: Die traditionelle Partnerschaft stirbt aus und wird durch kurzlebigere, wechselfreudige und allgemein offenere Bindungen ersetzt. Wie die Frankfurter Rundschau online berichtete, boomen Kontaktbörsen im Internet. Sie bieten den Marktplatz für die Suche nach One-night-stands, Affairen oder Partnerschaften. Doch woran liegt es eigentlich, dass sich in den letzten fünfzig Jahren so vieles an den gängigen Beziehungskonzepte derartig grundlegend geändert hat?

Genetische Voraussetzungen: vom Samenstreuer und der Aufzieherin

Genetisch sind wir nicht dazu geboren, monogam zu leben! So klischeehaft es auch anmutet, die Gesellschaft prägte uns erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit zu langfristiger Treue und sie lockert diesen Druck nun bereits wieder, etwa aus Mangel an Erfolg? Biologisch ist der Mensch in vielerlei Hinsicht noch immer steinzeitlich geprägt. Der Mann ist in seinem tiefsten Inneren dazu programmiert, seinen Samen möglichst weitläufig zu streuen. Frauen aber sind ganz im Gegensatz zum Mann nur in regelmäßigen Abständen und nur eine gewisse Lebenszeit lang fruchtbar und beschäftigen sich unverhältnismäßig lange mit der „Aufzucht“ des Nachwuchses. Dies lässt sie nach einer gewissen Sicherheit streben und macht sie auch heute noch in Maßen abhängig. Über eine gewisse Zeit hinweg hat die Gesellschaft mit ihren Normen und Gesetzen dies für die zeitgenössischen Paarbeziehungen geregelt, doch mit der allgemeinen Öffnung verschwammen auch diese Grenzen. Heute ist eine alleinstehende Mutter, die sich von dem doch nicht perfekten Partner getrennt hat, keine Sünderin mehr und Väter mit unehelichen Kindern sind in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen (alternative Familienformen).

Die moderne Gesellschaft: Gefragt sind mobile Einzelkämpfer

Die gesellschaftlichen Entwicklungen fordern die Anpassung des Einzelnen und verändern die Halbwertszeit und Tiefe zwischenmenschlicher Beziehungen. Die Anforderungen an junge Menschen hinsichtlich ihrer beruflichen Karriere setzen einen starken Charakter voraus, der zwar im Team arbeiten kann und soll, aber sich letzten Endes insbesondere dadurch auszeichnen muss, stark zu sein. Stärke wird hierbei immer öfter durch Rationalität, Flexibilität und Durchhaltevermögen definiert und eine entemotionalisierte Umwelt kreiert Einzelgänger.

Zudem sind Lebensläufe heutzutage durch mehrere Umzüge, Neustarts und Umwege gekennzeichnet. Wer lernt schon noch den einen Beruf und erfüllt diese Aufgabe bis an sein Lebensende in einem Betrieb? (Vergleiche eine Studien des IAB) Stattdessen zieht man in jungen Jahren zum Studium fast immer in eine andere Stadt, macht meist ein Auslandssemester in einem anderen Land oder ein freiwilliges soziales Jahr auf einem anderen Kontinent und wechselt im späteren Berufsleben statistisch gesehen mehrfach den Betrieb oder gar die komplette Tätigkeit. Mobilität ist das Stichwort der globalisierten Welt. Wir sind immer erreichbar, können in kürzester Zeit überall hinreisen, aber wer zieht da mit? Beziehungen bleiben auf der Strecke oder verkümmern zu Wochenendpartnerschaften. Denn wer gibt schon heute noch seine gesamte Lebensplanung zu Gunsten des Partners auf? Dieser Frage ging auch die Süddeutsche Zeitungkürzlich nach.

Der Verlust der Kompromissfähigkeit führt zu Lebensabschnittsgefährten

Im Allgemeinen ist der Mensch kompromissloser geworden. Ist der neue Kollege unsympathisch, kann man den Job wechseln. Hat ein guter Freund einen Fehler begangen, sucht man sich eben einen neuen in virtuellen Communities. Ist es in der Beziehung zu einem Konflikt gekommen, wozu Arbeit investieren, diskutieren, Kompromisse finden, wenn es doch so viel leichter ist, einfach weiterzuziehen? Die Partner begleiten den modernen Menschen häufig nur noch durch einzelne Lebensabschnitte und gehören auch unwiderlegbar zu diesen. Die Studienzeitfreundin und der Referendariatspartner, der erste Ehemann als Vater des Kindes (mehrere werden es schließlich immer seltener), Ehegatte Nummer Zwei (Drei, Vier…?), ein jeder bietet eine schöne Zeit, seine Zeit, deren Ende unausweichlich kommen muss, so scheint es. Die Tiefe des Miteinanders geht verloren. Wer bereits in einer modernen Sozialisationsform(alleinerziehendes Elternteil, Patchworkfamilie…) aufgewachsen ist, strebt immer öfter ebenfalls keine klassische Partnerschaft an. Er hat es so erlernt.

Der schnelle Weg zur Übersättigung

Es ist schlichtweg nicht mehr nötig, sich festzulegen. Die moderne Gesellschaft bietet in ihren Medien und unter den Menschen einen unermesslichen Überfluss an Angebot. Die moderne Offenheit im Internet bietet alles und das greifbar, leicht und schnell und auch die Einstellung vieler junger Menschen ist dem angeglichen: Warten, Werben, Hoffen und Bangen…wozu? Einsatz wird häufig als zu viel Arbeit empfunden. Entweder der Interessent kommt gleich ans Ziel oder er zieht weiter, die Auswahl ist schließlich groß genug und die ewige Frage, die in uns Menschen keimt und nagt, treibt einen jeden insgeheim um: Habe ich wirklich das Bestmögliche bekommen? Sollte man sich nicht doch noch einmal umschauen? Der moderne Mensch hat verlernt, sich zufrieden zu geben mit dem, was er hat, denn es könnte ja immer noch etwas Besseres geben. Dieses drängende Streben nach Verbesserung führt jedoch des Öfteren zum Verlust des Guten.

Wirtschaftsfaktor Single

Auch die Wirtschaft reagiert auf diesen Trend, denn mit Singles lässt sich Geld machen! Sei es im Sektor Partnerschaftssuche oder viel subtiler im Einzelhandel oder Tourismus. Die Single-Packung Spaghetti Bolognese oder Schokoladeneis ist aus den Supermarktregalen nicht mehr wegzudenken und ein Einzelzimmer im Hotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff kann gut und gerne mal 70 Prozent Aufschlag kosten. Die Branche jubelt, der Single hat das Nachsehen. Doch jeder Trend erzeugt auch eine Gegenbewegung. So ist es anzunehmen, dass die folgenden Generationen zu alten Konzepten zurückfinden oder eine neue, stärker partnerschaftlich orientierte Form des Zusammenlebens entwickeln werden.

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