Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Antisoziale Persönlichkeit, Soziopathie und Psychopathie. Kurzbeschreibung der antisozialen oder dissozialen Persönlichkeitsstörung, die auch als Soziopathie oder Psychopathie bekannt ist.

Begriffe, welche in der Psychologie verwendet werden, unterliegen dem Wandel der Zeit und sind damit schlecht festzusetzen (vergleiche hierzu Klaus – Jürgen Bruder in „Die diskursive Konstruktion des Psychischen“ In: Hoefert & Klotter (Herausgeber); „Neue Wege der Psychologie. Eine Wissenschaft in der Veränderung“ ; S. 191). Man kann daher schlecht formulieren, was eine antisoziale Persönlichkeit ist, sondern lediglich, als was sie nach heutigem Stand der Wissenschaft verstanden wird.

Beschreibung der dissozialen Persönlichkeit

Eine wartungsfreie Definition scheint nicht möglich. Das Hauptmerkmal liegt in dissozialem Verhalten, was sich durch wenig Einfühlungsvermögen ebenso äußert, wie durch Egozentrizität, eine geringe Frustrationstoleranz und vermindertes Verantwortungsgefühl. Die betreffenden Personen interessieren sich wenig für juristische sowie soziale Regeln. Die Schuld suchen sie meist bei anderen, was zu einer hohen Anpassungserwartung an andere führt. Ihre soziale Beobachtungsfähigkeit ist meist gut, so entdecken sie Schwächen anderer schnell und wissen diese zu ihrem eigenem Vorteil zu nutzen. Charakteristisch ist eine schlechte Lernfähigkeit, was die eigenen Fehler angeht. So fällt es ihnen schwer, Risiken gezielt zu vermeiden.

Abgrenzung von dissozialem Verhalten und dissozialer Persönlichkeitsstörung

Nicht jede Neigung zu ungewöhnlichem und antisozialem Verhalten stellt gleichzeitig eine Persönlichkeitsstörung dar. Sonst würde dies dazu führen, dass Menschen, die zwar in ihrer Persönlichkeit schwierig und sozial konfliktfähig sind, in strafrechtlich relevanten Fällen in einem Maßregelvollzugskrankenhaus (umgangssprachlich Irrenhaus) statt in einer Strafvollzugsanstalt (Gefängnis) untergebracht würden, obwohl sie nicht krank sind. Daher muss ärztlich im Einzelfall eine Persönlichkeitsstörung erst festgestellt werden.

Verhältnis von dissozialer Persönlichkeitsstörung, Psychopathie und Soziopathie

In der Vergangenheit war Psychopathie der gängige Begriff. Im Laufe der Zeit wurde von der Psychopathie die Soziopathie unterschieden. Hier wurden die psychopathischen Persönlichkeitszüge der Soziopathie zugrunde gelegt, welche durch dauerhaft konfliktträchtiges soziales Verhalten von Devianz und Delinquenz unterschieden wurde. Heute findet eine Unterscheidung selten statt. In der Psychologie hat sich der Begriff der dissozialen oder antisozialen Persönlichkeitsstörung durchgesetzt und wird im Katalog der „Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ unter der Kennung „ICD-10: F 60.2“ geführt.

Mögliche Ursachen für eine dissoziale Persönlichkeit

Zwillingsuntersuchungen ergaben, dass bei eineiigen Zwillingen viermal häufiger beide Zwillinge erkrankt waren, als bei zweieiigen. Dies lässt eine genetische Komponente vermuten. Auch Adoptionsstudien sprachen für einen genetischen Faktor.

In der Entwicklungspsychologie zeigten Studien einen möglichen Zusammenhang mit frühkindlichen Entbehrungen und Verlusterlebnissen, welche sich auch innerhalb scheinbar intakter Familien ergeben konnten.

Verlauf der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Häufig fallen spätere Patienten mit einer dissozialen Persönlichkeit bereits in der Kindheit durch häufiges Weglaufen, kleinere Diebstähle und Schulschwänzen auf. Die Manifestation erfolgt in der Regel vor dem fünfzehnten Lebensjahr durch Alkohol- oder Drogenabhängigkeit und kleinere Verbrechen. Mit fortlaufendem Alter werden die nach außen erkennbaren Auffälligkeiten jedoch immer seltener.

Therapie der antisozialen Persönlichkeitsstörung

Die Behandlung ist äußerst schwierig und gilt als eine der schwierigsten in der Psychiatrie. Meist wird vielmehr eine soziale Anpassung vorgenommen als eine Umstrukturierung der Psyche selbst. Die besten Ergebnisse erzielt die heilpädagogische Behandlung bei Kindern.

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