Bezahlen mit der Kreditkarte – so funktioniert’s

Wer zum Abschluss seines Einkaufs eine Kreditkarte zum Bezahlen benutzen will, setzt damit einen hochtechnischen, aber rasend schnell stattfindenden Prozess in Gang. Beim Einsatz von Kreditkarten kommen viele Beteiligte ins Boot.

Man erwartet, dass sie funktioniert. Zuverlässig und leise wie ein Kühlschrank soll die Kreditkarte ihren Dienst tun – die Technik im Hintergrund interessiert dabei nicht, wenn man seine Karte in den Geldautomaten steckt oder sie durchs Lesegerät beim Händler zieht. Tatsächlich aber löst jeder Einsatz einer Kreditkarte einen hochtechnischen und komplexen Vorgang aus.

Die sechs Stationen einer Zahlung mit der Kreditkarte – das sogenannte credit card payment processing

Die Kreditkarte ist ein Ersatz für Bargeld. An zwei Orten kann mit ihrer Hilfe bezahlt werden: im Geschäft (auch ‚POS‘ genannt, point of sale, also der Ort, wo verkauft wird) und online übers Internet. Für das Geldabheben mit der Kreditkarte am Automaten gilt prinzipiell dasselbe. Der Vorgang nennt sich ‚Transaktion‘ (auch credit card payment processing, credit card processing oder credit card services) und besteht aus zwei Phasen: der Genehmigung und der eigentlichen Bezahlung.

Die meisten Menschen glauben, Phase 1, die Genehmigung, sei bereits die eigentliche Bezahlung (Phase 2). Jeder Karteninhaber aber hat es schon einmal erlebt, dass seine Karte keine Akzeptanz erhielt. „Zahlung verweigert“, heißt es dann oder „Karte wurde nicht akzeptiert“. Der treffendere Begriff ist deshalb das Fachwort ‚Autorisation‘, sie besteht aus sechs Schritten. Und am Ende der Phase 1 steht nicht immer die Genehmigung – manchmal gibt es eben eine Ablehnung.

  1. Die Kreditkarte wird durchs Terminal gezogen: Das Terminal oder Lesegerät prüft nun, ob es die Daten des Magnetstreifens lesen soll oder die des Chips auf der Karte.
  2. Die Kartendaten werden online an die Händlerbank gesendet: ‚Händlerbank‘ ist zwar ein anerkannter Begriff, ist aber missverständlich. Die Händlerbank ist jene Bank, mit der der Händler einen Vertrag abgeschlossen hat, damit er die Kreditkartenzahlungen seiner Kunden abrechnen kann. Das ist in aller Regel nicht seine Hausbank. Bei der Händlerbank wird die Zahlungsgenehmigung angefragt.
  3. Die Anfrage wird zur Emittentenbank weitergeleitet: ‚Emittentenbank‘ ist jene Bank, die die Karte herausgibt. Das kann, muss aber nicht die Hausbank des Kunden sein, also die Bank, bei der er ein Girokonto führt. Die ‚Lufthansa Miles & More Credit Card‘ beispielsweise wird nur von der Deutschen Kreditbank (DKB) herausgegeben – aber nicht jeder Inhaber dieser Karte hat auch ein Konto bei der DKB. Der Name der Emittentenbank steht auf der Kreditkarte.
  4. Genehmigung oder Ablehnung zurücksenden: Die Emittentenbank prüft nun die Anfrage – als erstes das Limit: Ist genügend Geld auf dem Kundenkonto? Ist die Karte gesperrt? Wurden die Daten bis hierhin korrekt übertragen? Hat es bei der Eingabe, beispielsweise bei einem Online-Kauf oder am Automaten, Fehler gegeben? Wenn alles in Ordnung ist, wird der sogenannte Genehmigungscode generiert. Der Betrag selbst wird dann auf dem Kundenkonto ‚reserviert‘, aber noch nicht abgebucht. Das bedeutet: Auf jeder Kreditkarte ist ein Höchstbetrag hinterlegt, ein Limit. Bis zu diesem Limit kann mit der Karte innerhalb einer Rechnungsperiode gezahlt werden. Jede genehmigte Anfrage verringert dieses Limit – die Belastung des Kunden selbst erfolgt irgendwann in der Zukunft per Lastschrift, abhängig davon, wann seine Kreditkartenabrechnung erstellt wird und abhängig davon, wann der Händler sein Geld haben möchte (Phase 2).
  5. Der Code wird zur Händlerbank geschickt: Hat es einen Genehmigungscode gegeben, dann weiß die Händlerbank, dass die Transaktion genehmigt worden ist. Sie hat dann Anspruch auf das ‚Interchange‘, auf ihre Provision. Ein Ablehnungscode wird nur protokolliert, erzeugt ansonsten aber keine Ansprüche.
  6. Der Code wird zum Händler weitergeleitet: Wenn der Code beim Händler eintrifft, wissen Händler und Kunde, ob die Anfrage genehmigt worden ist, sprich: ob der Händler sein Geld erhalten wird. Mit einem Ablehnungscode erfolgt meist der Hinweis, die nächste Autorisationsstelle anzurufen.

Seit dem Moment, da die Karte durch das Lesegerät gezogen wurde, sind nur wenige Momente vergangen – die Daten aber wurden unter Umständen zweimal um die ganze Welt geschickt. Dass die Autorisation unter diesen Umständen, bei der in die zig Millionen reichenden Zahl an Transaktionen weitgehend störungsfrei verläuft, ist erstaunlich.

Nach der Genehmigung durch die Emittentenbank kann der Kunde schließlich seine Ware in Empfang nehmen. Der Händler aber muss in einem zweiten Schritt die Buchung veranlassen: Er muss dafür Sorge tragen, dass er sein Geld auch erhält.

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