Wie Computer unsere Arbeitswelt verändern

Fast zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland benutzen laut BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) einen PC am Arbeitsplatz. In der Regel handelt es sich dabei nicht um Einzelarbeitsplätze, denn die Rechner sind üblicherweise über ein Intranet mit anderen Arbeitsplätzen im Unternehmen vernetzt und haben über das Internet auch Zugriff auf externe Rechner. Der Einzug der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie und der weltweiten Vernetzung hat weitreichende Folgen auf die Arbeitswelt, die sich aber schleichend eingestellt haben und vielen Betroffenen gar nicht so recht zu Bewusstsein gekommen sind. Im Folgenden sei nur auf drei Aspekte der Veränderung eingegangen, nämlich auf die Veränderung zwischenmenschlicher Beziehungen, die Vermischung der Lebensbereiche und die Bedeutung von Vertrauen im Geschäftsleben.

Die Veränderung der zwischenmenschlichen Beziehungen

Gerade in großen internationalen Unternehmen ist es für Mitarbeiter heute üblich, über den gesamten Globus mit Kollegen aus anderen Niederlassungen zu kommunizieren. Oft handelt es sich dabei um Kollegen, die man über Jahre nie gesehen hat, die Beziehungen sind zweckorientiert, punktuell oder periodisch begrenzt, etwa auf die Laufzeit eines Projektes. Das Bild, das man von anderen Menschen hat, wird nur aufgrund medial wiedergegebener Eigenschaften geprägt. Nach Beendigung eines Projektes bricht der Kontakt ab, die Menschen werden vergessen.

Geschäftsbeziehungen sind immer seltener persönliche Beziehungen. Vom Kennenlernen über die Vertragsverhandlungen bis hin zu Realisierung vereinbarter Geschäfte hat man oft mit keinem einzigen Menschen mehr direkt zu tun. Einkäufe und Verkäufe werden automatisch von der eingesetzten Software generiert, Geschäftsdokumente werden elektronisch ausgetauscht und höchstens in technologisch exklusiv eingerichteten Unternehmen kann man in den Luxus von Videokonferenzen kommen und Geschäftspartner virtuell kennenlernen.

Auch nach Beendigung der Bürostunden dominieren zunehmend virtuelle Beziehungen. Über das Internet knüpft man Kontakte in Chaträumen oder sucht sich Partner für die unterschiedlichsten Zwecke. In Internetspielen kann man sich selbst als Person einbringen. Die eigene Identität ist dabei meist verkürzt und beschönigt, man präsentiert nur die Persönlichkeitsmerkmale, von denen man will, dass andere sie wahrnehmen und schätzen. Die Identität der anderen Mitspieler ist ebenso unbekannt, Namen und Charaktereigenschaften sind fiktiv und oft nicht auf ihre reale Existenz zu prüfen.

Vermischung der Lebensbereiche Beruf und Freizeit

Arbeitszeit und Privatzeit vermischen sich durch eine zunehmende Auflösung zeitlicher und räumlicher Grenzen immer mehr. Flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeitsverhältnisse und Jobsharing führen zu einer Verschiebung ehemals fester Strukturen und Abgrenzungen zwischen Job und Freizeit. Auch physische Aktivitäten und Handlungen gleichen sich immer mehr an. Tätigkeiten in der Freizeit unterscheiden sich oft nicht mehr von den Tätigkeiten im Betrieb. Hat vor einigen Jahrzehnten beispielsweise ein Sachbearbeiter seinen Arbeitsplatz verlassen und seine Schreibmaschine mit Utensilien seines privaten Hobbies getauscht, so verlassen heute viele Menschen ihren Arbeitsplatz um unmittelbar nach der Ankunft im trauten Heim sofort wieder den PC hochzufahren und dort das selbe zu tun, was sie schon den ganzen Tag über getan haben, nämlich vermeintlich wichtige Emails zu checken, Bestellstatus erwarteter Lieferungen abzufragen oder neue Bestellungen aufzugeben.

Gerade die Möglichkeit „remote“ zu arbeiten, also sich außerhalb der Firma in den Rechner am Arbeitsplatz einzuloggen, führt oft dazu, dass zuhause weitergearbeitet wird. Dieses Engagement geht letztlich auf Kosten einer unbedingt erforderlichen Regenerationszeit. Die Auflösung der räumlichen Grenzen zwischen Unternehmen und Privatbereich kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn vom Home Office aus gearbeitet wird. Es gibt in diesen Fällen keine Trennung mehr zwischen privatem und geschäftlichem Bereich. Die Arbeit ist permanent präsent und sogar beim Abendessen stört noch der Benachrichtigungston für neu eingegangene Mails. Auch unterwegs ist man von der weltweiten Kommunikation nie abgeschnitten. Mobile Kommunikationsgeräte erlauben das Arbeiten von jedem beliebigen Platz der Welt. Wo und wann gearbeitet wird, spielt in vielerlei Hinsicht keine Rolle mehr.

Diese Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen bringt durchaus Vorteile mit sich und befreit Menschen von starrem Zeitdruck und Stress. Dennoch sind diese vermeintlichen Freiheiten nicht unkritisch zu sehen, insbesondere dann, wenn sie zu Lasten der Zeit gehen, die man eigentlich für die eigene Persönlichkeit und die Familie bräuchte.

Vertrauen im Geschäftsleben

Im Geschäftsleben ist immer Vorsicht im Umgang mit fremden Menschen geboten. Persönliche Kontakte bieten aber häufig Gelegenheit zu vertrauensbildendenden Maßnahmen. Im Internet kann man grundsätzlich keinem Fremden trauen. Die Gefahren der Computerkriminalität reichen von Daten-Klau über das Einschleusen von Viren und Trojanern bis hin zu betrügerischen Machenschaften im E-Commerce. Die Webseiten der Polizei-Beratung geben einen guten Überblick über mögliche Bedrohungen und geeignete Präventionsmaßnahmen.

Die ständigen Bedrohungen aus dem Netz bedeuten für viele Internetnutzer Stress und nervliche Belastung, sowohl am Arbeitsplatz als auch zuhause. In größeren Unternehmen werden für die Sicherung der Systeme eigene Spezialisten beschäftigt. Kleine Unternehmen oder selbstständig tätige „Einzelkämpfer“ müssen aber einen nicht unerheblichen Teil ihrer Arbeits- oder Freizeit zur Durchführung dieser Selbstschutzmaßnahen investieren. Manch einer hat heute im Umgang mit dem Internet das Gefühl, das Geschäftsreisende vor hunderten von Jahren begleitet hat: ständig muss man auf der Hut vor räuberischen Überfällen aus den Hinterhalt sein.

Zielgerichtete und kontrollierte Computernutzung

Das Internet eröffnet für Millionen von Menschen weltweit die Möglichkeit fast uneingeschränkter Information und Kommunikation, befreit von räumlichen und zeitlichen Beschränkungen. Computernutzung sollte aber zweckorientiert, zielgerichtet und kontrolliert von statten gehen. Die Allgegenwärtigkeit von Computern und Internet darf nicht dazu führen, dass wir zu Sklaven moderner Informations- und Kommunikationstechnologie werden.

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