Der bilopankreatische Bypass: Ein Fallbeispiel

Kerstin M. kann sich nicht erinnern, jemals so schlank gewesen zu sein. Mit dem Bypass hat sie 60 Kilo abgenommen.

Kerstin M. (41) ist glücklich. Ihre hellblauen Augen hinter den Brillengläsern strahlen. „Am 4. Februar 2010 startete ich in mein neues, schlankes Leben“, erinnert sie sich. Seither hat sie 60 Kilo abgenommen. Die gelernte Erziehungshelferin ist sich fast noch selbst ein wenig fremd, denn wirklich schlank kennt sie sich nicht.

„Schon als Kind war ich pummelig“, erzählt sie, „auch meine Eltern waren übergewichtig.“ Mit sechs Jahren traf die kleine Kerstin ein schwerer Schicksalsschlag – ihre Mutter starb. Kerstin kam in eine Pflegefamilie und suchte Trost im Essen: „Man hat es mir immer wieder wegnehmen müssen.“

Kerstin nahm trotz Fitnessstudio nicht ab

Dennoch wog Kerstin mit 18 Jahren 90 Kilo bei einer Größe von 1,61 Meter. 2002 waren es bereits 107 Kilo. Dann wurde Kerstin schwanger und nahm weitere 13 Kilo zu. Sie entband eine wunderschöne Tochter. „Aber das Gewicht habe ich behalten“, seufzt sie. Im Laufe der nächsten Jahre kamen weitere Pfunde dazu, obwohl Kerstin drei Mal in der Woche ins Fitnessstudio ging. Als sie 135 Kilo wog, überlegte sie, ob nicht ein Magenband das Richtige für sie wäre. „Doch dafür hätte ich die Kosten selbst tragen müssen, das konnte ich mir einfach nicht leisten.“

Ein Hexenschuss vor drei Jahren zwang sie, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Man empfahl ihr dringend, abzunehmen. „Ich meldete mich beim Adipositaszentrum in Mannhein an. Dort riet man mir zu einer Magen-Bypass-Operation. Im Laufe eines knappen Jahres absolvierte ich dann alle dafür nötigen Voruntersuchungen.“ Weil Kerstin im Großen und Ganzen gesund war, lehnte die Krankenkasse den Eingriff zunächst ab. Viele Einsprüche und ein persönliches Gespräch mit den Entscheidungsträgern später bekam Kerstin aber doch die Kostenzusage.

„Aber leider war ich viel zu dick, als dass man mich so lange in Narkose hätte legen können“, erzählt Kerstin. „Am 4. Februar 2010 haben mir die Chirurgen daher erst einmal nur den Magen verkleinert.“ Schon vier Tage später konnte sie aus dem Krankenhaus entlassen werden. Mit Hilfe dieses sogenannten Schlauchmagens nahm Kerstin innerhalb des nächsten halben Jahres 20 Kilo ab. Im September kam sie erneut unter das Messer. Bei dieser zweiten Operation wurde noch Kerstins Darmpassage gekürzt und damit ein bilopankreatischer Bypass gelegt. Dabei handelt es sich um ein in Deutschland noch selten durchgeführtes, neues Operationsverfahren, das für die Patienten angenehmer ist als der bislang gängige Magen-Bypass.

Der bilopankreatische Bypass

Bei dieser Art des Magenbypasses wird der Magen zum Schlauchmagen verkleinert und die erste Hälfte des Dünndarms von der Passage der Verdauungssäfte abgetrennt. Dort wird die Nahrung also nur weitertransportiert, aber nicht verdaut. So können energiereiche Lebensmittel wie Kohlenhydrate oder Fett nicht mehr richtig ausgewertet werden. Das Verfahren gilt mit einem Verlust von 85% des Übergewichts als sehr erfolgreich, wobei die Operierten eine hohe Lebensqualität haben.

Bei extrem adipösen Patienten wird zunächst nur der Magen verkleinert. Hat der Patient dann abgenommen, wird der zweite Teil der Operation durchgeführt – so wie bei Kerstin. Dabei kann der Eingriff minimal-invasiv durchgeführt werden und dauert zwischen zwei und vier Stunden. Diese Operationsart gibt es auch noch mit dem sogenannten Duodenal-Switch. Dabei erhalten die Chirurgen den Magenpförtner, so dass es zu keinem Reflux und zu keinem Dumping (sturzartige Nahrungsentleerung vom Magen in den Dünndarm) kommt.

Mittlerweile hat Kerstin 60 Kilo abgenommen

Inzwischen wiegt Kerstin 75 Kilo und hält sie auch. Allerdings war der Weg dahin nicht immer leicht. Kerstins Magen fasst nur eine Menge von 100 ml – sie musste vorsichtig ausprobieren, wie viel das ist. Im Gegensatz zu anderen Adipositas-Patienten, die einen Magen-Bypass haben, darf sie aber alles essen, sogar Fett. „Mein Körper kann nur noch zwanzig Prozent davon aufnehmen, daher darf ich mich bedienen. Wenn ich eine Soße koche, schütte ich mir daher gerne Sahne extra dazu!“ Um einer Mangelernährung vorzubeugen, muss Kerstin Vitamine und Mineralstoffe einnehmen. „Aber hauptsächlich viel Eiweiß!“, erzählt sie.

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