Bandscheibenvorfall – neue Forschungsergebnisse

Über die Schmerzursache von Bandscheibenvorfällen gibt es neue Erkenntnisse. Der Druck auf Nervenwurzeln steht nicht mehr allein im Fokus. wie behandelt man einen bandscheibenvorfall

Rückenschmerzen sind eine Volkskrankheit und die Erscheinungsformen und Ursachen äußerst vielfältig. Selbst wenn die Diagnose mit Hilfe von Kernspin eindeutig beweist, dass es sich nicht nur um eine Vorwölbung der Bandscheibe, sondern tatsächlich um einen Vorfall handelt, muss dies nicht in jedem Fall Schmerzen nach sich ziehen. Viele Menschen jedoch, die einen Bandscheibenvorfall erlitten haben, klagen über teilweise recht unangenehme Schmerzen, die sehr hartnäckig sind und trotz verschiedener Therapien mit konservativen und selbst operativen Mitteln nicht verschwinden wollen. Wobei in der heutigen Medizin in aller Regel meistens nur noch dann operiert wird, wenn Physiotherapie und entzündungshemmende Schmerzmittel keinen Erfolg bringen und Lähmungen beim Patienten zu befürchten sind.

Was ist eine Bandscheibe?

Der Mensch hat insgesamt 23 Bandscheiben, die zwischen den Wirbelkörpern sitzen und die Voraussetzung dafür sind, dass die Wirbelsäule beweglich ist. Jede Bandscheibe besteht aus einem äußeren Faserring und einem Gallertkern. Wenn nun bei dem Bandscheibenvorfall, beispielsweise ausgelöst durch angeborene Gewebeschwäche, Vorschädigung aufgrund von Fehlhaltung und dem Aufheben eines schweren Gegenstandes der äußere Faserring reißt, kann mehr oder weniger gallertartiges Material in Richtung Wirbelkanal austreten und auch seitlich auf die Nervenwurzel drücken. Die meisten Bandscheibenvorfälle kommen im Lendenwirbelbereich vor, wo auch der empfindliche Ischiasnerv beginnt und die Schmerzen können dann bis in die Unterschenkel ausstrahlen.

Neue Erkenntnisse über die Schmerzursachen

Selbst für jeden Laien ist vorstellbar, dass Gewebe, das auf einen Nerv drückt, Schmerzen auslöst. Doch gerade bei Bandscheibenvorfällen kommt es sehr häufig vor, dass auch die operative Beseitigung nicht zu einer erkennbaren Verringerung der Schmerzen führt. Deshalb sind Forscher des Duke Medical Centers in North Carolina und der Division of Neurosurgery des Ottawa Hospitals darauf gekommen, es müsse vermutlich noch andere Ursachen geben. Beispielsweise das Auslösen einer Autoimmunerkrankung durch den Bandscheibenvorfall.

Welche Rolle spielen Th 17-Zellen?

Th 17-Zellen sind eine neu entdeckte Untergruppe von T-Helfer-Zellen, die Interleukin 17 produzieren. Interleukin gehört zu den Cytokinen, also winzigen Proteinen, die als Signalmoleküle bei der zellularen Kommunikation tätig sind, ebenso wie klassische Hormone. Th 17-Zellen spielen vermutlich eine Rolle bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Diabetes und rheumatische Arthritis. Neuerdings wird nun von den Forschern angenommen, dass Th 17-Zellen auch bei Bandscheibenvorfällen als Schmerzursache mit in Frage kommen könnten.

Die Hypothese neuerer Forschung

Der Forschungsansatz geht davon aus, dass bei einem Bandscheibenvorfall nicht nur die ausgetretene Gallertmasse auf einen Nerv drücken kann und entsprechend unangenehme Schmerzen auslöst, sondern möglicherweise auch ein Entzündungsprozess durch das Immunsystem zustande kommt, weil die körpereigene Abwehr das Bandscheibengewebe nicht kennt und deshalb feindlich reagiert. Denn die Bandscheiben sind nicht an den Blutkreislauf angeschlossen und werden auch nicht durch das Blut ernährt. Bei dieser Abwehr könnten die Th 17-Zellen beteiligt sein. Falls dies tatsächlich so wäre, müsste es in absehbarer Zeit, also in einigen Jahren, möglich sein, ein Medikament zu entwickeln, das entzündliche Reaktionen verhindert und hilft, diese Art von Rückenschmerzen wirksamer als bisher zu bekämpfen.

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