Was bringen Genanalysen?

Die Macht der Gene in der Medizin. Der bekannte Wiener Gynäkologe Professor DDr. Johannes Huber erklärt von der Schulmedizin akzeptierte Genuntersuchungen.

Wagen wir einen Blick in die nahe Zukunft. Im Jahr 2015 oder 2020 – schreibt der bekannte Wiener Gynäkologe und Hormonforscher Professor DDr. Johannes Huber in seinem Buch „Das Ende des Alterns“ – wird es bei der Geburt eines Kindes folgende routinemäßige Prozedur geben: Ein paar aus seiner Wange entnommene Hautzellen werden im Labor hinsichtlich ihrer genetischen Merkmale analysiert. Die Mutter wird dann für ihr Kind einen speziellen Gesundheitspass ausgehändigt bekommen, in dem aufgrund der Genanalyse vermerkt ist, in welchem Lebensalter und mit welcher Wahrscheinlichkeit das Kind voraussichtlich Gefahr laufen wird, im späteren Leben diese oder jene Krankheit zu entwickeln.

Beispiele für Genanalysen

Da könnte beispielsweise bei einem Knaben stehen, dass er gefährdet ist, in der Pubertät zum Epileptiker zu werden. Oder, dass das betreffende Kind im Alter mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko zu rechnen hat. „Das ist keine Utopie mehr!“ hält Professor Huber fest. Bei manchen Krebsarten, vor allem den hormonabhängigen, wäre das heute schon möglich. Die Frage, ob zum Beispiel jemand das Brustkrebsgen BRCA1 in sich trägt (deutet auf ein hohes Risiko hin, später an Brustkrebs zu erkranken), ließe sich zum Beispiel schon bei der Geburt oder auch früher beantworten.

Was sind „Mastergene“?

Nun ist der Mensch nicht auf seine Gene reduzierbar, er ist Produkt aus Genetik und Umwelt. So sind bösartige Erkrankungen nicht nur von einem einzigen Gen, sondern von zahlreichen Faktoren abhängig. Allerdings gibt es unter den Genen einige, die den Charakter einer Zelle stärker bestimmen als andere. Man nennt sie „Mastergene“. „Treten bei so einem Mastergen Veränderungen auf“, erläutert Professor Huber, „dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese zu einem Karzinom führen werden. Und das ist beim BRCA1-Gen, beziehungsweise dessen Mutation, tatsächlich der Fall. Die prognostische Sicherheit ist so groß, dass manche Frauen überlegen, sich im späteren Leben die Brüste amputieren zu lassen, um der Gefahr des Brustkrebses zu entgehen.“

Genetische Brustkrebsvorsorge

Darüber hinaus gebe es noch andere Gene, die für die Vorbeugung des Brustkrebses wichtig sein dürften, und die in einer Genom-weiten Analyse im Wissenschaftsmagazin „Nature“ publiziert wurden. Dazu gehört unter anderem das „Gen für den epidermalen Growth Rezeptor 1“. Professor Huber: „Durch die Kenntnis der genetischen Eigenheiten der einzelnen Frau könnte es in Zukunft möglich werden, individuell darüber zu informieren, welche Vorsorge sie gegen Brustkrebs anstreben kann.“ Die Wissenschaft werde in den nächsten Jahren prüfen müssen, ob zum Beispiel Maßnahmen wie Vitamin D-Zufuhr oder die Einnahme männlicher Hormone helfen. Auch Ratschläge zum Lebensstil und Pflanzenhormone werden in der Krebsvorsorge der Zukunft ein besonderes Gewicht bekommen.

Faktor-V-Leiden-Gen

Die Vorhersage von Krankheiten mit Hilfe von Genanalysen ist natürlich immer nur dann sinnvoll, wenn in der Folge etwas gegen die Krankheit unternommen werden kann. Vor allem im Blutgerinnungssystem besitzt die Medizin gute Karten: „Liegt eine Veränderung (Polymorphismus) am sogenannten Faktor-V-Leiden-Gen vor – benannt nach dem Entdeckungsort, der holländischen Stadt Leiden –, so neigt die betreffende Frau zu Thrombosen, wenn sie mit Hormonen überschüttet wird, sei es aus körpereigener Produktion, wie während der Schwangerschaft, oder von außen durch Pille oder Hormonersatztherapie“, erklärt Professor Huber.

Wertvolle Genuntersuchung

Die Genuntersuchung sei in diesem Fall so wertvoll, weil die Frau, wenn sie erfährt, dass sie um ein genetisch mehr als Dreißigfach erhöhtes Thromboserisiko bei Einnahme der Pille hat, eine andere Verhütungsmethode wählen wird. Und weil während der Schwangerschaft und im Wochenbett eine Blutverdünnung herbeigeführt werden kann, um gefährliche Beckenbodenthrombosen zu verhindern. Professor Huber: „Das ist ein von der Schulmedizin voll akzeptiertes Beispiel, welches demonstriert, wie wichtig und sinnvoll die Kenntnis der Gene, ihrer Varianten und Funktionen sein kann!“

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