Pädophilie – Krankheit oder nicht?

Was genau ist Pädophilie? Wie sind ihre Ausprägungen? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen „pädophil“ und „pädosexuell“?

Genau 124 Jahre alt ist der Begriff „Pädophilie“. Eingeführt als „Paedophilia erotica“ ist seine einstige Definition bis heute kaum verändert worden. Schon damals waren drei entscheidende Merkmale benannt worden, welche die Pädophilie kennzeichnen, nämlich das längerfristige, primäre sexuelle Interesse an Kindern, also an Menschen vor Beginn der Pubertät. „Primär“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der sexuelle Reiz überwiegend durch Kinder entsteht, wenngleich sexuelles Interesse auch anderen Personengruppen gegenüber bestehen kann.

Krankheit Pädophilie?

Sind diese drei Merkmale gegeben, so besteht beim Betreffenden eine (anerkannte) psychische Erkrankung, nämlich eine Störung der „sexuellen Präferenz“, einer gestörten sexuellen Vorliebe. Für die Diagnosestellung der Krankheit ist es nicht von Bedeutung, ob die Vorliebe sich dabei an weiblichen oder männlichen Kindern orientiert. Im Vordergrund steht die sexuelle Ausrichtung auf der Kindlichkeit und liegt auf einer anderen Ebene als Homo- oder Heterosexualität. Unerheblich ist für die grundsätzliche Diagnosestellung auch, ob die sexuellen Wünsche ausgelebt werden.

Ausprägungen einer sexuellen Störung

Tiefer gehend verzweigt sich die Diagnose „Pädophilie“ und differenziert zwischen „gleichgeschlechtlichen“, „gegengeschlechtlichen“ und „bisexuellen“, zwischen „ausschließlichen“ und „nicht-ausschließlichen“ sowie zwischen „inzestuösen“ und „nicht-inzestuösen“ Ausprägungen.

Eine von der Pädophilie abzugrenzende Sonderform ist die „Infantophilie“, bei der sich das sexuelle Interesse des Betroffenen auf Kleinkinder bezieht. Diese extreme sexuelle Störung unterliegt noch keiner spezifizierten medizinischen Anerkennung.

Wo liegen die Ursachen der Pädophilie?

Ob es ein Pädophilen-Gen gibt oder bei Betroffenen eine hormonelle Abnormität vorliegt, ob die eigene Missbrauchserfahrung dazu führt, dass sich eine gestörte sexuelle Präferenz entwickelt oder ob verdrängte oder „von Amts wegen“ untersagte Sexualität (wie Beispielsweise in der Kirche) die Ursachen sind, ist Spekulation. Längst ist die Grundlagenforschung im Bereich der Pädophilie noch in den Kinderschuhen. Zwar zeigen sich immer wieder neue Erkenntnisse, doch eindeutige Ergebnisse und konkrete Hinweise auf eine mögliche Behandlung der Krankheit „Pädophilie“ werden noch lange auf sich warten lassen.

Pädophil – in der Fantasie oder real?

Die Bezeichnung Pädophilie wird häufig gleichbedeutend mit sexuellen Übergriffen auf Kinder verwendet, was leicht zu einem schwammigen Bild Betroffener beider Seiten führt. Pädophilie an sich ist die Basis, auf der sich eine tatsächliche sexuelle Handlung, also ein sexueller Missbrauch, anbahnen kann. Die gelebte Pädophilie drückt sich im Begriff „Pädosexualität“ aus.

Es empfiehlt sich, die Begriffe eindeutig zu unterscheiden und sie auch in den jeweiligen Zusammenhängen entsprechend zu verwenden. Denn während die „Pädophilie“ eine sexuelle Handlung nur erahnen lässt, so drückt die „Pädosexualität“ den Missbrauch und den dahinter stehenden körperlichen Übergriff sehr viel deutlicher aus.

Pädophilie – eine Männerkrankheit?

Alle bekannten Zahlen bezüglich Pädophilie und pädosexuellen Übergriffen sind zu unspezifisch, als dass sie wirklich zu einer statistischen Bewertung herangezogen werden könnten. Die vorliegenden Zahlen erfassen lediglich bekannte Täter, Opfer und die Gruppe couragierter Pädophiler, die sich ihrer Neigung stellen und – meist anonym – in der Statistik auftauchen. Die daraus hochgerechneten Schätzwerte sind kaum aussagekräftig.

Was die Zahlen jedoch eindeutig preisgeben ist die Tatsache, dass der Anteil pädophiler Frauen praktisch unbedeutend ist. Ebenso wie bei der sexualisierten Gewalt gegenüber Erwachsenen scheint die Pädophilie ein männliches Phänomen zu sein.

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