Warum Lesungen wichtig sind – Tipps für den Autorenalltag

Lesungen sind zum einen Promotion für Buch, Autor und Verlag, zum anderen auch wichtiger Bestandteil im kulturellen Leben.

Lesungen sind für Autoren und Leser gleichermaßen wichtig. Für den Autor, weil er auf diese Weise einige seiner Leser und Fans kennenlernen kann, Feedback auf seine Arbeit bekommt und erfährt, was sein Buch bei den Lesern in Bewegung setzt. Für den Leser wiederum sind Lesungen ein willkommener Anlass, die Person hinter dem Werk zu erleben und ihrer Stimme zu lauschen.

Ablauf

Einzellesungen sollten in der Regel nicht länger als fünfundvierzig Minuten dauern, Gruppenlesungen nicht länger als 20 bis 25 Minuten pro Autor. Eine Begrüßung und Anmoderation durch eine andere Person ist zur Einleitung empfehlenswert, ebenso wie einige Takte Musik, falls das möglich ist. Während der Lesung kommen einzelne Musik-Passagen als Untermalung auch immer gut an. Störungen wie zum Beispiel Laufkundschaft oder dröhnende Kaffeemaschinen sollten tunlichst vermieden werden. Eine passende Lichtgestaltung sorgt für eine angenehme Atmosphäre.

Der Lesende sollte sich natürlich gut vorbereitet, die Texte und Überleitungen geübt haben. Profis raten dazu, als Autor durchaus ein wenig boshaft zu sein und an der spannendsten Stelle der Geschichte abrupt abzubrechen. Schließlich dient die Lesung auch dazu, die Neugier des Zuhörers zu wecken, der die Möglichkeit haben soll, das Buch im Anschluss an die Veranstaltung bei einem Büchertisch zu kaufen. Nach der Lesung sollte auch noch Zeit für Diskussionen und fürs Signieren der Bücher eingeplant werden, am besten im gemütlichen Rahmen.

Was vom Autor erwartet wird

Das Publikum investiert Zeit, Interesse und oft auch Geld (Eintritt) um einen Autor zu hören. Damit hat es sich das Recht erworben bestmögliche Qualität zu erhalten. Zumal es meist mit der Absicht kommt, das Buch zu kaufen. Der Autor sollte rechtzeitig vor Ort sein und sich nach der Lesung Zeit für die Zuhörer nehmen. Angemessene Kleidung darf vorausgesetzt werden.

Ob eine Lesung kurzweilig ist, hängt von der Persönlichkeit des Autors ab. Im Idealfall wird er den Text spielen, verschiedene Stimmlagen einsetzen und den Blickkontakt zum Publikum halten. Wie überall macht Übung den Meister. Wer über eine Stimm- und Schauspielausbildung verfügt, ist entschieden im Vorteil.

Verflixte Technik

Ein gut eingestelltes Mikrophon trägt viel zu einer erfolgreichen Lesung bei. Das Publikum ist schließlich gekommen um zuzuhören. Wenn das Mikro nicht funktioniert und der halbe Saal unruhig auf dem Sessel herumwetzt, weil die Stimme des Vorlesenden zu leise ist, beeinträchtigt das die gute Stimmung. Die Einstellung des Mikros sollte bereits vor Beginn der Lesung durchgeführt werden.

Tricks gegen das Lampenfieber

Wenn die Nervosität vor der Lesung besonders groß ist, hilft es manchen Autoren, sich das Publikum in Unterwäsche vorzustellen oder sie suchen sich einige Gesichter im Auditorium, die ihnen positiv entgegen blicken. Andere rufen sich in Erinnerung, dass jeder Mensch mit sich selbst am meisten beschäftigt ist und kleine Ausrutscher von Anderen nicht einmal auffallen. Abgesehen davon, dass nur der Autor weiß, was am Programm stand. Im Gegensatz zum Publikum, das Abweichungen oft nicht einmal bemerken wird.

Ruhe und Humor

Wenn doch einmal etwas Unvorhergesehenes passiert, dann am besten Ruhe bewahren, wie Krimiautor Günther Zäuner: „Es passierte mir letzten November auf Schloss Wildenfels in Deutschland. Wunderbarer Rahmen, Kaminzimmer, prasselndes Feuer, Raum gesteckt voll. Plötzlich surrt ein gewaltiger Brummer von Fliege um die Leselampe. Natürlich amüsierte sich das Publikum. Ich las unbeirrt weiter, lauerte aber darauf, dass sich das Insekt endlich zwischen den aufgeschlagenen Seiten breit machte und so war es. Klapp! Das Buch schnappte zu. Als ich es wieder öffnete, zog ich den „Leichnam“ heraus und sagte mit stoischem Gesicht: „Eine Kriminacht ohne Leiche ist keine Kriminacht “ und hatte die Lacher auf meiner Seite.

Anforderungen an den Veranstalter

Der Autor kann vom Veranstalter erwarten, dass dieser einen geeigneten Leseplatz mit Leselampe, funktionierendem Mikrophon und Wasserglas auf dem Tisch vorbereitet hat. Autoren, die bei ihrem Vortrag lieber stehen, sollten das rechtzeitig bekannt geben.

Honorar

Wer Lesungen ernsthaft betreibt, weiß, dass diese Arbeit Vorbereitung und Kraft kostet, abgesehen vom Zeitaufwand. Daher muss diese auch entsprechend honoriert werden. Ähnlich wie ein Entertainer, Kabarettist, Musiker oder Schauspieler unterhält ein Autor das Publikum und daher steht ihm ein Honorar zu. Argumente wie „Sie machen doch Werbung für Ihre Bücher“ oder „Sie sind ja noch nicht bekannt“ sollten auch von Neo-Autoren tunlichst ignoriert werden. Eine Lesung ist eine kulturelle Veranstaltung und der Vortrag eines Autors eine kulturelle Leistung.

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