Was ist wirklich in unseren Lebensmitteln?

Aromastoffe und Geschmacksverstärker – mit Mogeleien auf Kundenfang. „Natürlich“, „gesund“, „ausgesucht“, „hochwertig“ – mit solchen Schlagworten lassen sich Lebensmittel bestens verkaufen. Aber was verbirgt sich hinter den Begriffen?

Wann erkenne ich als Verbraucher ein Lebensmittel-Imitat, eine Täuschung? Wie kann man sich z. B. schützen vor Meeresfrüchtecocktail ohne Meeresfrüchte oder Wasabinüssen ohne Wasabi?

Der in den Medien präsente Analog-Käse oder auch der Schummelschinken ist nur ein kleiner Teil der Palette an Lebensmittel-Imitaten. Ein besonders dehnbarer Begriff ist wohl jener der „Aromen“. Vanille, ob nun im Vanillepudding, in der Milch oder im Speiseeis, liegt z.B. in vielen Fällen nur als Aromastoff vor – natürliche Vanilleschoten sind völlig abwesend. Mit nur einem Gramm Aroma kann rund ein Kilogramm eines Lebensmittels mit künstlichem Geschmack versehen werden. Und es wird keine Geschmacksrichtung ausgelassen. In der EU sind rund 2.700 Aromen offiziell erlaubt. Auch der Begriff „Natürliches Aroma“ schützt nicht vor einem Imitat, denn der Rohstoff dazu muss nur im weitesten Sinne aus der Natur stammen – es kann sich auch um Baumrinde handeln oder von Bakterien produziert sein.

Ein paar klassische (Werbe-)Lügen:

Premium

Premium klingt gut. Für ein Premium-Lebensmittel greift der Verbraucher gerne tiefer in die Tasche. Im festen Glauben, etwas qualitativ Gutes und Besonderes zu kaufen. Das Wort Premium stammt aus dem Englischen und heißt wörtlich übersetzt erstklassig oder hochwertig. Aber es gibt bei Premium-Produkten keine rechtlichen Grundlagen, die diesen Begriff definieren oder gar schützen. Er kann quasi von jedem Anbieter verwendet werden. Premium wird meist an Stelle von Begriffen wie Extra, Fein, Delikatess oder Feinkost eingesetzt, denn diese Begriffe sind gesetzlich geschützt.

Unter regelmäßiger Kontrolle

Hier wird mit Selbstverständlichkeiten geworben. Jeder Anbieter ist verpflichtet seine Produkte regelmäßig zu kontrollieren. Außerdem würde schon als regelmäßige Kontrolle gelten, wenn beispielsweise Äpfel vor dem Verkauf “angeschaut“ werden, um zu prüfen, ob sie rein äußerlich makellos sind. Ob sie kontrolliert wurden, im Sinne des Verbrauchers, steht nicht zur Debatte.

Aus sonnengereiften Früchten

Dass z.B. ein Orangensaft aus sonnengereiften Früchten hergestellt wird, erwartet man eigentlich. Nicht selten kommen die Früchte unreif in große Lagerhäuser, wo sie dann künstlich nachreifen. Oft wird beim Reifen auch noch nachgeholfen (z.B. mit dem Gas Ethylen bei Bananen). Diese Formulierung ist ein nichtssagender Appetitmacher, ohne Rückschluss auf die Qualität des Produktes.

Unbehandelt

Der Zusatz “unbehandelt“ bedeutet keineswegs, dass die Ware “unbelastet“ ist und nicht in Kontakt mit Chemie gekommen ist, sondern dass die Schale keiner Behandlung mit Schutzwachsen unterzogen wurde, die z.B. eine Zitrone für den Transport besser vor Insekten und Pilzen schützt. “Unbehandelte“ Früchte dürfen zwar nach der Ernte nicht mehr konserviert werden, aber während ihrer Wachstumsphase werden sehr wohl Pestizide und andere Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Rückstände dieser Mittel sind in der Schale und im Fruchtfleisch nachzuweisen. Nur bei Bio-Früchten kann man davon ausgehen, dass sie praktisch keine Rückstände enthalten.

