Das Gebäude der GSW – bekannt aus „Verliebt in Berlin“

Wenn man jemandem das Gebäude mit der Glasfassade und den in verschiedenen Rottönen gehaltenen Jalusien beschreibt, sagt jeder Zweite: Das Haus kenne ich!

Das Gebäude ist durch die TV-Soap „Verliebt in Berlin“ deutschlandweit bekannt, doch nur die wenigsten Menschen kennen den eigentlichen Verwendungszweck, das Besondere an der Fassade oder gar die Architekten. Entworfen und gebaut wurde das Gebäude 1991 in der Kochstraße, heute Rudi-Dutschke-Straße, in Berlin-Kreuzberg, unweit des Verlagshauses von Axel Springer. Doch eigentlich handelt es sich nur um einen Erweiterungsbau, eines bereits seit den 1960-er Jahren bestehenden Hochhauses mit 17 Stockwerken. Aus dem Entwurf der Architekten entstand ein ganzer Gebäudekomplex, bestehend aus heute 4 Gebäuden. Dazu gehören das alte Hochhaus, das hinter dem Neubau steht, das neue 22-geschossige Hochhaus an der Charlottenstraße, ein dreistöckiger Flachbau, der parallel zur Rudi-Dutschke-Straße gebaut wurde und die zu dem Flachbau gehörende „Pillbox“, ein flach gehaltener und runder Aufbau, der durch seine gelb-grüne Farbe ins Auge fällt.

Die Besonderheit des Neubaus

Das Hochhaus mit seiner Höhe von 81 1/2 Metern fällt durch seine farbenfrohe Fassade auf. Dabei handelt es sich bei diesem Gebäude eigentlich nur um eine Glasfassade, die durch Jalusien in verschiedenen Rottönen wie ein Kunstwerk wirkt.

Wer diese Fassade in seiner ganzen Pracht einmal genießen möchte, der sollte im Winter oder Frühjahr einmal von der S-Bahn-Station Anhalter Bahnhof am Askanischen Platz vorbei und über die Stresemannstraße hinweg die Anhalter Straße in Richtung Wilhelmstraße entlang gehen. Ideal wäre es bei wolkenfreiem Himmel und gegen 17 Uhr, wenn die Sonne langsam im Westen untergeht. Denn durch die Wetterbedingungen ist das Licht für Fotos besonders gut und außerdem sind die meisten der Jalusien in den 22 Etagen des Hochhauses geschlossen. So leuchten die Rottöne der Fassade durch das Licht der untergehenden Sonne, die zu dieser Tageszeit voll auf die Glasfront strahlt, noch stärker als zur Mittagszeit. Diese Glasfront ist in einem Stück und wird nicht durch Fenster unterbrochen. Das lässt die Front einmal mehr glänzen.

Durch den Trick mit den Jalusien erhält das Gebäude mehr Aufmerksamkeit als es vermutlich normalerweise erzielt hätte. Es ist eine kostengünstige Variante, einem Bauwerk zum einen eine wechselnde, sich ständig verändernde Fassade zu verleihen und die „Bewohner“ aktiv daran zu beteiligen. Eigentümer dieses Gebäudes, das kein Miethaus ist, ist die GSW, eine Berliner Wohnungsbaugesellschaft. Das sogenannte GSW-Gebäude hat deshalb leider keinen besonderen Namen erhalten wie andere Berliner Bauwerke (man denke an die Goldelse, den langen Lulatsch, die schwangere Auster – und besonders an die zum Gebäudekomplex gehörende „Pillbox“).

Da es sich um ein Bürogebäude handelt ist somit klar, dass die Jalusien bei der durchgehenden Glasfront ein absolutes MUSS sind. Doch wie werden die Büroräume belüftet? Dafür wurde ein spezielles Belüftungssystem über Luftschächte entwickelt. Die Glasfront ist mit einem Abstand zum Gebäude vor die eigentlichen Fenster gesetzt. Die Jalusien sind somit Außenjalusien, die zwischen Fenster und Glasfront sind. In diesem Zwischenraum verlaufen vor den Jalusien die Lüftungsschächte, die das Gebäude klimatisieren und mit frischer Luft versorgen. Leider ist die Rückseite des neuen Hochhauses an das alte Bürogebäude angepasst worden und so ist die gesamte Rückansicht eher düster und langweilig grau. Lediglich die „Pillbox“ frischt diese Seite etwas auf. Doch ist aus der Hinteransicht kein Zusammenhang zur bekannten Fassade des GSW-Hochhauses zu erkennen, weshalb viele Betrachter auch nicht wissen, dass es sich um ein Gebäude-Ensemble handelt.

Erwähnenswert ist schließlich die ungewöhnliche Dachkonstruktion, die wie ein liegendes Segel wirkt und dem Bauwerk etwas Leichtigkeit gibt.

Die Architekten

Entworfen wurden das neue Hochhaus sowie der Flachbau mit der „Pillbox“ von einem Berliner Architekturbüro, nämlich „Sauerbruch Hutton“. Die Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton sind bekannt für ihre bunten Fassaden. Das Museum Brandhorst in München trägt ebenso ihre Handschrift wie auch das vor einigen Jahren eröffnete Bundesumweltamt in Dessau.

Die beiden Architekten sind nicht nur beruflich ein erfolgreiches Paar, sondern auch miteinander verheiratet. Und ja, Matthias Sauerbruch ist mit dem berühmten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch verwandt, er ist dessen Enkel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.