Der sächsische Weinwanderweg – Weinwandern im Elbtal

Wandern in Deutschlands nordöstlichstem Weinbaugebiet: sechs Etappen von Pirna bis Diesbar-Seußlitz.

Die Elbe fließt mitten durch das kleinste und nordöstlichste Weinbaugebiet Deutschlands, wo schon seit 1660 Wein angebaut wird. Trockene Weißweine gibt es hier, hauptsächlich Müller Thurgau, Riesling und Weißen Burgunder, aber auch Elbling, die älteste Rebsorte, oder die nur hier zu findende Spezialität Goldriesling. Dieses unbekannteste Weinbaugebiet Deutschlands liegt nördlich des 51. Breitengrades und beherbergt 37 verschiedene Rebsorten.

Bequem in sechs Etappen über den sächsischen Weinwanderweg

Was läge also näher, als sich die Rebherrlichkeiten des 13. deutschen Weinbaugebiets zu erwandern: Auf dem sächsischen Weinwanderweg, der von Pirna aus bis nach Diesbar-Seußlitz 90 Kilometer lang und in sechs Etappen bequem zu gehen ist. Angeboten wird er als Komplettangebot mit Übernachtungen, Gepäcktransport etc. von Augustus Tours, natürlich nach August dem Starken (gest. 1733) benannt, dem bedeutenden Kurfürsten schlechthin in Sachsens bewegter Geschichte. Seit 1997 gibt es Augustus Tours. Die Chefin, Frau Herrmann, ist selber Hobbywinzerin wie ca. 3.600 andere im Elbtal auch, und hat einen Weinberg in Wachwitz. Wenngleich man hierzulande, wie sie beteuert, nicht in Hektar, sondern in Rebstöcken rechnet.

Nun aber los! Beginnen kann man z. B. an der Haltestelle „Wilder Mann“, denn hierher geht es ganz bequem vom Zentrum Dresdens aus per Straßenbahn und somit zu einer Weinwanderung in die Dresdner Weinbaufröhlichkeit, die an steilen Terrassen über den malerischen Elbauen klebt. Wir wandern auf den Spuren des Weingottes Bacchus in der Niederlößnitz über Hoflößnitz bis Schloss Wackerbarth und Radebeul-Zitzschewig den Radebeuler Steinrücken entlang. Dies ist die 3. Etappe des Sächsischen Weinwanderwegs.

Radebeul und Weingut Hoflößnitz

An der ersten Station im Herzen von Radebeul folgen wir mit Blicken der steilen Spitzhaustreppe nach oben, auf der die Fürsten in ihren Sänften hochgetragen wurden, schauen die Weinhänge hinauf zum Muschelpavillon und zum Bismarckturm, um alsdann bergan zum Weingut Hoflößnitz zu steigen. Der Terrassenweinanbau habe in der Gegend eine über 400jährige Tradition, wird erklärt. Hier, im einzigen sächsischen biozertifizierten Weingut Hoflößnitz, gibt es seit 1997 ökologischen Weinbau. Wir packen unsere „Kelche“ aus und probieren einen trockenen Müller-Thurgau aus dem Jahre 2006 mit feinfruchtiger und dezenter Muskatnote, mit 27 % die Hauptrebsorte hier in Sachsen. Das Gut Hoflößnitz existiert seit 1401, es war der Grundstein des kurfürstlichen Weines. August der Starke z. B. war hier sehr gerne zu Gast und trank nach dem Aufstehen erst einmal 8 Liter Wein. Die Angaben über sein Trinkquantum variieren etwas, doch hoch muss es auf jeden Fall gewesen sein. Heute gibt es in den früheren Veranstaltungssälen ein Weinbaumuseum, das einzige ganz Sachsens. Und im ehemaligen Presshaus des Weingutes Hoflößnitz befindet sich eine täglich geöffnete Weinstube mit frischer Küche.

Ein Weissburgunder (die mit 13 % am dritthäufigsten angebaute Rebsorte) Kabinett, Hoflößnitz 2006, halbtrocken, mit frisch eingebundener Säure und floralem Aroma erfreut den Gaumen und außerdem eine lustige Geschichte: Zu DDR-Zeiten hätten die Hobbywinzer von der Genossenschaft 20 Flaschen pro Rebsorte bekommen, was schlicht und ergreifend dazu führte, dass die Weinbauern möglichst viele verschiedene Sorten anbauten. Daher die vielen verschiedenen Rebsorten? 85% Weiß- und 15 % Rotweine übrigens.

Der Weinberg Paradies und das Weingut Förster

Die nächste Station ist das Paradies, pardon der Weinberg „Paradies“ natürlich, wo wir zunächst frisch geschnittene Rieslingtrauben schnabulieren, schön süß, um dann festzustellen, dass man die Traube später in dem 2006er Riesling trocken von Schloss Wackerbarth mit rassiger Säure und fruchtiger Note nun wirklich nicht wieder erkennt. Der Riesling ist hierzulande die Rebsorte, die am zweithäufigsten angebaut und am spätesten gelesen wird.

Weiter geht´s auf Dionysos Spuren den Höhenweg im Paradies entlang bis zur nächsten Station, wo ein Kerner vom Weingut Frank Förster verkostet wird. Im Blick die „Friedensburg“, 1870/71 erbaut, und den Wasserturm, der 1994 wieder eröffnet wurde und hier tatsächlich den Wasserdruck konstant hält.

Schloss Wackerbarth und die Sachsenkeule

Schon nähert sich der Wanderer dem Etappenende, das Wandern geht nun auch nicht mehr so einfach wie zu Anfang, und blickt von der Sternwarte aus hinunter ins herrliche Elbtal, dann noch einmal vom Weinberghäuschen Belvedere auf dem Jakobstein aus. Diese Weinberg- oder Lusthäuschen symbolisierten den Reichtum der Winzer. Drunten im Tal tutet ein Dampfer und tuckert stromabwärts, ein aufgeschreckter Eichelhäher fliegt davon. Weinkultur und Elblandschaft ergänzen sich auf prächtige Weise. Und unten im Tal liegt auch das wunderbare Schloss Wackerbarth. Hier wird heutzutage der berühmte Schloss Wackerbarth Sekt mittels Flaschengärung hergestellt. Es gibt eine Halle für die Wein- und Sektproduktion, eine Parkanlage nach französischem Vorbild, einen ansprechenden, Licht durchfluteten Verkaufsraum, Führungen, Verkostungen und dergleichen mehr. Besonders erwähnenswert ist, dass man sich hier auch dem Erhalt der Kulturlandschaft verschrieben hat, z. B. dem Pfahlweinanbau.

Die Etappe wird mit einer Sektprobe gekrönt: Cuvée Tradition brut 2007 von Schloss Wackerbarth, hergestellt nach der klassischen Flaschengärung und abgefüllt in die typisch bauchige Flasche, im Volksmund „Sachsenkeule“ genannt. Und wer will, geht erst mal noch einen „pietschen“, einen trinken. Aber nicht gleich ne ganze „Bulle“.

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