Italienische Mode – Geschichte und Designer im Überblick 

Italienische Mode vereint uralte Handwerkskunst mit zeitloser Eleganz. Valentino, Versace oder Moschino, die stilistische Vielfalt kennt keine Grenzen.

Florenz, bekannt als die Stadt mit den modebewusstesten Einwohnern Italiens, und das benachbarte Prato wurden schon vor dem Krieg zum bevorzugten Standort der Seiden- und Baumwollindustrie. Bis in die 50er Jahre hinein war Paris das unumstrittenen Modemekka, aber dann machte Florenz ihm ernsthaft Konkurrenz.

Florenz: die Heimat von Guccio Gucci und Roberto Cavalli

Der Marchese Giovanni Battista Giorgini veranstaltete im Februar 1951 die erste Modenschau in Florenz, die sich schnell zur internationalen Modemesse auswuchs. Führende Kreative, wie Emilio Pucci und Germana Marucelli, begeisterten sich für die Idee, ihre Entwürfe zweimal im Jahr im ehrwürdigen Palazzo Pitti einem fachkundigen Publikum aus Journalisten und Händlern zu präsentieren.

In Florenz verband sich seit jeher höchste Handwerkskunst mit modischer Raffinesse, nicht nur der Lederspezialist Guccio Gucci, geboren 1881, kehrte in den 20er Jahren wieder in seine Heimatstadt zurück, sondern auch der in Hollywood zum Star aufgestiegene Schuhdesigner Salvatore Ferragamo ließ sich 1927 in der Nähe nieder.

Zu vielen Vertretern eines zeitlosen, klassisch-eleganten Stils gesellten sich bald auch kreative Wilde wie Roberto Cavalli, der mit extravaganten Materialmischungen aus Leder, Pelz und Leopardenfellen seit den 70er Jahren für Aufsehen sorgte. Bis heute finden sich in Florenz die Boutiquen all ihrer berühmten Söhne, und mit einer renommierten Modeschule, der Herrenmodemesse „Pitti Immagine Uomo“ und einer Messe für Kindermode hält die Stadt ihren Status als wichtiges Modezentrum.

Mailand: seit den 60er Jahren das Zentrum der Fashion-Industry

In Mailand wurde 1958 die Camera Nationale delle Moda gegründet, sie sich der Verbreitung italienischer Mode im In- und Ausland verschrieben hatte. Die 60er Jahre mit ihren gesellschaftlichen Umwälzungen brachten einen Boom der Prêt-à-porter- Mode mit sich, berufstätige Frauen in der neuen Ära des technischen Fortschritts wollten selbstbewusst, praktisch und gleichzeitig elegant gekleidet sein, und vor allem sollte sich eine breite Schicht diese Kleidung auch leisten können. Mailand wurde in den kommenden Jahrzehnten zu einer inoffiziellen Hochburg der Prêt-à-porter-Kollektionen und seinerzeit zur Flaniermeile der Miniröcke und Blue Jeans. Serienproduktionen aus den Händen begnadeter Modeschöpfer in höchster Qualität bestimmten das Straßenbild.

1980 wurde das Prêt-à-porter-Sytem bei der Mailänder Modewoche eingeführt, deren zweimal jährliche Modenschauen ein Highlight in der internationalen Modeszene bilden.

Italienische Designer der ersten Generation: Valentino Garavani und Nino Cerruti

Die italienischen Designer der alten Schule, geboren in den 30er und 40er Jahren, prägten über Jahrzehnte mit ihrem persönlichen Stil das Bild der italienischen Couture, den ihre Nachfolger teils originalgetreu weiter pflegen. Valentino Gravani, Jahrgang 1932, steht für schlichte Eleganz, klare Schnittführungen und minimalistisches Farbdesign, außer Schwarz und Weiß kam aus seiner Sicht überhaupt nur Rot als Farbe in Betracht.

Uritalienisch klassisch aber mit einem Hauch französischer Raffinesse präsentierten sich die Kollektionen von Nino Cerruti, geboren 1930, der sich stets für luxuriöse Stoffe und körpernahe Schnitte begeistern konnte.

Georgio Armani und Gianni Versace

Georgio Armani, geboren 1934, ist vor allem für seine klassischen Herrenanzüge berühmt geworden, mit denen ihm schon früh große Erfolge in den USA gelangen, bevor er sich seit den 80er Jahren auch das Segment der Damenmode und den Parfumsektor eroberte.

Schließlich gehört Gianni Versace, geboren 1946, zu den Ikonen der italienischen Stilvielfalt. Der Paradiesvogel, der die Medusa zum Firmenlogo wählte, bevorzugte schreiend bunte Farben und Op-Art-Drucke, die seine Modelle mit jeder Menge Glamour und Sexappeal zu Kunstobjekten erhoben.

Die Generation Miuccia Prada und Dolce & Gabbana

Miuccia Prada, Erbin einer traditionellen Handtaschenfirma, wurde 1949 in Mailand geboren und sorgte seit den 80er Jahren mit ihrem „Bad Taste“-Look aus wilden Musterkombinationen für Aufsehen. Seit 1991 bestimmt sie mit dem Label Miu Miu auch die Jugendmode, ihre fröhlichen, bunten Kreationen im Hippie-Look begeistern weltweit ein junges, trendorientiertes Publikum.

Seit Mitte der 80er Jahre mischten der Sizilianer Domenico Dolce (geboren 1958) und Stefano Gabbana aus Mailand, Jahrgang 1962, die Modeszene mit ihren erotischen Kreationen für selbstbewusste Frauen auf. Ob strenge Hosenanzüge oder feminine Kleider, die Modelle von Dolce & Gabbana sind immer rasant geschnitten, während zahlreiche Details von Animal-Prints bis zum Spitzenbesatz überall für Sexappeal und Glamour sorgen.

Franco Moschino, der Spaßvogel unter den italienischen Designern

Nicht zuletzt gehörte Franco Moschino (1950 – 1994) zu den Neuerern der italienischen Mode des ausgehenden Jahrhunderts. Sein Hang zum Skurrilen äußerte sich gern in witzigen Neuauflagen bekannter Klassiker, so schuf er Chanel-Jäckchen mit Comic-Applikationen, mixte sämtliche Muster und Farben und würzte das Ganze noch mit Schleifchen und Rüschen bis zur gewollten Lächerlichkeit. Auch wenn seine Nachfolgerin Rosella Jardini das Label inzwischen in gemäßigtere Bahnen gelenkt hat, aus einigen Modellen zum Beispiel der Vorzeigelinie „Cheap & Chic“ springt noch heute der Witz des bisher wohl schrillsten italienischen Designers.

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