ADHS: Das Zappelphilipp-Syndrom – ein Überblick

ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ist eine ernst zu nehmende Verhaltensstörung. Zappelphilipp-Syndrom sagt der Volksmund.

ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom ist eine der häufigsten psychischen Störungen im Kindes- und Jugendalter. Die Ursachen für ADHS sind vielschichtig, wahrscheinlich unter anderem eine ererbte Fehlregulation einzelner Botenstoffe im Gehirn, aber auch äußere Ursachen spielen vermutlich eine Rolle.

Was ist ADHS?

Bei ADHS-Kindern steht zu wenig des Botenstoffs Dopamin im Körper zur Verfügung. Die Unterversorgung mit diesem Botenstoff führt zu einer gestörten Informationsweiterleitung zwischen den Nervenzellen. Dies wiederum führt zu einer sogenannten Reizoffenheit. Das heißt, die Reize stürmen ungefiltert auf die Kinder ein. In der Folge können die Kinder Informationen nicht sortieren, ihre Gefühle und Aufmerksamkeit nicht kontrollieren. Sie sind in jeder Hinsicht überfordert. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken. Meist treten die Symptome vor dem 6. Lebensjahr auf. Fest steht aber, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Auch das Lebensumfeld spielt eine Rolle: Rauchen, Stress oder Alkohol während der Schwangerschaft können sich auf die Entstehung von ADHS auswirken.

Die Diagnose

Die Diagnose ADHS kann nur von Fachleuten gestellt werden. Meist sind das entsprechend weitergebildete Kinderärzte, Kinderpsychiater oder Psychotherapeuten.

An erster Stelle steht das intensive Gespräch mit Kind und Eltern. Danach können strukturierte Fragebogen die Diagnosestellung unterstützen. Hinzu kommen körperliche, neurologische und labormedizinische Untersuchungen. Alles in allem ist die Diagnose umfassend und zeitaufwendig.

Die Auswirkungen

Die Symptome sind eine Unaufmerksamkeit sowie Impulsivität und Hyperaktivität. Das heißt, ADHS-Kinder können sich schlechter konzentrieren, sie beginnen viele Aktivitäten und beenden wenige. Außerdem sind sie leicht ablenkbar und vergesslich. Begleitstörungen sind häufig: Typisch für ADHS-Kinder sind auch eine emotionale Ungeduld gepaart mit körperlicher Unruhe. Manchmal sind ADHS-Kinder aber auch einfach nur verträumt und abwesend. Die Symptome können auch noch im Erwachsenenalter auftreten. Dann lässt die Hyperaktivität meist nach, die Aufmerksamkeitsstörung jedoch bleibt bestehen.

Die Behandlung von ADHS

Das Ziel einer ADHS-Therapie ist es, die Symptome wie Hyperaktivität oder Konzentrationsschwäche in den Griff zu bekommen. Nicht immer jedoch muss gleich und unbedingt therapiert werden. Eine Behandlung sollte dann begonnen werden, wenn ADHS zu ausgeprägten psychischen und sozialen Beeinträchtigungen führt. Wichtig ist es daher, sich zunächst mit Ärzten und Psychologen über den Schweregrad der Störung zu beraten. Je nach Schweregrad sollte dann frühzeitig eine individuelle Therapie eingeleitet werden, in der Regel stützt sich die Behandlung auf mehrere Säulen. Als besonders effektiv hat sich erwiesen, sowohl Eltern als auch Lehrer in die Therapie mit einzubeziehen. Wichtig ist darüber hinaus eine konsequente, regelmäßige und langfristige Behandlung. Die ADHS-Therapie besteht aus mehreren möglichen Behandlungsbausteinen.

  • Aufklärung und Beratung der Eltern und des Kindes, der Erzieher und des Klassenlehrers
  • Elterntraining und Familientherapie
  • Beratung / Interventionen in Kindergarten oder Schule
  • Verhaltenstherapie des Kindes / des Jugendlichen (Festlegung von Grenzen, Erlernen neuer Verhaltensstrategien usw.)
  • Psychotherapie (Gesprächstherapie, Traumdeutung usw.), soziales Kompetenztraining, Übungsbehandlungen bei Begleitstörungen.
  • Evtl. medikamentöse Therapie

Gebräuchlich sind Psychostimulantien und selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (eine Wirkklasse der Antidepressiva), zugelassen für Kinder ab 6 Jahren. ADHS-Medikamente können zu Nebenwirkungen führen wie Schlaflosigkeit, Magen- und Darmproblemen sowie Appetitlosigkeit.

Generell gilt: Der Einsatz der Medikamente sollte genau bedacht und kontrolliert werden.

Medikamente sollten auch nie ohne Zusatztherapie verabreicht werden. Mit einer breit gefächerten Therapie ist es darüber hinaus möglich, die Dosis der Medikamente allmählich zu reduzieren und nach einiger Zeit das Medikament vielleicht ganz abzusetzen. Nach heutigem Wissensstand ist ADHS nicht heilbar. Jedoch können mit einer geeigneten Therapie Ausprägung und Verlauf der Störung positiv beeinflusst werden.

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