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Der Partner ist schwerkrank – wenn die Welt aus den Fugen gerät

Täglich kanns jeden Treffen, plötzlich ist der verlässliche Partner über zig Jahrzehnte schwerkrank. Zur Sorge hinzu gerät das Leben der Familie ins Trudeln.

Da leben zwei Menschen zusammen und plötzlich nach mehreren Jahren oder gar mehreren Jahrzehnten wird einer der beiden Menschen krank. Batsch… Knall auf Fall hat das Schicksal die dicke Keule hervor geholt und hat Ihm oder Ihr so richtig eins aufs Fell gehauen. Ein schwerer Unfall ist vielleicht geschehen und die Verletzungen sind schwer mit Dauerfolgen; ein Herzinfarkt hat Ihn oder Sie von den Füßen geholt; ein Schlaganfall sorgt mit irreparablen Schädigungen für Beeinträchtigungen; eine langjährige Diabetes mit ihren Auswirkungen sorgt für schwere Probleme und Ausfälle. Weitere Aufzählungen wie etwa Multiple Sklerose, Parkinson, Lymphödem, Asthma + COPD, unterschiedliche Krebserkrankungen zeigen auf, wie unendlich viele Erkrankungen das Leben vieler Menschen so negativ beeinflussen können. Man kann getrost sagen, dass sowohl für den erkrankten wie auch für den gesunden Partner sowie die restlichen Familienangehörige die Welt aus den Fugen gerät und ab dem Tag X nichts mehr ist wie es einmal war.

Beispiel: Alter 50, Ehefrau seit 33 Jahren, auf einmal Familienoberhaupt

Als fiktives Beispiel könnte hier eine 50 Jahre alte Ehefrau stehen, Mutter zweier Kinder, seit 30 Jahren verheiratet, Hausfrau. Und da es sie immer wieder geben wird, ist sie eine der Frauen, die nie etwas anderes gemacht hat als Hausfrau zu sein, die nicht wissen was ihr Mann verdient – sie bekommt ja schließlich genug Haushaltsgeld -, sie muss sich um nichts kümmern, der Mann macht es für sie. Und dann kommt sie, die oben erwähnte Keule, ganz hinterlistig und haut ihn um, den Haushaltsvorstand. 55 Jahre alt, hat einen kleinen aber feinen Handwerksbetrieb. Kawumm….und der Befund im Krankenhaus, in den man ihn ganz eilig eingeliefert hat nachdem er morgens im Bad von der Toilette gekippt war, lautet Schlaganfall. Nun, er wird leben, aber nun sitzt er im Rollstuhl, kann kaum noch sprechen und das Schreiben strengt ihn an. Alle freuen sich dass er noch lebt, aber schnell kommt auch der Frust auf beiden Seiten.

Total ahnungs- und hilflos

Er fühlt sich total gefrustet, weil er nur noch blöde im Rolli hängt, sich über sich selber und sein Unvermögen ärgert. Am liebsten würde er Schreien, etwas gegen die Wand werfen wenn er sieht wie all das, was er sonst immer spielend nebenbei gemacht hat, überhaupt nicht oder nicht richtig gemacht wird. So muss er zusehen, wie sich seine Frau die Haare rauft, weint, traurig ist und immer fremde Hilfe in Anspruch nehmen muss, weil sie einfach nichts von dem versteht, was plötzlich von ihr erwartet wird. Banktätigkeiten erledigen, die kleine Firma weiter am Laufen halten, sich um rundum alles kümmern, kleine Reparaturen vornehmen oder den richtigen Handwerker dafür finden. Zu allem Überfluss muss sie sich nun auch noch um ihn kümmern, um ihn sorgen. Ihm beim An-/ Ausziehen helfen, beim Waschen, beim Kämmen, beim Ein-/ Aussteigen aus dem Bett bzw. Rollstuhl helfen usw. Letztlich fragt er sich, ob sie ihn noch liebt oder ob es Mitleid ist was sie hält?

Verständnis, Geduld und gute Nerven 

Eines ist allerdings eine Gewissheit, der erkrankte Partner wird dem gesunden Partner schrecklich auf die Nerven gehen. Nicht weil er oder sie krank geworden ist, versorgt werden muss, nein, sondern meist wegen einem zu geringen Selbstwertgefühl. Aussprüche wie etwa „Warum liebst Du mich überhaupt, wo ich doch jetzt nicht mehr…… kann“ „Mich kann man doch so wie ich jetzt bin nicht mehr lieben“ usw. sorgen dafür, dass der gesunde Partner dem anderen immer gut zureden muss und immer wieder ewige Treue schwören muss. Diejenigen gesunden Partner, die auch lange nach der Erkrankung da geblieben sind, die werden auch die nächsten zig Jahre weiter dabei bleiben – den Kranken überall hin chauffieren, begleiten, sich mit ihm freuen, um ihn bangen, die Aufgaben des anderen übernehmen, Verantwortung übernehmen, vielleicht erstmals im Leben arbeiten gehen, die Pflege übernehmen, gute Laune versprühen usw. -, es sei denn, der kranke Partner benimmt sich so schrecklich, dass es der andere deshalb nicht mehr aushält.

Alles was zählt – die Liebe

Alles was zählt ist die Liebe, aber diese will gehegt und gepflegt werden, gepflegt durch ein liebevolles miteinander umgehen, durch liebe Worte und Taten und das auch durch den erkrankten Partner. Sie ist nicht selbstverständlich, auch nicht für plötzlich schwer Erkrankte. Leider vergessen das diese manchmal in ihrem Selbstmitleid und lassen all ihren Frust, ihre schlechte Laune an ihrem sie versorgenden Partner, an den Kindern aus und vergessen dabei, dass niemand an dem, was geschehen ist, schuld hat und der Partner sowie die Familie und Freunde nur das Beste geben, damit es ihm oder ihr gut geht und das Leben so gut es geht weiter gehen kann.