Depressiv verstimmt – doch keine Depression

Nicht alles, was wie eine Depression aussieht, ist auch eine.

Die typischen Anzeichen einer Depression treten auch bei anderen seelischen Störungen wie Burnout, verdeckter Trauerreaktion, existentieller Frustration oder Demenz auf.

Depressive Verstimmungen für kurze Zeiten kennt fast jeder Mensch. Wenn jemand zum Beispiel einen Verlust erleidet, ist er normalerweise traurig und niedergedrückt. Das kann bei einer Trennung von einem Lebenspartner genauso auftreten, wie bei dem Tod eines nahen Menschen, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder auch bei dem Verlust von Gesundheit durch das Auftreten einer chronischen Erkrankung. Auf die neue Lebenssituation muss man sich erst einstellen und eine depressive Verstimmung kann eine durchaus angemessene Reaktion dabei sein. Und selbst wenn man in diesen Zeiten noch weitere Symptome hat, wie z. B. Schlafstörungen oder Antriebsschwäche muss man keine Depression haben. Die Diagnose Depression kann tatsächlich zu schnell gestellt werden, v.a. von Laien und denjenigen, die keine ausreichende Fachkenntnis besitzen. Das ist insofern problematisch, weil die Betroffenen dann nicht die Hilfe bekommen, die sie tatsächlich brauchen. Im Zweifelsfall ist eine fachliche Abklärung auf jeden Fall sinnvoll.

Symptome einer Depression

Nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD 10 liegt dann eine Depression vor, wenn ein Mensch sich über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen fast an jedem Tag

  • sehr depressiv, traurig und hoffnungslos fühlt
  • sich nicht mehr freut und keinerlei Interessen mehr hat, nicht einmal an angenehmen Dingen

Darüber hinaus kommen weitere Symptome hinzu, wie zum Beispiel:

  • Gefühle der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit
  • Gefühlsstarre
  • negative Gedanken
  • Störungen von Appetit, Schlaf und Sexualität
  • Antriebsarmut, schnelle Ermüdbarkeit
  • Gefühle der Minderwertigkeit, Schuldgefühle, Suizidgedanken
  • Störungen der Konzentration und Entscheidungsfähigkeit

Menschen mit einer Depression brauchen fachliche Hilfe, in der Regel in Form einer Psychotherapie, bei Bedarf auch Medikamente.

Merkmale einer Trauerreaktion

Das Gefühl der Trauer gehört zu dem natürlichen Prozess, in dem Menschen einen Verlust oder eine Trennung bewältigen. Im Gegensatz zur Depression drückt sich die Trauerreaktion deutlich in den Gefühlen aus und diese können auch im Zusammenhang mit einem Ereignis benannt werden, während bei einer Depression Gefühle eher erstarrt sind und der Betroffene nicht äußern kann, was ihn genau bedrückt. Bewältigung von Trauer braucht vor allem Zeit! Zeit zum Abschied nehmen, zum inne halten, zum Kräfte sammeln und zur Neu-Orientierung. Für Trauernde können dabei Trauergruppen mit anderen Betroffenen als unterstützend erlebt werden. Wird Trauer nicht hinreichend bewältigt, kann sie sich zur Depression entwickeln.

Burnout: Ungleichgewicht in der körperlich-seelischen Energiebilanz

Ausgebrannt sein und seelische Erschöpfung entstehen aus einem andauernden Ungleichgewicht in der körperlich-seelischen Energiebilanz. Menschen, die an Burnout leiden, haben häufig mit viel Begeisterung und Idealismus ihre berufliche, familiäre oder soziale Tätigkeit aufgenommen. Durch äußere Bedingungen einerseits und ständiges Zurückstellen eigener Bedürfnisse andererseits entwickelt sich Burnout über einen längeren Zeitraum. Neben den Symptomen, die einer Depression gleichen, stehen hier immer auch körperliche Stress-Anzeichen im Vordergrund. In der Regel finden Menschen mit Burnout durch eine Auszeit und durch Änderung ihrer Lebensbedingungen zur gewohnten Energie zurück. Häufig sind dafür Anregungen zur Selbsthilfe oder auch fachliche Hilfe notwendig, insbesondere dann, wenn der Betroffene wiederholt in den Zustand der seelischen Erschöpfung gerät.

Existentielle Frustration und das Sinnlosigkeitsgefühl

Als existentielle Frustration bezeichnet man den seelisch-geistigen Zustand, der durch ein chronisches Sinnlosigkeitsgefühl, permanente Langeweile und Überdruss bis hin zum Lebensekel geprägt ist. Die existentielle Frustration tritt häufig bei Menschen auf, die materiell keinerlei Not leiden und deren Leben von starkem Konsumdenken und den Erwartungen anderer geprägt ist. Das Phänomen der existentiellen Frustration hat erstmalig Viktor Frankl, der Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, beschrieben. Menschen, die an einer existentiellen Frustration leiden, brauchen in erster Linie Unterstützung darin, ihr persönliches Leben nach eigenen Wertmaßstäben sinnvoll zu gestalten

Demenz – Schwierige Abgrenzung von der Depression

Auch im Anfangsstadium einer Demenz treten Symptome auf, die einer Depression gleichen. Das betrifft besonders die Abnahme des Gedächtnisses, der Konzentrationsfähigkeit und des Denkvermögens. Im Unterschied zur Depression sind diese Anzeichen bei einer Demenz allerdings nicht wieder herstellbar! Weiterhin leiden viele Betroffene zusätzlich an depressiven Verstimmungen und Ängsten, ziehen sich zurück und geben viele Interessen auf. So wird die Unterscheidung zwischen Depression und Demenz äußerst schwierig. Ein Verdacht auf eine Demenz braucht immer die Abklärung durch einen Facharzt!

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