Winterschlaf: Eine Strategie gegen Schmuddelwetter und Eiseskälte

Wer würde das nicht gerne mal machen: Den Winter verschlafen? Einige Tiere nutzen den Winterschlaf als Strategie die kalte Jahreszeit zu überstehen.

Der Winter kommt unaufhaltsam auf uns zu. Die Bäume verlieren ihre Blätter. Die Tage sind kürzer geworden, es wird zwar nicht richtig hell, dafür aber immer kälter. Müdigkeit! Die Zugvögel suchen ihr Glück in wärmeren Gefilden. Auch einige Menschen verlassen das sinkende (Winter-) Schiff und buchen einen Flug Richtung Süden. Einige Tiere haben eine andere Strategie für die kommende kalte Jahreszeit: Sie schlafen! Und auch viele Menschen träumen davon einfach mal einen Winterschlaf zu halten und im Frühling mit knospenden Blüten wieder aufzuwachen.

Winterschlaf als Überlebensstrategie

Der Winterschlaf ( Hibernation) ist ein schlafähnlicher Zustand, in den bestimmte Tiere- Säugetiere und wenige Vögel- unter Herabsetzung ihrer Körpertemperatur während der kalten Jahreszeit verfallen. Während der Mensch durch Schlaf wohl eher nass-grauen Tagen und klirrender Kälte entfliehen will, haben die Tiere einen wichtigeren Grund: Sie schlafen um zu überleben!

Viel Nahrung hat der Winter nämlich für die meisten Tieren nicht zu bieten. Während der Mensch wieder sein gefallen an Eintöpfen und warmem Kakao findet, haben die Tiere es schwer: Der Erdboden ist hart gefroren und teilweise von einer Schneeschicht bedeckt, die Bäume sind kahl. Also: Schlafen! Und das mit dem Winterschlaf ist für manche Tierchen eine sehr ernste Angelegenheit. Einige Winterschläfer wie Fledermäuse oder Haselmäuse würden sogar sterben, wenn sie gewaltsam – zum Beispiel durch Lärm oder Licht- am Schlafen gehindert würden. Das kann man nachvollziehen, auch als Mensch.

Einrichten der Winterresidenz

In der kalten Jahreszeit macht sich so manch einer das Eigenheim behaglich und rennt durch die Stadt auf der Suche nach heimeligen Wohnutensilien. Auch die Winterschläfer suchen jetzt im Herbst nach muckeligen Höhlen (hohle Baumstämme oder Erdhöhlen zum Beispiel) an denen sie vor der Kälte geschützt sind. Um es noch gemütlicher zu haben, polstern sie ihre Behausung mit gemütlichen Wohnaccessoires aus – zum Beispiel mit Heu, Stroh oder Blättern. In diesen neu geschaffenen Unterkunft verbringen meistens mehrere Tieren mit eingerolltem Körper und geschlossenen Augenlidern den Winter.

Schlafen und Energie sparen

So mach einer denkt sich an einem trüben Dezembertag: Woher soll ich bloß die Energie nehmen zur Arbeit oder zur abendlichen Vorlesung zu gehen. Die Winterschläfer quälen sich nicht mit solchen Motivationslücken. Sie sparen Energie in dem sie ihre Körpertemperatur zwischen neun und einem Grad Celsius absenken. Alle Körperfunktionen sind im Zustand des Winterschlafs stark verringert. Die Atmung ist schwach, der Herzschlag verlangsamt und die Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen fast abgestellt. Murmeltiere senken während des Winterschlafs ihre Körpertemperatur um bis zu 7 Grad Celsius ab! Ihr Herz schlägt statt hundertmal nur noch zwei- bis dreimal pro Minute, Atempausen können bis zu einer Stunde anhalten. Gegessen wird fast gar nichts. Damit die Schläfer das durchhalten, fressen sie sich vor ihrem langen Schlaf ein Fettdepot an.

Doch die Tiere verbringen nicht monatelang im Tiefschlaf. Der Winterschlaf gliedet sich in verschiedene Abschnitte, wobei sich längere Phasen der Ruhe mit stark reduziertem Stoffwechsel mit kurzen Wachphasen abwechseln. Wachen die Tiere allerdings zu oft auf sind sie nicht nur gerädert , sondern die Unruhe kann schlimme Folgen haben: Da jede Aufwachphase an den Energiereserven zehrt und Fettdepots aufgebraucht werden bleibt schlimmstenfalls für den eigentlichen Aufwachvorgang im Frühjahr nicht mehr genug Energie über. Wie Traurig.

Neues Leben: Aufwachen!

Irgendwann ist auch der längste Winterschlaf vorbei. Der Schnee taut, es wird wärmer und die Blumen sprießen. Die Winterschläfer wachen langsam auf und verlassen ihre Höhlen.

Aber wie wissen die Tiere, dass sie nun aufwachen müssen oder können?Die Ursachen für das Aufwachen im Frühjahr sind noch nicht vollständig erforscht. Eine Rolle spielen aber steigende Umgebungstemperaturen und die Ansammlung von zu vielen Stoffwechselendprodukten im Körper. Der Winterschläfer erhöht dann während der Aufwachphase nach und nach seine Körpertemperatur. Hormone sorgen dafür, dass das Fettgewebe zwecks Energiegewinn und Wärmeerzeugung abgebaut wird. Später setzt das Muskelzittern zur weiteren Temperaturerhöhung ein. Willkommen zurück!

Von den Schläfern lernen

Für den Winterschlaf sorgt ein Protein mit der Fachbezeichnung Hibernation Induction Trigger, kurz HIT. Das Protein entschleunigt die Körperfunktionen und Stoffwechselprozesse. Ein Phänomen, das Ärzte in Zukunft möglicherweise bei Organtransplantationen nutzen könnten, da die Lebensdauer von Spenderorganen begrenzt ist: Innerhalb von sechs Stunden müssen die Organe dem Empfänger eingesetzt werden.

Auch Astronauten und älteren Menschen kann eventuell durch die wissenschaftliche Analyse des Winterschlafs geholfen werden. In der Schwerelosigkeit werden die Knochen porös und lösen sich auf – sowie auch bei älteren Menschen auf der Erde. Der Hintergrund: während längerer Ruhephasen löst sich Kalzium aus den Knochen und gelangt ins Blut. Da zu hohe Kalziumkonzentrationen toxisch sind, werden sie vom Menschen ausgeschieden. Wichtige Knochensubstanz geht verloren.Forscher der Universität Illinois fanden bei einer Studie mit Bären heraus: Die winterschlafenden Bären besitzen die Fähigkeit, das Kalzium zu recyceln und wieder in ihre Knochensubstanz ein zu bauen.

Ganz von dem wissenschaftlichen Nutzen des Winterschlafes abgesehen, kann sich wohl jeder etwas von den Winterschläfern ab gucken: In seiner Höhle gemütlich machen, Energie sparen und viel Schlafen!

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