Mobbing am Arbeitsplatz – kein Phänomen der Neuzeit

Mobbing ist leider ein weitverbreitetes Phänomen am Arbeitsplatz. Jeder sechste Arbeitnehmer war schon Mobbingattacken ausgesetzt. Was ist Mobbing?

Eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid ergab, dass etwa jeder sechste Arbeitnehmer in Deutschland schon einmal Opfer einer Mobbingattacke war. Doch was ist eigentlich Mobbing? Dafür gibt es zwei allgemein gültige Definitionen, die diese Verhaltensart treffend umschreiben.

„Unter Mobbing wird eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft und während längerer Zeit mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet.“ (Leymann 1993)

“Mobbing beinhaltet, daß jemand am Arbeitsplatz von Kollegen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder beispielsweise mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht wird und der oder die Mobbingbetroffene unterlegen ist. Wenn man etwas als Mobbing bezeichnen möchte, dann muß dies häufig und wiederholt auftreten (z. B. mindestens einmal pro Woche) und sich über einen längeren Zeitraum erstrecken (mindestens ein halbes Jahr).” (Zapf 1999)

Mobbing ist kein Phänomen der Neuzeit

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) weist zurecht darauf hin, dass der Begriff „Mobbing“ kein Phänomen der Neuzeit ist, sondern schon seit jeher in der Arbeitswelt existiert. Doch gerade in der heutigen Zeit, in der die Arbeitswelt durch Leistungsdruck und harten Konkurrenzkampf in den einzelnen Unternehmungen verschärft ist, wird das Thema „Mobbing“ aktueller denn je.

Welche Arten von Mobbing gibt es?

Die am weitesten verbreiteten Arten von Mobbing am Arbeitsplatz sind:

  • Beleidigungen
  • ständige Kritik
  • Drohungen
  • das Bloßstellen vor den Kollegen
  • das Verbreiten von Gerüchten über eine Person
  • sexuelle Anspielungen und Belästigungen
  • das Blamieren einer Person in der Öffentlichkeit
  • Eingriffe in den persönlichen Besitz einer Person
  • Sabotage von Arbeitsleistungen

Welche Ursachen hat Mobbing am Arbeitsplatz?

Mobbing am Arbeitsplatz kann viele unterschiedliche Ursachen haben, angefangen von der Langeweile im Kollegenkreis. Doch auch tiefergehende Gründe wie klare Defizite im Verhalten der Führungskräfte, streng hierarchische Betriebsabläufe und -organisationen und vor allem ein großer Leistungs- und Konkurrenzdruck in den Unternehmen können Ursachen für Mobbingattacken gegen einzelne Arbeitnehmer sein.

Auch ist es für viele Menschen nicht einfach, wenn sie eine neue Arbeitsstelle antreten und in einen neuen Kollegenkreis eintauchen müssen, wo sich die Kollegen meist schon mehrere Jahre kennen und eng miteinander zusammenarbeiten. Diese dulden dann meist keine „Eindringlinge“, so dass neue Kollegen der Gefahr von Mobbing durchaus ausgesetzt sind. Ebenso können persönliche Motive einzelner Personen Ursachen für Mobbing sein. Dazu zählen:

  • persönlicher Frust und Unzufriedenheit an der eigenen Person/Leistung
  • die Angst um den Arbeitsplatz
  • das Ablassen von Frust
  • das Ausüben von Rache
  • der Verlust der eigenen innerbetrieblichen Position

Welche Folgen kann Mobbing für Mobbingopfer haben?

Mobbing kann für den Betroffenen eine Vielzahl von unangenehmen Folgen haben, die den meisten Menschen, die Mobbingattacken ausüben, zum Zeitpunkt dieser Handlungen gar nicht bewusst sind.

  • Demotivation am Arbeitsplatz
  • Misstrauen in die eigene Leistungsfähigkeit und -stärke
  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • starke Selbstzweifel
  • stark ausgeprägte Nervösität und Angstzustände
  • große Konzentrationsschwächen

In ganz schlimmen Fällen von Mobbing verfallen die Opfer in starke Depressionen, ertränken ihr Leid im Alkohol oder tragen sich gar mit Selbstmordgedanken.

Was tun, wenn man Mobbing ausgesetzt ist?

Sobald man spürt, dass man gemobbt wird, sollte man schnell handeln. Der Weg zum Vorgesetzten ist dabei ganz wichtig. Man sollte sämtliche Mobbingattacken notieren und genauestens dokumentieren und sich auf keinen Fall zurückziehen. Denn dann treten oben genannte Folgen gefährlich zu Tage.

Man kann auch den Kollegen, von dem die Attacken ausgehen, direkt ansprechen und ihn somit zu einer Erklärung seiner Missgunst zwingen. Das zeugt von Selbstbewusstsein und weckt beim Gegenüber den Anschein, dass man sich selbst nicht alles gefallen lässt.

In Unternehmen mit Betriebsrat ist dieser der erste Ansprechpartner für Mobbingopfer. Der Betriebsrat steht der betroffenen Person hilfreich zur Seite und unterstützt sie beim weiteren Vorgehen. Unter anderem stehen die Mitglieder des Betriebsrats für eine Konfliktberatung zur Verfügung.

Auch bieten viele Krankenkassen mittlerweile Beratungs- und Hilfsangebote für die Opfer von Mobbingattacken an. Und wenn alles nichts hilft, bleibt immer noch der Schritt zu einem Rechtsanwalt für Arbeitsrecht, der notfalls gerichtlich gegen den Mobber vorgehen wird. Es sollte aber bei jedem Schritt daran gedacht werden, dass auch eine drohende Arbeitslosigkeit krank macht.

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