Wie entsteht eine Somatisierungsstörung?

Somatisierungsstörung – Wenn die Seele Körperbeschwerden macht.

Eine Somatisierungsstörung geht mit verschiedenen Symptomen einher, die über einen langen Zeitraum anhalten und für die es keine organische Erklärung gibt.

Häufig wird über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Muskelschwäche oder Schluckstörungen berichtet, die durchaus bestehen, obwohl körperliche Untersuchungen ohne Befund bleiben.

Worum geht es bei der Somatisierungsstörung?

Die Somatisierungsstörung zählt, wie die Hypochondrische Störung, zu den Somatoformen Störungen. Betroffene einer Somatoformen Störung klagen über Beschwerden, für die keine organische Ursache gefunden werden kann. Eine Somatisierungsstörung zeichnet sich durch immer wiederkehrende oder anhaltende körperliche Beschwerden aus, die meist vor dem 30. Lebensjahr beginnen und einige Jahre fortdauern. Den körperlichen Beschwerden kann unter Umständen eine längst ausgeheilte Erkrankung vorangehen, welche allerdings keine ausreichende Begründung für die empfundene Symptomatik gibt. In der Regel handelt es sich um Beschwerden mehrerer Organe oder Organsysteme, zum Beispiel Magen-Darm-, Haut-, Muskel- und Gelenksymptome. Diese Symptome sind, auch wenn sie eine körperliche Erkrankung vermuten lassen, trotz umfangreicher Untersuchungen, körperlich nicht erklärbar – sie haben psychische Ursachen, sind also psychosomatisch. Oft weigern sich Betroffene jedoch, das anzuerkennen und wechseln in der Hoffnung auf die ‚richtige Diagnose‘ den Arzt und fordern neue oder weitere Untersuchungen. Somatisierungsstörungen kommen hauptsächlich bei Frauen vor.

Ursachen einer Somatisierungsstörung

Die Ursachen von Somatisierungsstörungen sind vielfältig. Neben biologischen und sozialen Faktoren können innere psychische Konflikte, belastende oder traumatische Ereignisse oder ein ungünstiger Erziehungsstil zugrunde liegen. Nicht selten ist mit der körperlichen Symptomatik ein sogenannter Krankheitsgewinn verbunden. Eine Somatisierungsstörung bei Kindern kann ferner ein Hinweis auf Vernachlässigung, Misshandlung oder gar Missbrauch sein.

Folgen einer Somatisierungsstörung

Zu den wesentlichen Folgen einer Somatisierungsstörung gehört das Doctor shopping beziehungsweise Doctor hopping. Betroffene suchen zahlreiche Ärzte auf und lassen entsprechende Untersuchungen über sich ergehen, um eine Erklärung für ihre Beschwerden zu erhalten – zumal psychische Ursachen eher ungern akzeptiert werden. Außerdem können sich für die Betroffenen Probleme im Alltag ergeben. Dies sind beispielsweise Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit, Unverständnis im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, Beziehungs- und Partnerschaftsprobleme, sozialer Rückzug und eine eingeschränkte Lebensqualität. Parallel können Ängste, Suchterkrankungen oder Depressionen auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten einer Somatisierungsstörung

Bei einer Somatisierungsstörung ist eine psychotherapeutische Behandlung obligat – mitunter können stationäre Aufenthalte notwendig sein. Zur Verfügung stehen analytische oder verhaltenstherapeutische Verfahren sowie Methoden aus der Körpertherapie wie die Craniosacrale Therapie oder Feldenkrais. Darüber hinaus sind Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jacobson (PMR) empfehlenswert. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe und der Austausch mit anderen Betroffenen sind ebenfalls sehr hilfreich.

Wie funktioniert die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson?

Bei der Muskelentspannung nach Jacobson werden in einer bestimmten Reihenfolge einzelne Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder entspannt, um schließlich eine Entspannung des gesamten Körpers zu erreichen. Begonnen wird mit den Muskelgruppen der dominanten Hand und des Unterarmes bis hin zum nicht dominanten Fuß. Mit geschlossenen Augen, in Rückenlage oder sitzend wird die Konzentration auf die jeweilige Muskelgruppe gelenkt und langsam angespannt. Etwa fünf bis sieben Sekunden wird die Spannung gehalten und dann langsam und konzentriert entspannt. Eine Sitzung dauert zwischen 20 und 30 Minuten, gegebenenfalls länger.

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