Vegane Kinder: Wachstum und Entwicklung

Vegane Ernährung beinhaltet das Risiko von Nährstoffmangel-Erscheinungen. Inwieweit diese Kostform für Kinder geeignet ist, wurde in England untersucht.

Kinder sind hinsichtlich Fehlernährung und Nährstoffmangel wesentlich sensibler als Erwachsene. Für ihre gesunde Entwicklung und ihr Wachstum müssen sie optimal versorgt sein. Eine vegane Diät schließt alle tierischen Lebensmittel aus: Fleisch, Milch, und Eier stehen ebenso wenig am Speiseplan wie daraus hergestellte Produkte: Joghurt, Käse, Honig, Wurst, Kuchen… Die Aufnahme bestimmter Nährstoffe wie Vitamin A, Vitamin B12, Vitamin D, Carnitin, Taurin, und mancher Fettsäuren liegt meist unter dem Durchschnitt. Daher wird landläufig oft propagiert, dass vegane Ernährung vor allem für Kinder ungesund sei.

Vegane Ernährung in den ersten Lebensjahren

Carnitin und Taurin sind für die Entwicklung von Kleinkindern wichtig. Zwar kommen diese Nährstoffe in der veganen Kostform nicht ausreichend vor, jedoch kann eine gute Versorgung durch Stillen erreicht werden. Auch Vitamin B12 ist in der Muttermilch vorhanden, und verhindert somit einen Mangel beim Kleinkind – vorausgesetzt es wird gestillt und die Mutter leidet nicht selbst an einem Mangel. Vitamin D muss lediglich bei geringer Sonnen-Exposition supplementiert werden (zum Beispiel im Winter).

Körpergewicht, Wachstum und Entwicklung von Kindern, die sich vegan ernähren

Die durchschnittliche Energie-Aufnahme liegt sowohl unter den Empfehlungen, als auch unter dem Durschnitt von jenen Kindern, die auch tierische Produkte essen. Daher sind vegane Kinder meistens leichter und dünner als Gleichaltrige. Auch das Größenwachstum ist etwas geringer, liegt jedoch im akzeptablen Rahmen.

Die Unterschiede im Längenwachstum könnten ihren Ursprung auch darin haben, dass die Kinder der Kontrollgruppe (also die Mischkost-Kinder) überwiegend mit der Flasche ernährt wurden, und daher möglicherweise überdurchschnittlich schnell gewachsen sind. Ab etwa vier Jahren verläuft das Wachstum in beiden Gruppen gleich.

Hämatologische Untersuchungen zeigten, dass die Beschaffenheit des Blutes bei veganen Kindern normal ist. Die physische und schulische Entwicklung der Kinder ist unauffällig.

Versorgung mit Nährstoffen

Da die Eltern von veganen Kindern selbst Veganer sind, wissen sie grundsätzlich sehr gut Bescheid über Risiko-Nährstoffe. Vitamin D und Vitamin B12 werden daher oft supplementiert.

Das für das Knochenwachstum wichtige Calcium wird durch Nüsse und Hülsenfrüchte in ausreichender Menge aufgenommen. Der Eisen-Bedarf kann über Vollkornbrot gedeckt werden.

Insgesamt ist die Nährstoffdichte (Nährstoffmenge pro 1000kcal) durch den hohen Obst- und Gemüse-Anteil in veganer Ernährung wesentlich höher als bei Mischkost.

Der geringen Fett-Aufnahme wird oft zu wenig Beachtung geschenkt: während es bei Erwachsenen erstrebenswert ist, denn Fett-Konsum einzuschränken, ist eine ausreichende Aufnahme dieses Nährstoffes für Kinder sehr wichtig. Daher sollten vor allem fettreiche pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Samen, Öl, und Kokosmilch häufig auf dem Speiseplan stehen.

Fazit: vegane Ernährung ist für Kinder geeignet

Gesundes Wachstum ist bei veganer Ernährung durchaus möglich. Wichtig sind: eine vielseitige Nahrungsmittelauswahl, ausreichende Kalorienmenge, gute Kenntnisse über Inhaltsstoffe der Lebensmittel, und Supplementierung von Vitamin D und und Vitamin B12. Ernsthafte Mangel-Zustände treten nur bei mangelndem Wissen auf.

Verbale Angriffe auf vegane Familien sind nicht selten. Oftmals werden die Kinder bemitleidet, oder gar als „ernährungstechnisch misshandelt“ bezeichnet. Umgekehrt wird die „Misshandlung“ von Kindern durch zu viel Fett und Fleisch, und zu wenig Obst und Gemüse in Mischkost-Familien ignoriert. Angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse über den Gesundheitszustand von vegan ernährten Kindern wäre etwas mehr Toleranz durchaus angebracht.

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