Endometriose – Welche Symptome gibt es?

Schmerzen im Unterleib und Menstruationsbeschwerden: Habe ich vielleicht Endometriose? Die wichtigsten Symptome der chronischen Krankheit auf einen Blick.

Der Begriff Endometriose (lat. für endo = innen; metra = Gebärmutter; ose = chronisch) beschreibt eine gutartige Veränderung im Körper der Frau, bei der gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe auch außerhalb der Gebärmutter wächst. Dabei führen Blut- und Schleimhautreste zu Verklebungen des Gewebes, zu Entzündungen und später dann zu Narben und Verwachsungen.

Die gutartige Erkrankung kann leichte bis kaum spürbare Auswirkungen haben, zum Stillstand kommen oder auch einen chronischen Verlauf nehmen und stärkste Schmerzen verursachen, zu Organverlust und Unfruchtbarkeit führen.

Stadien bei der Endometriose und ihre Einteilung

Endometriose wird in verschiedene Stadien eingeteilt, die den Schweregrad der Krankheit benennen und so Richtlinien sein sollen für therapeutische Maßnahmen und Entscheidungen.

Die bekanntesten Klassifikationen sind die rASRM-Stadieneinteilung und die EEC-Stadieneinteilung. Beide Klassifikationen erfolgen visuell während einer Bauchspiegelung (Laparaskopie). Sie beschreiben die Ausdehnung der Endometriose nach Anzahl, Größe und Lokalisation der Herde sowie Verwachsungen.

Die Zuordnung der Stadien ist aber nur bedingt aussagefähig. Es gibt Frauen mit ausgeprägter Endometriose, die keine oder nur geringe Beschwerden haben und solche, die nur minimale Herde aufweisen und dabei stärkste Schmerzen haben.

Endometriose – das unerkannte Chamäleon gynäkologischer Erkrankungen

Da Endometriose unterschiedlichste Verlaufsformen annehmen kann, ist sie oft sehr schwer zu diagnostizieren und bleibt in der Regel viele Jahre unerkannt.

Die Erkrankung tritt in den „verschiedensten Gewändern“ auf und geht auch oft mit anderen, untypischen Symptomen einher, so dass es schwer ist, frühzeitig eine eindeutige Diagnose zu stellen. Daher wird sie auch von Fachleuten als das „Chamäleon“ unter den gynäkologischen Erkrankungen bezeichnet. Wie aber ist dieses Chamäleon zu fassen? Welche Möglichkeiten gibt es, die Krankheit zu erkennen?

Häufigste Symptome und Beschwerden bei Endometriose

Die Bandbreite der Symptome, die bei Endmetriose auftreten, ist sehr groß. Hauptsymptome sind wiederkehrende Unterleibsschmerzen mit wechselnder Stärke. Sie treten meist im Zusammenhang mit der Monatsblutung und/oder dem Geschlechtsverkehr auf. Die Grenzen zwischen einer „normalen“ Regelblutung mit Bauchschmerzen und Ziehen im Unterleib bis hin zu einer leichten bis mittelschweren Endometriose sind oft fließend. Viele Frauen gehen deshalb nicht zum Arzt, weil sie denken, sie hätten wahrscheinlich „nur“ normale Menstruationsbeschwerden. Deshalb ist bei jeglichen Beschwerden und Schmerzen während/vor den Blutungen ein Besuch beim Arzt empfehlenswert.

