Burnout – keine Krankheit, sondern ein Zustand

Immer mehr Menschen machen die Erfahrung, dass sie sich erschöpft, ausgebrannt und energielos fühlen. Das hat Folgen für den Körper und die Psyche.

Eine neue Epiedemie?

Ein neuer Modebegriff macht die Runde in Zeitschriften, Zeitungen, Gesundheitsserien im Fernsehen oder im Internet: Das „Burnout-Syndrom“. Was wie eine neue Epidemie klingt, ist in Wirklichkeit eine Ansammlung verschiedenster Faktoren, die allesamt die Gesundheit gefährden. Die charakteristischen Merkmale sind körperliche und emotionale Erschöpfungszustände und eine physische und psychische Leistungs- und Antriebschwäche. Die Fähigkeit, sich zu erholen verschwindet, und eine zynische und abweisende Grundstimmung, oder auch eine grundlose Traurigkeit macht sich breit. „Burnout“ wurde ursprünglich im Umfeld von helfenden Berufen festgestellt – aber es beeinträchtigt mehr und mehr nicht nur alle Berufsgruppen, sondern auch die privaten Bereiche des Lebens. Eine allgemeine Steigerung von Burnout-Fällen wird aufgrund sich verändernder Lebens- und Arbeitsbedingungen erwartet.

Die Symptome sind vielfältig

Innere und äußere Erschöpfung, Depressionen oder Angsterkrankungen sind nur der Endzustand des „Ausbrennens“ – es fängt aber schon viel früher an, mit Symptomen, die als Warnhinweise meistens übergangen werden. So ist zum Beispiel das vermehrte Engagement für bestimmte Ziele und pausenloses Arbeiten – wenn es mit einem Gefühl der Unentbehrlichkeit oder Vollkommenheit verbunden ist – ein häufiges Warnsymptom der Anfangsphase. Ein bestimmter Teil des Lebens – meistens ist es die berufliche Leistung – wird so sehr zum Lebensinhalt, dass eigene Bedürfnisse nicht mehr beachtet werden und soziale Kontakte unwichtig werden. Chronische Müdigkeit und Erschöpfung stellen sich zwangsläufig ein, werden aber verdrängt, und man hat sogar das Gefühl, überhaupt keine Erholung zu brauchen.

Aus Hinwendung wird Distanzbedürfnis

Die völlige Hinwendung zu einem Lebensbereich (etwa dem Beruf) kann nach einiger Zeit genau das Gegenteil hervorrufen, nämlich den (inneren) Rückzug. War das Leben vorher noch von pausenloser Arbeit und anscheinend unerschöpflicher Aktivität bestimmt, so kommt es jetzt zur Ablehnung der Arbeit und zu Schuldzuweisungen an andere. Der Betroffene hat das Gefühl, ausgenutzt und nicht genug anerkannt worden zu sein. Werden die damit verbundenen Gefühle und die Wut darüber ernst genommen, können die Probleme in diesem Stadium noch erfolgreich gelöst werden. wer hier jedoch nicht rechtzeitig herausfindet, läuft Gefahr, an Körper und Psyche Schaden zu nehmen.

Aus Engagement wird Desorganisation

Dauern die Probleme länger an, führen sie nach und nach zu einem Abbau des Engagements. In der Arbeitssituation wird dies oft deutlich durch Desorganisation, Unsicherheit und Problemen bei komplexeren Aufgaben und Entscheidungen und verminderter Motivation und Kreativität. Die Arbeit wird auf den Dienst nach Vorschrift reduziert. Auch das Privatleben wird immmer mehr beeinträchtigt. Die Betroffenen ziehen sich zurück, trennen sich von Freunden oder schließlich auch vom Partner und vereinsamen. Dauert dieser Zustand länger an, führt er zur Verflachung des emotionalen, mentalen und sozialen Lebens.

Wer ist Burnout-gefährdet?

Wer keinen Sinn und Zusammenhang mehr sieht in dem was er tut und wofür er sich einsetzt, sieht auch keinen Wert mehr in seinem Engagement. Ein geringeres Selbstwertgefühl ist die Folge, denn Selbstwirksamkeit ist eine grundlegende Erfahrung für das gesunde Lebensgefühl des Menschen. Menschen, die die Tendenz haben, die Auseinandersetzung mit den daraus folgenden inneren und äußeren Problemen zu vermeiden und statt dessen Ärger und Angst entweder in sich hineinfressen oder auf andere projizieren, sorgen mit diesem Verhalten dafür, dass kein einziges Problem gelöst wird, und dass die gesamte Problematik im eigenen Unterbewusstsein weiter schwelt. Je weniger sich der Mensch als „ICH“ fühlt, desto weniger hat er die Fähigkeit zur Abgrenzung nach außen – und desto mehr wird er sich weiterhin als Opfer der Umstände oder anderer Menschen empfinden. Je weniger sich der Mensch als „ICH“ fühlt, desto weniger Sinn sieht er auch in Hobbies und Freizeitaktivitäten, und desto fremder wird ihm Humor, Optimismus und Spiritualität.

Was kann man tun?

Regelmäßig das zu tun, was einem gut tut, ist die sicherste Vorbeugungsmaßnahme gegen Burnout. Dazu gehört es, zu wissen, was man gerne macht, und sich dann die Zeit dafür zu nehmen – und zwar nicht nur einmal, sondern in einem Rhythmus, den man für sich festlegt und dann auch einhält. Die Beschäftigung mit euthymen Aktivitäten hilft, die eigenen Stärken zu finden und das Glückserlebnis des „Flow“ zu genießen. Auch die eigenen Schwächen sollte man herausfinden, und dann auch dazu stehen. Mit diesem Wissen, wer man eigentlich selbst ist, lässt sich auch mit unangenehmen Gefühlen umgehen.

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