Alpenmilch

Alpenmilch kommt von Bauernhöfen aus den Alpen. Falsch, es muss keinen regionalen Bezug geben! „Alpen“ sind für die Produktion von Alpenmilch die Sommerweiden, auf denen die Kühe den Sommer verbringen. Solch ein „Alpsommer“ dauert nur ca. vier Monate. Woher aber kommt die Alpenmilch im Winter? Zudem sind die Alpen geographisch ein relativ kleines Gebiet, gemessen an den Mengen, die es an Alpenmilch das ganze Jahr über in ganz Deutschland zu kaufen gibt. Manche Kühe haben ihre Heimatweide bis zu 100 Kilometer nördlich der Alpen. Teilweise wird die so genannte Alpenmilch laut einer Greenpeace-Studie sogar mit viel mehr Mais und Kraftfutter erzeugt, als das in den Alpen oder dem Allgäu üblich ist.

Erdbeerjoghurt

Generell: Joghurt mit Fruchtzubereitung enthält mindestens 3,5 % Frischfrucht, Joghurt mit Fruchtgeschmack enthält weniger als 3,5 % Frischfrucht. 3,5 % Fruchtanteil entsprechen gerade mal fünf mageren Gramm Erdbeere. Die Früchte sind teure Saisonware – also wird der Geschmack imitiert. Die Aufmachung aller Joghurt-Produkte führt Verbraucher in die Irre. Über 90 % der analysierten Aromen wurden chemisch hergestellt.

Kalbsleberwurst

In der Kalbsleberwurst ist nicht ein einziges Gramm Kalbsleber drin. Trotzdem darf sie so heißen. Die Begründung: Die Verbraucher seien das seit langem so gewöhnt, und in der Zutatenliste stünde ja auch nichts von Kalbsleber. Immerhin: Kalbfleisch ist drin. Zu einem kleinen Teil. Der Rest kommt vom Schwein. Auch die Leber.

Light, Diät, fettarm

Produkte, die diesen Zusatz tragen, sind nicht automatisch für eine Diät geeignet. Bei einigen wird zum Beispiel Fett durch Kohlenhydrate ersetzt. Diese Lebensmittel besitzen damit eine recht hohe Energiedichte, liefern also viele Kalorien pro 100 Gramm.

Vorderschinken

Mit dem Vorderschinken ist das anatomisch so eine Sache. Der Schinken ist beim Schwein immer hinten. Vorne gibt es keinen Schinken, nur Schulter. Nach einer speziellen Technologie werden verschiedene kleine Fleischteile mit Hilfe von Transglutaminasen (Eiweißkleber) zu einem größeren Stück verleimt. Was sich Vorderschinken nennt, besteht aus Fett, Wasser, Sehnenstücke, Gelatine und ein bisschen Fleisch.

Parmaschinken

Eines stimmt: Nur die besten Schweine dürfen in der Provinz Parma auf dem Lande in Zeitlupe zu köstlichstem Schinken heranreifen. Allerdings stammen nicht alle Tiere aus den elf für diese Delikatesse zugelassenen Regionen Nord- und Mittelitaliens, die italienische Auslegung ist da großzügig. Auch Schweine aus Deutschland, Belgien und anderen EU-Ländern werden in Parma veredelt. Den Original Parmaschinken erkennt man an seinem Markenzeichen, einer fünfzackigen Krone über einem Oval mit dem Schriftzug „Parma“.

Surimi

Vorsicht beim Kauf von Krebsfleisch: steht Surimi darauf, dann ist es ein Fake. Dafür wird nur billiges Fischfleisch mit Aromen und anderen Zusatzstoffen zu einem Brei gemixt, in speziellen Maschinen werden muskelfaserähnliche Strukturen erzeugt und die Masse in die Form von edlen Krebsschwänzen oder teuren Crabsticks gepresst. Sehen aus wie edle Meeresfrüchte. Beim genauen Hinsehen kann man erkennen, dass es sich um Surimi (jap.: zermahlenes Fleisch) handelt.

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