  • Dysmenorrhoe: starke bis stärkste Menstruationsschmerzen – Solche Schmerzen können während oder vor der Menstruation auftreten und so stark sein, dass kein Schmerzmittel mehr greift. Nicht wenige Frauen erleben diese Schmerzattacken intensiver als Wehenschmerzen und beschreiben den Schmerz häufig als „brennend“, „stechend“ oder krampfartig. Schmerz ist das Leitsymptom für Endometriose. Auslöser für den Schmerz sind die sogenannten „Prostaglandine“ und andere körpereigene Stoffe. Sie bewirken ein Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur, um das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) abzustoßen. Dazu gibt es verschiedene Ansätze der Schmerztherapie.
  • Starke und/oder unregelmäßige Monatsblutungen – Wenn die Endometriose in der Gebärmutterwand angesiedelt ist (Adenomyosis), bluten die Herde zusätzlich während der Menses und es kommt zu besonders schweren und lang anhaltenden Blutverlusten, die oft auch ärztlich behandelt werden müssen.
  • Kreuz- und Bauchschmerzen
  • Schmerzen bei der gynäkologischen Untersuchung – Frauen leiden während der Untersuchung beim Frauenarzt vor allem Schmerzen an bestimmten Endometriose-Punkten in Scheide oder Rektum. Typisch dafür ist, dass diese Punkte oft auch noch im Anschluss an die Untersuchung „nachwimmern“.
  • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – Werden meist als brennend oder krampfartig empfunden werden. Oft können die Frauen auch ganz bestimmte Punkte orten, die auf Druck empfindlich oder mit starken Schmerzen reagieren und dann „nachwimmern“.
  • Blasen- und Darmkrämpfe – Schmerzen zu Beginn der Regelblutung beim Wasserlassen oder bei der Darmentleerung und bei Darmbewegungen, Völlegefühl und Blähungen. Der Gang zur Toilette kann derart beschwerlich und schmerzhaft sein, dass Patientinnen regelrechte Angst davor entwickeln. In diesen Fällen wird empfohlen, unbedingt sofort einen Arzt aufsuchen. Ist der Darm betroffen oder die Blase, ist größte Vorsicht geboten. (Darmverschluss)
  • Zyklische Blutungen aus Blase und Darm – Sollte Blut im Darm oder Blase (Urin) festgestellt werden und primäre Ursachen (Blasenentzündung etc.) ausgeschlossen sein, dann ist auch hier an ein Endometriose (Douglas-Raum/Blase/Darm) zu denken, bei der monatlich die Endometrium-Herde bluten.
  • Ungewollte Kinderlosigkeit – auch ohne jegliche Schmerzsymptome – kann viele Ursachen haben. Eine davon ist Endometriose und sollte in Betracht gezogen bzw. als mögliche Diagnose ausgeschlossen werden. Ungewollte Kinderlosigkeit durch Endometriose ist behandelbar.
  • Starke Kreislaufprobleme im Zusammenhang mit den Menstruationsschmerzen – Manche Patientinnen erleiden so starke Schmerzen, dass sie starke Kreislaufprobleme bekommen, Schweißausbrüche, Schüttelfrost, Schwindel oder ohnmächtig werden.
  • Schmerzen während des Eisprungs in der Zyklusmitte – Auch hier ist es oft schwer zu unterscheiden, ob nur der normale Eisprung spürbar ist oder Schmerzen von Endometriose-Zysten, den sogenannten „Schokoladen-Zysten“ im Eierstock verursacht werden.
  • Unterleibsschmerzen / Unterbauchschmerzen verschiedener Stärke und an verschiedenen Stellen, die nicht im Zusammenhang mit der Monatsblutung auftreten.
  • Psychische Folgen – Endometriose ist eine sehr stark belastende Krankheit, die die Frauen in ihrem gesamten Lebensentwurf beeinträchtigt, überfordert und nicht selten destabilisiert. Die hohe Chronizität, der langwierige oft beschwerliche, immer wieder wechselnde Verlauf, starke Schmerzen, wiederholte Operationen, Kinderlosigkeit, Schmerzen beim Sex, fehlendes Verständnis von Partner und Familie – all das sind viel zu große dauerhafte Belastungen, die vielfältige Folgen haben können: Angst vor sozialer Isolation, Angst vor Arbeitslosigkeit (durch die Krankzeiten), Stimmungsschwankungen, seelische Erschöpfung, depressive Verstimmungen, Angst vor Schmerzen, Depression bei Kinderlosigkeit uvm.
  • Allgemeinzustand – Die Folgen von chronischen und meist heftigen Schmerzen sind umfassend: Körperliche und psychische Überforderung, allgemeine Erschöpfungszustände, erhöhte Infektanfälligkeit, Schwäche, Reaktionen des Immunsystems

Endometriose – eine Tabukrankheit, mit der Frauen allein bleiben

Jährlich erkranken 40 000 Frauen an Endometriose. Von den Zahlen aus gesehen sind das ähnlich viele Frauen wie bei Brustkrebserkrankungen. Doch die Wahrnehmung und Bedeutung beider Erkrankungen in der Gesellschaft könnte kaum unterschiedlicher sein.

Endometriose ist eine Tabukrankheit. Frauen sprechen nicht darüber, weil es in der Öffentlichkeit oder in den eigenen Familien dazu kaum Akzeptanz oder Verständnis gibt. Auch die Kommunikation mit den Ärzten kann aufgrund der Tabuisierung und der immer noch erschreckend hohen Unkenntnis vieler Ärzte schwierig sein.

Daher ist es ratsam, sich als Betroffene selbst umfassend zu informieren, Selbsthilfegruppen aufzusuchen (international: endometriose-liga.eu). Die Medizinische Hochschule Hannover hat im Rahmen einer Studie ein Schulungsprogramm für Frauen mit Endometriose entwickelt, in dem viele hochaktuelle Erkenntnisse verarbeitet wurden.

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