Studium ohne Abitur

Sächsische Wissenschaftsministerin will Hochschulzugang erleichtern. Derzeit kommt ein Universitätsstudium für beruflich Qualifizierte nur selten in Frage. Das soll sich nach dem Willen der sächsischen Wissenschaftsministerin ändern.

In Sachsen sollen zukünftig Menschen mit einer beruflichen Qualifikation bessere Möglichkeiten für ein Hochschulstudium haben. Das geht aus einer Mitteilung der sächsischen Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange hervor. „Durchlässigkeit im Bildungssystem darf nicht vor der Hörsaaltür halt machen. Gut qualifizierten und hochmotivierten Facharbeitern oder Erzieherinnen muss der berufliche Aufstieg durch ein Studium möglich sein. Wer sich nicht schon in der Schule für ein Studium entscheidet, sollte eine zweite Chance nach der Berufsausbildung bekommen. Wirtschaft und Gesellschaft benötigen mehr hochqualifizierte Fachleute“, so die Ministerin. Die Universitäten müssen sich demnach auch mehr für beruflich qualifizierte Menschen öffnen, auch wenn sie kein Abitur in der Tasche hätten.

Derzeitige Lage macht den Hochschulzugang schwierig

Derzeit ist der Hochschulzugang ohne Abitur auch für Menschen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und einer entsprechenden Erfahrung schwierig. Ein Hauptkriterium ist demnach eine gewisse Mindestdauer in einem dem Wunschstudium fachlich sehr nahen Bereich. So muss es nicht wundern, dass der Anteil derer, die sich trotz beruflicher Qualifikation und einigen Jahren Arbeit noch für ein Studium entscheiden, mit einem Prozent sehr gering ist. Wenn es nach der sächsischen Wissenschaftsministerin geht, soll dieser Anteil in den kommenden Jahren möglichst verdreifacht werden.

Die Universitäten müssen ihre Angebote anpassen

Dazu müsse zunächst der Zugang zur Universität vereinfacht werden. Das könne zum Beispiel unter anderem durch die Schaffung neuer, finanzieller Anreize geschehen. In einem Entwurf für das neue sächsische Hochschulgesetz sei inzwischen ein vereinfachter Zugang für Meister und andere Qualifizierte festgehalten. Zusätzlich müssten laut Stange jedoch auch die Hochschulen ihren Teil beitragen, indem sie zum Beispiel ein Angebot schafften, dass mehr berufsbegleitende Studiengänge beinhaltet. „Hier gibt es noch viel Potenzial, gerade wenn es darum geht, Jugendlichen und beruflich Erfahrenen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen und bereits erworbene berufliche Qualifikationen auf das Studium anzurechnen“, erklärte die Ministerin.

Ministerin Stange setzt sich für eine Änderung des BaföG ein

Zusätzlich kündigte die Wissenschaftsministerin an, sich bei ihren Kollegen in den anderen Bundesländern für eine Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BaföG) einzusetzen. Zur Zeit wird die Unterstützung für Studenten und Auszubildende nur bis zum 30. Lebensjahr gezahlt. Gerade für beruflich Qualifizierte, die schon eine Weile im Arbeitsmarkt aktiv sind, kommt die Förderung daher nur selten in Frage. Das sei laut Dr. Eva-Maria Stange ein wichtiger Grund für die geringe Zahl derer, die nach einer Berufsausbildung noch einmal studieren: „Gerade bei dieser Zielgruppe gibt es eine Hemmschwelle auf dem Weg zum Studium, weil dabei auf Einkommen verzichtet werden muss, vor allem wenn zu diesem Zeitpunkt schon Familie da ist.“

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