Wege zur wissenschaftlichen Information

Mit Nationallizenzen ermöglicht die Deutsche Forschungsgemeinschaft der Wissenschaft in Deutschland den Zugang zu vielen wichtigen online verfügbaren Quellen.

Ein furchtbares Problem ist das Problem der Informationsflut und ihrer Begrenzungen durch kommerzielle Interessen. Eine Frage an Google und viele Tausend Antworten werden angeboten. Viele dieser Antworten sind allerdings nur halbe Antworten: Abstracts und Kurzfassungen von Artikeln aus Zeitschriften aller Art.

Nun steht im Abstract nicht das, wonach gesucht wurde. Also den Artikel selbst vornehmen. Doch wo und wie? Auf der Seite des Verlages heißt es erstmal: anmelden, zahlen und dann darf gelesen werden. Ein schöner Ärger. Denn wer kauft schon eine Bäckerei nur deshalb, weil er hin und wieder Brötchen zum Frühstück wünscht?

Also in die nächste Bibliothek. Die muss dann schon eine Unibibliothek oder so was ähnliches sein. Auch dort ist das Gesuchte oft nicht vorrätig. Denn es wird von der Fachbibliothek der Fachrichtung xy geführt. Also zur nächsten Adresse. Und da wird dem Neugierigen gesagt, dass dieses Heft für Professor Extraschlau bezogen wird. Die Exemplare befinden sich in seinem Büro. In seinem Sekretariat weiß nun auch niemand, wo sich das gesuchte Exemplar gerade befindet. Und der Professor ist für ein Semester zum Forschungsaufenthalt in Berkley. Vorläufiges Ende eines Versuches zum Schlauer werden.

Die Nationallizenzen der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) versucht bereits seit einigen Jahren erfolgreich, dieses beschriebene Dilemma zu reduzieren. Ein breites Angebot an Volltextdatenbanken wird schon heute für die Universitäten, Forschungseinrichtungen und besonderen Bibliotheken auf der Grundlage von so genannten „Nationallizenzen“ zum direkten Zugriff angeboten. Aus den Netzwerken dieser Institutionen kann dieses Angebot direkt und kostenfrei genutzt werden.

Da muss dann nur die Technik laufen. Und der Benutzer muss mit den Systemen klarkommen. Oder er findet freundliche und fachkundige Unterstützung. Dann steht der erfolgversprechenden Recherche nichts mehr im Weg.

Noch mehr Information kommt ins Angebot der Nationallizenzen

Beiträge aus dem Forschungsmagazin „Science“, Zeitschriften aus der British Library, das Journal von Cambridge University Press und Kataloge New Yorker Museen stehen den Wissenschaftlern an den deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen bald zusätzlich online zur Verfügung. Der kostenfreie Zugang zu 20 weiteren großen Datenbanken und Zeitschriftenarchiven wird durch neue Nationallizenzen möglich gemacht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanziert den Ankauf von neuen Nutzungsrechten. Dafür stellt sie 6,5 Millionen Euro zur Verfügung. Und zusätzlich stellt sie 3,4 Millionen Euro in einem Sonderprogramm „Digitale Information“ bereit.

Unter den neuen Quellen, die bis Mai 2009 frei geschaltet werden, sind international ausgerichtete Volltext-Datenbanken. Dazu gehört das „Science Classic Archiv“, welches das Magazin der American Association for the Advancement of Science (AAAS) vom ersten Jahrgang 1880 bis ins Jahr 1996 dokumentiert. Eine Fundgrube nicht nur für Historiker ist die Datenbank „Early American Newspapers“, in der 2000 digitalisierte nordamerikanische Zeitungstitel aus der Zeit von 1690 bis 1922 recherchierbar sind. Gleiches gilt für die Kollektion der „British Library Newspapers“ mit 3,2 Millionen Onlineseiten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.

Einen besonderen Akzent erhält die diesjährige Initiative Nationallizenzen durch die Sonderfördermaßnahme „Digitale Information“. Sie unterstützt den Zugriff auf elektronische Zeitschriftenarchive und Datenbanken, die aus urheberrechtlichen Gründen bislang nicht national lizenziert werden konnten. Die hohe Nachfrage nach diesen Archiven hat die DFG zum Anlass genommen, diese Produkte im Rahmen einer besonderen Maßnahme zu fördern.

Ein Beispiel ist das Zeitschriftenarchiv JSTOR der in New York ansässigen Organisation gleichen Namens. Die hat ein kostenpflichtiges Onlinearchiv mit Fachzeitschriften aus zahlreichen Disziplinen aufgebaut. Die über viele Jahre herangewachsene Forschungsdatenbank enthält mehr als 800 Zeitschriftentitel aus 563 Verlagen. Das ist ein Informationskosmos mit 25 Millionen Seiten. Und ein Mammutwerk ähnlicher Güte ist das Onlinearchiv ARTstor, das den Weg zu rund 700 000 Bildzeugnissen aus nordamerikanischen Museen und Kunstsammlungen weist. Dies ist eine Fotodatenbank, die weit über die Kunstwissenschaften hinaus auf großes Interesse stößt.

Das Ziel der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Langfristiges Ziel der DFG-Förderinitiative ist es, die überregionale Literatur- und Informationsversorgung in der digitalen Informationswelt voranzutreiben. Im Jahr 2004 wurden zum ersten Mal aus Mitteln der DFG Nationallizenzen für elektronische Datenbanken und Zeitschriftenarchive internationaler Wissenschaftsverlage aus Mitteln der DFG erworben. 1010 Datenbanken, Textsammlungen und Zeitschriftenarchive sind bislang durch Nationallizenzen frei geschaltet. Sie stammen aus fast allen Wissenschaftsbereichen und unterstützen die Forschung in allen Disziplinen. Damit wird der Forschungsstandort Deutschland und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit gefördert.

Weitere Informationen

Und das Beste nun zum Schluss. In jedem Dorf der Republik, wo ein Zugang zum Internet möglich ist, kann dieses Informationsangebot genutzt werden. Jeder kann sich, wenn auch etwas umständlich und nur zu angewählten Datenangeboten, zur Nutzung dieser Quellen unter der Nationallizenz anmelden. Dort gibt es auch den Überblick über die aktuellen Angebote.

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