X

Was tun bei Rückenschmerzen?

Ischias, Bandscheibenvorfall und Hexenschuss

Die häufigste Ursache für Rückenprobleme sind Bewegungsmangel und Stress. Bei Ischias, Hexenschuss und Bandscheibenvorfall helfen meist Bewegung, Entspannung und Wärme.

Wir werden alle nicht jünger. Dem einen gehen die Haare aus, dem anderen die Puste. Einer kriegt graue Haare, ein anderer hätte gern wieder welche. Unser Körper weist langsam die ersten Verschleißerscheinungen auf. Die der Wirbelsäule sind sogar für 20 Prozent aller Krankschreibungen verantwortlich.

Heftige Schmerzen bedeuten dabei nicht zwangsläufig heftige Ursachen. Und umgekehrt kann jemand jahrelang mit einem Bandscheibenvorfall herumlaufen, ohne ihn zu spüren. Im Gewirr von Muskeln, Sehnen, Gelenken, Wirbeln, Bandscheiben und Nerven ist vieles möglich. Aber oft sind Rückenschmerzen ein Zeichen, dass es an der Zeit ist, etwas zu tun: Bauch und Rückenmuskeln müssen wieder aufgebaut werden, um der Wirbelsäule beim Tragen zu helfen.

Bei Rückenproblemen hilft langfristig nur Bewegung

Morgens sitzt man im Auto, auf der Arbeit hängt man vorm Computer, zu Hause lümmelt man sich auf die Couch. Die meiste Zeit des industrialisierten Lebens verbringen wir sitzender Weise. Zu Jägern und Sammlern werden wir nur noch virtuell auf der Schnäppchenjagd bei Ebay und beim Sammeln von Bekannten in sozialen Netzwerken.

Es verwundert nicht, dass die meisten Rückenpatienten heutzutage zwischen dreißig und fünfzig Jahre alt sind. Kommt der Schmerz, kommt oftmals der Gedanke, sich schonen zu müssen, und schon sitzt, hängt und lümmelt man wieder. Unsere verkümmerten Instinkte täuschen uns da leider, denn selbst bei Hexenschuss und Ischias hilft am besten sanfte Bewegung. Grundsätzlich gilt: Es gibt keine „falsche“ Bewegung, nur untrainierte Rücken.

Bevor man sich zum zigsten Mal beim Arzt wieder einrenken lässt und so schlimmsten Falls die Schmerzen noch verstärkt, sollte man langsam seinen Lebensstil seinem Rücken anpassen. Denn eines ist gewiss: umgekehrt wird es nicht geschehen. Man muss nicht direkt zum Marathonläufer werden. Den Anfang macht man mit kleinen Veränderungen im Alltag. Kürzere Strecken mal zu Fuß gehen, nicht den Aufzug nehmen, sondern mal die Treppen steigen, kleinere Besorgungen mal mit dem Fahrrad erledigen.

Was tun bei akuten Rückenschmerzen?

Hat man mal wieder das Gefühl, rückwärts in die Kreissäge gelaufen zu sein, hilft oft zur ersten Lockerung die Rückenlage mit angewinkelten Beinen. Dabei sollen die Unterschenkel in etwa 90 Grad zu den Oberschenkel auf eine Ablage, einen Stuhl oder Hocker, gelegt werden. Die Wirbelsäule wird so entlastet und gestreckt.

Wärme verbessert die Durchblutung und lockert zusätzlich die Muskulatur. So kann man sich eine Wärmflasche in den Rücken legen oder – wenn man es noch schafft – sich in die warme Badewanne legen. Generell sollte man den Rücken mit geeigneter Kleidung warm halten.

Klingt die erste Attacke ab, nur nicht zum Hinlegen hinreißen lassen. Ein kleiner Spaziergang wirkt jetzt durch Muskel- und Gelenkbewegungen wie eine Massage von innen. Bei akuten Rückenschmerzen helfen auch Massagen, Fangopackungen, Akupunktur und, wenn es sich nicht vermeiden lässt, Schmerzmittel. Sollte der Schmerz jedoch nach vier Tagen nicht abklingen oder kommt es zu Lähmungs- oder Taubheitserscheinungen, sollte man allerdings zum Arzt gehen.

