Einsamkeit als Risikofaktor für die Gesundheit

Neueste Studien gelangen zu dem Schluss, dass Einsamkeit ein größeres Gesundheitsrisiko darstellt als Übergewicht und mangelnde Bewegung.

Wie man weiß, ist der Mensch ein soziales Wesen. Fehlen ihm Austausch und Rückhalt in einem sozialen Netzwerk, hat das gravierende Folgen für die Gesundheit. Das belegen verschiedene Studien, die über 300.000 Menschen durchschnittlich 7,5 Jahre lang beobachteten haben. Nun steht fest, in welchem Ausmaß Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte unsere Gesundheit schädigen können. Ein gutes soziales Netzwerk wirkt sich direkt auf die Lebenserwartung aus, zu diesem eindeutigen Schluss gelangen die Wissenschaftler.

Einsamkeit als Risikofaktor für die Gesundheit unterschätzt

Der moderne gesundheitsbewusste Mensch treibt regelmäßig Sport und schindet sich im Fitnesstudio, nimmt die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu sich, verzichtet auf Rauchen, Fast Food und Alkohol. Doch dass er seiner Gesundheit durch regelmäßige Treffen mit guten Freunden ebenso viel Gutes tut, ist ihm bisher kaum bewusst gewesen. Es leuchtet zwar ein, dass Vereinsamung zu Depressionen führen kann und gute Freundschaften unsere Lebensqualität erhöhen und unser Leben bereichern. Aber dass Einzelgänger auch gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen, die das Leben verkürzen können, ist eine neue Erkenntnis, die auch ein Umdenken bei Gesundheitsbehörden erfordert. Ärzte und Gesundheitsexperten müssen in Zukunft das soziale Umfeld ihrer Patienten genauso berücksichtigen wie Ernährungsgewohnheiten, Alkohol-und Tabakkonsum und ausreichende Bewegung.

Einsamkeit genauso gesundheitsschädlich wie Rauchen und Alkoholismus

Soziale Isolation hat auf die Gesundheit einen ebenso dramatischen Effekt wie bekannte Risikofaktoren. Sie schadet der Gesundheit vergleichbar wie das Rauchen von 15 Zigaretten am Tag oder wie Alkoholismus, und ist doppelt so schädlich wie starkes Übergewicht. Das zeigte die Studie, deren Teilnehmer ein Durchschnittsalter von 64 Jahren hatten. Die Psychologen Julianne Holt-Lunstad und Timothy Smith von der Brigham Young University im US-Staat Utah, die die Ergebnisse der Studien zusammenfassten, gehen davon aus, dass der positive Einfluss von sozialen Kontakten vermutlich noch größer ist, da nur das Vorhandensein, nicht aber die Qualität der Beziehungen in den Untersuchungsergebnissen berücksichtigt wurden.

Einsamkeit erhöht das Sterberisiko

Es wurde ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Vereinsamung und dem Risiko, früh zu sterben, gefunden. Das erhöhte Sterberisiko beträgt bis zu 50 Prozent gegenüber sozial gut eingebundenen Menschen. Die Auswirkung zwischen sozialem Umfeld und Sterblichkeit ist dabei altersunabhängig. Es kommt in erster Linie auf die allgemeine soziale Integration an. Ausschlaggebend ist dabei auch nicht, ob man allein oder mit anderen zusammen lebt. Viele Singles sind gesellig und pflegen einen großen Freudeskreis, während manche Menschen, die in einer Partnerschaft leben, sich zurückziehen, Freundschaften vernachlässigen und sich isoliert fühlen können.

Menschen mit vielen Freunden leben gesünder

Doch warum ist der schützende Effekt von guten Freundschaften so groß? Warum leben sozial aktive Menschen länger als Einsiedlernaturen? Die Wissenschaftler vermuten, dass gut integrierte Menschen einen verantwortungsbewussteren und gesundheitsbewussteren Lebensstil pflegen als solche, die sich isoliert und ungeliebt fühlen. Zufriedenheit und ein positives Lebensgefühl schützt vor destruktivem und schädigendem Verhalten, sie passen besser auf sich auf und gehen weniger Risiken ein. Außerdem, so wird vermutet, haben positive Kontakte einen stärkenden Effekt auf das Immunsystem.

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