Der Motorroller KR 51 von Simson – besser bekannt als „Schwalbe“

Vom Motorroller für Frauen in der ehemaligen DDR avancierte die „Schwalbe“ zum Kultobjekt in der heutigen Zeit. Die Hintergründe liegen in ihrer Entstehung.

Ostkult wird inzwischen mit vielem betrieben, aber kaum etwas erlangt einen dermaßen hohen Kultstatus wie die „Schwalbe“. Die legendäre „Schwalbe“ des IFA-Kombinats ist aus dem gesamtdeutschen Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Für den einen ist sie Kult, der Inbegriff von Freiheit und Mobilität, für den anderen ein ärgerliches Verkehrshindernis. Der einst als Frauenfahrzeug konzipierte Motorroller hat eine lange Geschichte hinter sich: Vom zweckmäßigen Transportmittel, das ein fehlendes Auto ersetzen musste, brauchte es lange, bis das „Nutzvehikel“ schließlich durch Liebhaber zum Kultobjekt wurde.

Geburtsstunde der KR 51/1

Alles nahm seinen Anfang, als der seit dem 18. Jahrhundert bestehende Suhler Waffen- und Werkzeughersteller Simson (später IFA Kombinat) nach dem Bau erster Zweiräder und motorisierter Zweiräder im Februar 1964 damit begann, die inzwischen legendäre Vogelserie herauszubringen.

Nach anfänglicher Weiterentwicklung verschiedener kleiner Mopedmodelle entstand zunächst das Modell KR 50, ein Moped mit verbesserter Motoreigenschaft und „Schmutzschutz“ durch ein vorn angebrachtes „Schild“. Parallel wurde an einem leistungsstärkeren Modell für zwei Personen gearbeitet. Im Februar 1964 war es dann schließlich soweit, mit der KR 51 Reihe entstand die heutige Legende: die „Schwalbe“ lief in Serie vom Band.

Technik und Modelltypen der KR 51

Als erster zweisitziger Motorroller der DDR verfügte sie über einen 50 ccm 2-Takt-Motor, Kickstarter, ein gebläsegekühltes 3-Gang Getriebe, zunächst mit Handschaltung, später mit Fußschaltung und einer Leistungsfähigkeit von 3,4 PS sowie einer Laufgeschwindigkeit (selbst im Soziusbetrieb) von stolzen 60 km/h. Da die „Schwalbe“, im Gegensatz zu anderen 50 ccm-Motorrollern bereits vor 1992 zugelassen wurde, darf sie weiterhin mit 60 km/h betrieben werden, fällt also nicht unter die 45 km/h Beschränkung gemäß StVO.

Seit ihrem Bau befand sich die „Schwalbe“ in ständiger Weiterentwicklung, brachte so verschiedene Typenmodelle heraus und war schließlich mit 2-, 3- und 4-Ganggetriebe sowie mit Luftkühlung und einem zwischen 2,3- 4,6 PS starken Motor oder als Krankenfahrzeug „DUO“ erhältlich.

Im wesentlichen unterscheidet man zwei Modelltypen ( KR 51/1 + KR51/2 ) und deren optimierte Varianten. Ihre Unterschiede bestehen hierbei in der Anzahl der Gänge, der PS-Leistung, dem Drehmoment, sowie dem Kraftstoffverbrauch (2,5- 2,8l/100km) und der Nachrüstung von hydraulischen Federbeinen.

In der Originallackierung gab es die Schwalbe in den Farben: Atlantikblau, Lichtrot, Olivebeige, Tundragrau, Pastellweiß, Billiardgrün oder Saharabraun. Liebhaber und Restauratoren sorgten allerdings im Laufe der Jahre für eine wesentlich buntere Farbpalette.

Die „Schwalbe“ für Bastler

Aufgrund ihrer einfach gehaltenen Technik und übersichtlichen Bauweise ist die „Schwalbe“ das ideale Bastlerobjekt für jeden mit minimalem Technikverstand. Mehrere Sachbücher widmen sich der Konstruktion und Technik der Schwalbe sowie ihrer fachgerechten Wartung und Reparatur. Besonders im „Simson-Roller SCHWALBE“-Buch von E. Werner, werden alle nötigen Wartungsarbeiten und kleinere Reparaturen Schritt für Schritt und laientauglich beschrieben. Hilfreich für Fans und Bastler sind auch diverse Internetseiten wie z.B. www.schwalbennest.de sowie zahlreiche Onlineshops, die preiswerte, passende Ersatzteile liefern können.

Im Produktionszeitraum von 1964 bis zur Produktionseinstellung 1990 liefen jährlich zwischen 50.000 bis 60.000 „Schwalben“ vom Band, dann fiel sie der Wiedervereinigung zum Opfer. Zahlreiche Liebhaber werden aber in liebevoller Handarbeit für den Erhalt der „Schwalbe“ sorgen, so dass dieses Stückchen Ostalgie auf unseren Straßen noch lange zu finden sein wird.

Nützliche Literatur für alle „Schwalbe“-Fans

  • Simson Vogelserie, von E. Werner; Welz Verlag, ISBN: 398042944x
  • Simson Ratgeber; von E. Werner, MZA Verlag, ISBN: 978-3980948128
  • Das Schwalbenbuch, von E. Werner, MZA Verlag, ISBN: 978-3980948104
  • Zweitakt- Motoren Tuning, von Ch. Riek, Riek Verlag, ISBN: 978-3924043254

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