Die Hypersexualität – Ihre Entstehung und Problematik

Man fühlt sich nie befriedigt, ständig wechselt man seine Sexualpartner und fragt sich, wann diese Sehnsucht endlich gestillt wird – die Sexsucht.

Umgangssprachlich nennt man sie die „Sexsucht“, in der Fachsprache findet sie hingegen Namensgebungen wie Hypersexualität, Nymphomanie, Satyriasis oder Donjuanismus. Klischeebestätigend sind weitaus häufiger männliche Personen von dieser Art Sucht betroffen, allerdings nehmen sie dennoch in den meisten Fällen keine Therapie zur Hilfe. Die Hypersexualität verhindert eine vollständige Befriedigung der sexuellen Gefühle und die meisten Betroffenen haben mit einem isolierten Dasein zu kämpfen, weil kein Partner auf Dauer diese abnormen Wünsche akzeptieren, geschweige denn erfüllen könnte.

Abgrenzung zwischen Donjuanismus und Nymphomanie

Auch wenn die Fachbegriffe Donjuanismus und Nymphomanie die gleiche Art von Sucht benennen, unterscheiden sie sich in der Definition genderspezifisch. Während der Donjuanismus, oder auch genannt die Satyriasis, die Hypersexualität bei Männern anspricht, meint die Nymphomanie die ausgeprägte unbefriedigte sexuelle Abhängigkeit bei Frauen.

Frauen die sich als Nymphomaninnen outen, haben oft mit vielen Problemen und Schicksalsschlägen zu kämpfen. Ihre sexuelle Begierde kann nie gestillt werden und oft suchen sie sich genau aus diesem Grund verschiedene Sexualpartner, meist auch nur für eine Nacht. Diese sogenannten One-Night-Stands, die sich bei dieser Abhängigkeit zur Genüge finden und in der Regel mit der Promiskuität einhergehen, können besonders dem Ruf und Image der Frauen schaden. So passen sie sich mit ihrem abnormen Verhalten nicht den Gesellschaftsnormen an und fallen aus der Reihe. Dem gesitteten Bild einer netten und lieben Ehefrau können sie aufgrund ihrer Krankheit nicht gerecht werden. Nymphomaninnen werden deshalb verstoßen und beleidigt. Selbst in der Branche der Prostitution wird diese Suchtbezeichnung als Lockmittel verwendet.

Der Donjuanismus oder die Satyriasis bezeichnet den krankhaft gesteigerten Geschlechtstrieb bei männlichen Personen. Oft wird diese Sucht mit dem typischen Machogehabe vieler Männer verwechselt, sollte aber deswegen keinesfalls medizinisch oder psychologisch aberkannt werden. Symptomentechnisch ähnelt diese Sucht der Abhängigkeit bei Frauen mit dem kleinen Unterschied, dass die Gesellschaft nicht so kritisch auf das ungesittete Verhalten bei Männern schaut. Beide Geschlechter haben jedoch mit einer außerordentlich störenden Krankheit zu kämpfen, die sich bei weitem nicht so schön anfühlt, wie sie sich für manche vielleicht anhören mag.

Die Hypersexualität bei Homo- und Heteropersonen

Die Abhängigkeit von sexuellem Verlangen verändert sich nicht je nach sexueller Orientierung. Das heißt die Hypersexualität ist bei Homosexuellen genauso ausgeprägt wie bei Heterosexuellen.

Homosexuelle werden sich ihrer Krankheit allerdings nicht so oft bewusst wie Heterosexuelle, weil sie in den meisten Fällen ein Leben ohne die Promiskuität sowieso nicht kennen. Somit stellt für sie ein häufiger Partnerwechsel kein bösartiges Problem dar und sie sehen ihr übersteigertes Lustempfinden als eine, der sexuellen Orientierung entsprechende, gesunde Handhabung der eigenen Bedürfnisse an.

Folgen der Hypersexualität

Die Folgen einer Sexsucht können sich in mehreren verschiedenen Schicksalsschlägen äußern.

Zum einem stellt das Problem der Abhängigkeit die Gefühle des Betroffenen in den Fokus. Die Krankheitsgefährdete Person möchte diese Angelegenheit niemanden mitteilen, weil er oder sie sich schämt. Das Gefühl der Scham kann anschließend in andere, noch weniger erfreuliche Gemütslagen münden, wie z.B. in die Depression. Die Annahme man könnte nicht normal sein, treibt die meisten Süchtigen in den Wahnsinn und bringt so auch Schuldgefühle zum Vorschein.

Aufgrund der ständig wechselnden Partnerschaften findet ein Sexsüchtiger niemals Jemanden, der ihm den Rücken stärkt oder bei wichtigen Entscheidungen zur Rate steht. Betroffene machen einen regelrechten Liebesentzug durch, indem sie immer wieder auf oberflächliche Bekanntschaften stoßen, die ihnen nicht mehr als kurzzeitige sexuelle Befriedigung bieten können. Es findet eine Isolierung statt, bei der Suizid nicht ausgeschlossen werden kann.

Neben gesundheitlichen Risiken, wie z.B. auftretender Geschlechtskrankheiten aufgrund wechselnder Partnerschaften, können auch Geldschulden eine Folge der Abhängigkeit sein. Die Finanzierung exzessiver Partys oder Besuche kostenpflichtiger Pornoseiten im Internet stellen dabei nur einen Teil der möglichen kostenintensiven Varianten bei einer Sexsucht dar.

Lösungsansätze

Derzeit zeigt sich das Hilfsangebot in Deutschland als nicht ausreichend und klinisch behandelt wird dieses psychologische Problem nur in den USA.

Jedoch werden einige Selbsthilfegruppen in Deutschland angeboten, in denen die Betroffenen die Möglichkeit haben, ihre Geschichten und Erfahrungen mit anderen Leidensgenossen zu teilen. Das Gefühl des Zusammenhalts und eine gemeinsame Suche nach Lösungen dieser Sucht, stärken zudem das Selbstbewusstsein und lösen die stetige Isolierung auf.

Hypersexuelle sind auch nur normale Menschen

Menschen an den Pranger zu stellen, die an Hypersexualität leiden, sollte nicht Sinn der Sache sein. Auch wenn viele krankheitslose Menschen diese Art von Sucht zum Alibi nehmen und sich mit ihr decken, sollte ein psychisch- sowie medizinisch anerkanntes Problem nicht verwechselt oder verachtet werden.

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