Depressionen: Männer flüchten in Arbeit, Sport oder Alkohol

Depressionen sind inzwischen in den westlichen Industrieländern die häufigste psychische Erkrankung. Laut einer aktuellen Studie erkranken Frauen zwei- bis dreimal so häufig wie Männer. Dafür liegt die Suizidrate bei Männern deutlich höher. Besonders fatal: Während die Ärzte eine depressive Erkrankung bei Frauen in rund vierzig Prozent aller Fälle richtig diagnostizieren, wird die Krankheit bei Männern nur halb so häufig erkannt. Mehr über die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei Depressionen lesen Sie in diesem Artikel.

Allein in Deutschland gibt es rund vier Millionen depressive Menschen

Seit dem Freitod von Torhüter Robert Enke, der sich wegen Depressionen das Leben nahm, ist die psychische Erkrankung mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Zu den Symptomen einer Depression zählen unter anderem Schlafprobleme, innere Unruhe und Antriebslosigkeit und vor allem eine deutlich verminderte Lebensfreude, die über einen längeren Zeitraum andauern. Schätzungen zufolge gibt es weltweit etwa 150 Millionen depressive Menschen. In den letzten Jahren ist ihre Zahl stark angestiegen. So leben allein in Deutschland derzeit vier Millionen Menschen, die unter einer Depression leiden und therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Rund siebentausend Depressiven pro Jahr geht es so schlecht, dass sie in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen und sie zum letzten Mittel, dem Suizid, greifen.

Obwohl es inzwischen zahlreiche Therapiemöglichkeiten, angefangen von Antidepressiva und Entspannungsmethoden bis hin zur Psychotherapie, gibt, wird die erfolgreiche Behandlung dadurch erschwert, dass es bei Depressionen große geschlechtsspezifische Unterschiede gibt. Wie eine aktuelle Studie belegt, erkranken Frauen deutlich häufiger als Männer an Depressionen. Bei ihnen wird die Krankheit auch schneller diagnostiziert. Die Ursachen liegen darin, dass Frauen in der Regel schneller einen Arzt aufsuchen, wenn sie sich anhaltend schlecht fühlen. Männer hingegen sind oft ausgesprochene „Ärztemuffel“ und weigern sich nicht selten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Begeben sie sich dann doch in Behandlung, wird eine bestehende Depression bei ihnen auch noch weitaus seltener richtig diagnostiziert als bei Frauen. Aus diesem Grund wurden inzwischen spezielle Schulungssysteme für Ärzte entwickelt, die bei der Behandlung von männlichen Patienten helfen sollen, die richtige Diagnose zu stellen.

Depressive Männern werden häufig zum „Workaholic

Wenn es um Depressionen geht, scheinen Männer echte Verdrängungskünstler zu sein. Nur wenige suchen einen Arzt ihres Vertrauens auf oder bemühen sich anderweitig um Hilfe. Stattdessen flüchten sie sich bei anhaltenden depressiven Verstimmungen in ihre Arbeit und werden lieber zum „Workaholic„, als sich um ihre psychische Gesundheit zu kümmern. Auch die Neigung zu übertriebenen sportlichen Aktivitäten ist bei depressiven Männern häufig anzutreffen. Wenn diese Methoden nicht ausreichen, greifen nicht wenige zur Flasche und versuchen ihre Verstimmungen im Alkohol zu ertränken.

Die Ursachen für dieses „unvernünftige“ Verhalten sind schnell eruiert. Männer sehen sich dem Druck ausgesetzt, stets stark zu sein und tun sich bis heute schwer, körperliche oder psychische Schwächen zu akzeptieren. Häufig schämen sie sich für ihre Erkrankung und versuchen diese vor sich selbst und anderen zu verbergen. Schließlich will kein Mann als „Weichei“ oder Schwächling gelten. Ein Teufelskreis: Eine bereits bestehende Depression kann durch die dadurch hervorgerufene psychische Überlastung zu einer weiteren „Erschöpfungsdepression“ führen, die den Zustand des Erkrankten noch weiter verschlechtert. Der Studie zufolge ist es deshalb von entscheidender Bedeutung, dass depressive Männer ihren Zustand nicht verdrängen, sondern sich ihm stellen. In speziellen Schulungen können Männer zudem lernen, ihre Stresstoleranz zu verbessern, ohne sich in Arbeit, Sport oder Alkohol flüchten zu müssen.

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