Trizyklische Antidepressiva reduzieren chronische Kopfschmerzen

In der Prophylaxe von Spannungskopfschmerzen und Migräne zeigen sich Trizyklika als signifikant wirksam. Der Effekt wird größer, je länger behandelt wird.

Ursprünglich sind die trizyklischen Antidepressiva für die Behandlung von Depressionen entwickelt worden, werden in der Psychiatrie mittlerweile aber meist durch Substanzgruppen ersetzt, die eine bessere antidepressive Wirkung zeigen. Die Trizyklika werden stattdessen in den letzten Jahren immer mehr in der Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt, denn ihr Wirkspektrum geht über die antidepressive Wirkung hinaus. Da diese Stoffgruppe schon lange verordnet wird, kennt man außerdem die Breite der unerwünschten Nebenwirkungen und kann so Kosten und Nutzen gut gegeneinander abwägen.

Aus der klinischen Erfahrung ist schon länger bekannt, dass der Einsatz von trizyklischen Antidepressiva bei chronischen Kopfschmerzen hilfreich ist. Am 1. Mai 2011 veröffentlichte InFo Neurologie & Psychiatrie die Ergebnisse einer Metaanalyse zum Einsatz von trizyklischen Antidepressiva in der Prophylaxe chronischer Spannungskopfschmerzen und Migräne.

Chronische Kopfschmerzen zu behandeln ist eine Herausforderung für die Medizin

Die befriedigende prophylaktische Behandlung von chronischen Spannungskopfschmerzen und Migräne ist ein schwieriges Feld in der Medizin. Es gibt viele Behandlungsansätze, viele Ideen und viele Erfahrungen. Trotzdem ist die Zahl der Betroffenen sehr hoch. Bei der Migräne zum Beispiel beobachten Mediziner zudem einen rätselhaften Anstieg der Neuerkrankungen. Aktuell wird die Behandlung der Migräne mit Botox diskutiert und es liegen Ergebnisse vor, dass die interdisziplinäre Versorgung bei Migräne hilfreich ist. Auf der medikamentösen Schiene werden in Europa bei Migräne meist Betablocker, Kalziumantagonisten und Antiepileptika eingesetzt, alle diese Mittel haben aber auch Nebenwirkungen, die mitunter so schwer wiegen, dass der Einsatz sehr genau abgewogen werden muss, zum Beispiel beim Antiepileptikum Topiramat in der Schwangerschaft.

In der Behandlung des chronischen Spannungskopfschmerzes werden in Europa erfolgreich Phytopharmaka wie Pfefferminzöl eingesetzt, aber auch trizyklische Antidepressiva, diese wirken nach einer Metaanalyse prospektiver randomisierter Studien aber nicht nur beim Spannungskopfschmerz, sondern durchaus auch bei der Migräne als medikamentöse Prophylaxe.

Studien zu trizyklischen Antidepressiva und chronischen Kopfschmerzen

Mittels Literaturrecherche wurden 37 Studien ausfindig gemacht, die sich dem Zusammenhang zwischen trizyklischen Antidepressiva und Migräne beziehungsweise chronischem Spannungskopfschmerz widmen. Insgesamt 3176 Probanden wurden im Mittel zehn Wochen beobachtet, erfasst wurde die Häufigkeit der Kopfschmerzen, ihre Intensität und, wenn verfügbar, der Kopfschmerzindex (Kopfschmerzhäufigkeit x Dauer x Intensität). In 20 Studien wurden trizyklische Antidepressiva mit Placebo verglichen, in einigen standen die Trizyklika selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI) oder anderen Antidepressiva gegenüber, in anderen auch Betablockern, Buspiron, Dihydroergotamin, Flunarizin und Ritanserin. Daneben gab es auch Studien, welche die Trizyklika mit Verhaltenstherapie verglichen.

Das am häufigsten eingesetzte trizyklische Antidepressivum war Amitriptylin, die gängigste Dosis betrug 50 bis 100 mg. Bei 19 Studien lag der Fokus der Untersuchung auf der Häufigkeit der Kopfschmerzen, in fünf Studien interessierte die Intensität der Schmerzen und in 13 Studien war der Kopfschmerzindex der Mittelpunkt des Interesses.

Trizyklische Antidepressiva helfen bei chronischen Spannungskopfschmerzen und bei Migräne

Die gute Nachricht ist, dass trizyklische Antidepressiva über alle zitierten Studien hinweg die Kopfschmerzen beträchtlich linderten. Bei den Probanden mit den chronischen Spannungskopfschmerzen verringerte sich die Anzahl der Schmerztage um ein Drittel, bei den Migränikern sank die Attackenhäufigkeit um 30 Prozent. Je länger die Trizyklika eingenommen wurden, um so größer wurde dieser Effekt. Verglichen mit den Placebo hatten die Trizyklika eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, die Kopfschmerzen um die Hälfte oder mehr zu reduzieren. Auch waren die trizyklischen Antidepressiva signifikant wirksamer als die SSRI. Die Probanden mit den chronischen Spannungskopfschmerzen profitierten mehr von den Medikamenten als diejenigen mit der Migräne, und Probanden mit gleichzeitig vorliegenden Depressionen profitierten noch mehr von den Medikamenten.

Trizyklische Antidepressiva in der Kopfschmerzprophylaxe haben auch Nebenwirkungen

Die schlechte Nachricht ist, dass Trizyklika Nebenwirkungen haben können, meistens Mundtrockenheit, Benommenheit und Gewichtszunahme. Besonders letzteres stellt in der Praxis ein erhebliches Problem dar. Interessanterweise war der therapeutische Effekt bei den Spannungskopfschmerzen am größten, aber leider auch die Nebenwirkungen.

Was aus klinischen Erfahrungen schon länger bekannt ist, wurde hier nochmal belegt: Trizyklische Antidepressiva eignen sich zur medikamentösen Prophylaxe sowohl der chronischen Spannungskopfschmerzen als auch der Migräne und wirken auch besser als SSRI. Je länger behandelt wird, um so größer ist der therapeutische Effekt. Die Nebenwirkungsrate, besonders die Gewichtszunahme, ist allerdings in der Praxis ein ernst zu nehmendes Problem.

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