Verschiedene Arten von Rückenschmerz

Häufig wird die Auswirkung von Stress auf den Rücken unterschätzt. Was auf unserer Seele lastet, lastet dabei häufig auch auf unserer Wirbelsäule. Unter Stress wird die Grundspannung der Muskeln erhöht. Der Muskel ist weniger dehnbar und zerrt an den Sehnen, was Schmerzen verursacht, manchmal bis in die Arme oder in den Brustraum hinein. Diese Verspannung gilt es aufzulösen. Dabei haben sich Methoden wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training, Yoga und Tai-Chi bewährt.

Eine extreme Form der Verspannung ist der Hexenschuss. Er kann plötzlich auftreten und ist dabei nicht unbedingt von einer bestimmten Bewegung abhängig. Ein Hexenschuss kann so extrem sein, dass es einem schon mal den Atem verschlägt. Die Intensität des Schmerzes steht in keiner Relation zur eigentlich harmlosen Ursache. Bei Hexenschuss gilt auch: Bewegung und Entspannung.

Zieht es vom Rücken über den Hintern ins Bein hinein, ist der Ischias betroffen. Der Druck auf den Ischiasnerv kann durch Verschleißerscheinungen, Verengungen oder Bandscheibenvorfall entstehen. Auch hier kann es im Extremfall zu Gefühlsstörungen und Lähmungserscheinungen kommen und dies sollte vom Arzt abgeklärt werden.

Der Bandscheibenvorfall

Die flachen, elastischen Scheiben zwischen unseren Wirbeln sind im Kern mit einer zähen Flüssigkeit gefüllt. Bei Belastung wird sie verbraucht und aus dem Kern herausgepresst. Im Ruhezustand wird frische Flüssigkeit aus dem Gewebe wieder aufgenommen. Die Bandscheiben sind auf den Wechsel von Bewegung und Ruhe angewiesen.

Ein Bandscheibenvorfall bedeutet nicht sofort, dass eine Operation notwendig ist. Oft gehen die Beschwerden sogar von selbst wieder weg, wenn die ausgetretene Substanz durch körpereigene Abbauvorgänge wieder aufgelöst wird. Operationen werden nur noch durchgeführt bei schweren Lähmungs- und Taubheitserscheinungen und Funktionsstörungen von Blase und Darm.

Tipps für den Rücken: sitzen, stehen heben und liegen

Beim Sitzen sollte man eine aufrechte Haltung einnehmen, damit die Wirbelsäule gleichmäßig belastet ist. Dabei kann eine leicht nach vorn abfallende Sitzfläche oder ein Keilkissen behilflich sein. Die Füße sollten ganz auf dem Boden aufstehen, Unter- und Oberschenkel im 90 Grad-Winkel abgeknickt sein. Die Rückenlehne sollten den Rücken vollständig unterstützen. Man sollte öfters die Position ändern, indem man das Gewicht auch mal leicht nach hinten verlagert. Zwischendurch sollte man auch mal aufstehen und sich die Beine vertreten und lockern.

Hohe Absätze sehen zwar gut aus, aber die Lendenwirbelsäule wird einem dieses Modebewusstsein nicht danken. Für den Rücken sind flache Schuhe besser und Knie, die nicht ganz durchgedrückt sind. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sollte man im Stehen einen Fuß leicht erhöht aufsetzen und den Oberkörper zwischendurch auch mal abstützen.

Beim Anheben schwerer Lasten, das weiß man schon längst, sollte man in die Knie gehen und die Kraft aus den Beinen heraus anwenden. Dabei die Last nah am Körper tragen und aufrecht halten. Den Wocheneinkauf verteilt man besser auf zwei Tüten, damit man beim Tragen nicht einseitig belastet ist. Hier eignet sich sowieso am besten ein Rucksack. Und fällt man abends müde vom ganzen Sitzen, Stehen und Tragen ins Bett, legt man sich zur Entlastung des Rückens am besten in die Seitenlage und winkelt die Beine leicht an. Dabei wäre es gut, wenn man eine Unterlage hat, in die man nicht einsinkt, damit die Wirbelsäule schön gerade bleibt. Na dann: eine gute, schmerzfreie Nacht!

View Comments (1)

  • Gute Erläuterungen und Ratschläge, ich denke vielen fehlt das Grundverständnis für ihren Rücken komplett. Bin zufällig auf diesen Artikel gestoßen und habe ihn gleich mal mit ein paar Bekannten geteilt. Daumen hoch! :-)