Borreliose-Verdacht – was nun?

Die Zecke gilt mittlerweile als „Deutschlands gefährlichstes Tier“. Sie kann die Krankheiten FSME und Borreliose übertragen.

Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Magen-Darm-Beschwerden und Abgeschlagenheit können nicht nur die Symptome einer Sommergrippe sein. Es kann sich dabei auch um die ersten Anzeichen einer Lyme-Borreliose handeln. Diese von Zecken übertragene Infektionskrankheit wird von dem Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufen.

Eine Borreliose-Erkrankung kann gut mit einem Antibiotikum behandelt werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird. „Doch viele Patienten merken gar nicht, dass sie einen Zeckenbiss hatten“, berichtet Dr. Friedrich Douwes, Internist aus Bad Aibling aus der Praxis, „insbesondere dann nicht, wenn die Zecken an wenig einsichtigen Stellen saßen, wie in den Haaren, Ohren oder im Genitalbereich.“

Eine Borreliose-Erkrankung hat viele Gesichter

Jährlich sollen bundesweit rund 60.000 bis 750.000 Menschen an Borreliose erkranken. Dabei ist die Diagnosestellung nicht immer einfach, da die Erkrankung viele verschiedene Erscheinungsformen aufweisen kann. Nur in etwa 40 Prozent der Fälle beginnt eine Borreliose mit der Entwicklung einer Hautrötung (Erythema migrans). Sie wird durch eine verstärkte Durchblutung der Haut hervorgerufen. Das Erythema migrans (lateinisch: migrare = wandern) wird auch „Wanderröte“ genannt. Die Rötung befindet sich zunächst an der Einstichstelle und breitet sich dann kreisförmig aus. Sie kann einen Durchmesser von bis zu zwanzig Zentimetern erreichen. Weil die Rötung häufig im weiteren Verlauf in der Mitte verblasst, erscheint sie oft ringförmig.

Weil dieses Anzeichen einer Infektion nicht immer vorkommt, können sich Betroffene nicht darauf verlassen. „Wer sich plötzlich krank fühlt, nachdem er sich viel in Wald und Wiesen aufgehalten hat, sollte daher unbedingt einen Arzt aufsuchen“, so Dr. Douwes. „Die Borreliose hat so viele verschiedene Erscheinungsformen, dass eine Eigendiagnose nicht immer möglich ist.“

Eine Blutuntersuchung gibt nicht schnell genug Auskunft über eine Infektion

Bei einem Verdacht auf Borreliose wird der Arzt eine Blutuntersuchung durchführen. Dabei werden die Entzündungswerte gemessen und spezielle, gegen Borrelien gerichtete Antikörper im Blut bestimmt. Zwei Arten von Antikörpern sind dabei von Bedeutung: Die IgM-Antikörper, die im Frühstadium der Erkrankung gebildet werden und die IgG-Antikörper. Sie werden erst später gebildet und bleiben lebenslang nachweisbar.

Da sich jedoch auch die IgM-Antikörper erst acht Wochen nach der Infektion nachweisen lassen, geben Ärzte bei einem berechtigten Verdacht auf Borreliose oft vorsorglich ein Antibiotikum. „Weil die Borrelien-Bakterien jeden Monat einen Generationszyklus durchlaufen, muss das Mittel allerdings über mehrere Wochen eingenommen werden“, sagt Dr. Douwes. „Kürzere Antibiotika-Gaben würden nicht alle Erreger zuverlässig abtöten.“

Zeckenschutz ist Borreliose-Prophylaxe

Wer sich im Vorfeld vor einem Zeckenbiss schützen möchte, sollte bei Waldspaziergängen lange Kleidung tragen und/oder ein Mittel benutzen, das Zecken abwehrt. Hat doch einmal eine Zecke angebissen, muss sie vorsichtig entfernt werden. Doch oft gibt die Zecke ihren infizierten Speichel oder Darminhalt genau in dem Moment in ihren Wirt ab, wenn sie herausgedreht oder gequetscht wird. Dr. Matthias Möhrle von der Hautklinik der Universität Tübingen empfiehlt daher, die Zecke mit Einmalrasierer oder scharfem Messer von der Haut abzutrennen und erst danach mit einer Pinzette den Kopf zu entfernen. So kann sie keine Borrelien-Erreger mehr abgeben.

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