Wohnformen für Senioren

Senioren WGs sind in den westlichen Ländern im Kommen. Zuerst prüfen, ob man als alleinlebender Oldie auch wirklich dafür geeignet ist, mit anderen Menschen auf Dauer zusammenzuleben. Nach dem Umzug ist es zu spät.

Sie sind Jahrgang 55 plus. Sie leben allein. Sie sind bereits in Pension oder Rente. Ihre Fix- und Lebenshaltungskosten explodieren. Ihre Freunde verfügen in etwa über das gleiche Profil, leben ebenfalls allein, stöhnen über die steigenden Preise in allen Lebensbereichen und wollen das ändern. Was also liegt näher, als über die Gründung einer Senioren WG wenigstens einmal intensiv nachzudenken.

Viele Vorteile  Nachteile stellen sich oft später heraus

Im Idealfall hat einer der Freunde eine sehr große Wohnung oder bewohnt ein Haus allein. Das sind rein technisch gesehen die besten Voraussetzungen für eine Senioren WG. Sie ersparen sich dadurch Wohnungs- oder Haussuche, die oft sehr zeitaufwendig und leider sehr kostspielig sein kann. Wenn Sie über Makler suchen, müssen Sie gefasst sein, daß als Provision hierzulande im Regelfall drei Monatsmieten an den Makler bezahlt werden müssen. Viele Vermieter verlangen dann noch eine happige Kaution. Informieren Sie sich also als erstes über Ihre Rechte als Mieter.

Bestehen Sie darauf, daß alle Mieter als Hauptmieter mit gleichen Rechten im Mietvertrag aufscheinen.

Haben Sie die Traumimmobilie gefunden, muß man diese im Regelfall für die Bedürfnisse der Wohngemeinschaft adaptieren. Auch hier können wieder Mehrkosten anfallen, mit denen Sie nicht gerechnet haben. Handwerker sind nicht billig. In der Regel hat jeder Mitbewohner sein eigenes Zimmer. Dazu kommen die Sanitärräume, zwei WCs sind hier Standard, Bad oder Dusche, eine Gemeinschaftsküche und ein gemeinschaftlich genutzter Wohnraum.

Natürlich haben Sie bereits vor der Suche nach dem gemeinsamen Domizil abgeklärt, ob Sie überhaupt miteinander können. Selbst die besten Freunde gehen einem schnell auf die Nerven, wenn man deren Angewohnheiten im täglichen Zusammenleben auf Dauer nicht erträgt.

Hausordnung aufstellen

Die Räumlichkeiten sind verteilt, mit Ihren Lieblingsgegenständen eingerichtet. Spätestens jetzt sollten Sie sich zusammensetzen und eine Hausordnung aufstellen. Die sollte auch so profane Dinge, wie Putz- und Einkaufsdienst, Kochen, Wäschepflege und eine Besucherordnung enthalten. Die Besucherordnung ist wichtig, denn nicht alle Ihre Mitbewohner sind damit einverstanden, daß womöglich jeder Tag, als „Tag der offenen Tür“ gefeiert wird. Als älterer Mensch will man auch einmal seine Ruhe haben, sich nicht geschniegelt und „geschneuzt“ präsentieren müssen, einfach im bequemen Freizeitlook herumlungern. Ganz wichtig ist auch die Frage, ob in der WG geraucht werden darf oder nicht. Auch wenn man das eigene Refugium zum Raucherkammerl umfunktioniert, stört es die anderen Mitbewohner. Also vorher abklären.

Ganz entscheidend ist auch die Frage Haustiere ja oder nein. Abgesehen davon, daß der eine ein ausgesprochener Hundeliebhaber ist und Katzen hasst, oder umgekehrt, stellt sich bei Haustieren im Krankheitsfall oder Urlaub immer die Frage, wer sorgt für den vierbeinigen Mitbewohner.

Natürlich sollten die Bewohner einer Senioren WG annähernd gleiche Interessen und – es klingt ein wenig arrogant, stimmt aber – den gleichen Bildungsgrad aufweisen. Man wird sich miteinander auf Dauer nicht wohlfühlen, wenn man vielleicht wegen jeder Kleinigkeit von den scheinbar „Gescheiteren“ auf seine Bildungslücken aufmerksam gemacht wird.

Noch ein guter Rat: Auch wenn Sie sich momentan total alleine und einsam fühlen, auch wenn momentan Ihr Kontostand zum Weinen ist, auch wenn bei Ihnen zu Hause gröbere Reparaturen anstehen sollten, die Sie nie und nimmer bezahlen können, das sind alles keine Gründe aus dieser Stimmung heraus, in Panik zu verfallen und Knall und Fall in eine Senioren WG zu ziehen. Sie müssen es wollen, dazu benötigen sie alles in allem nach wie vor jene Eigenschaften, die für ein Zusammenleben mehrerer Menschen unerläßlich sind: Kommunikativität, Geselligkeit, Kompromissbereitschaft. Als Einsiedlerkrebs, der nicht aus seiner Haut kann, wird Ihnen das Leben mit Anderen sonst wirklich zur Qual.

In Österreich geben die jeweiligen Seniorenvertretungen der Parteien Rat bei der Gründung einer Senioren WG.

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