Ewige Liebe

Schlittert jedes Paar erst durch die gleichen Liebesphasen und dann in die unvermeidliche Trennung? Oder können wir doch das Ideal ewiger Liebe verwirklichen?

Bis zum Mond oder nur bis zur nächsten Konfektionsgröße? Der Mythos der ewigen Liebe steht unter schwerem Beschuss durch den Hunger nach Abwechslung und Ermüdungen, die den gigantischen Sturm der Gefühle zur zermürbenden Flaute ausbremsen. Selbst die Hochglanzpärchen geben schlechte Vorbilder ab. Als Tracey Edmons und Hollywood-Star Eddie Murphy sich Anfang 2008 auf einer Südseeinsel das Jawort gaben, hätten selbst die zynischsten Romantikfeinde nicht mit dem bevorstehenden Rekord gerechnet. Gerade mal zwei Wochen hielt die Verbindung, die mit dem Schwur unendlicher Liebe begonnen hatte.

Die Lügen der Liebe

Wer sich heute nach der ewigen Liebe sehnt, muss zugeben, dass seine romantischen Illusionen ziemlich exotisch wirken könnten. In seinem provozierend unromantischen Buch über das Phänomen Langzeitbeziehung deckt der Paarberater Michael Mary fünf besonders schwerwiegende „Lügen die Liebe betreffend“ auf. So müssten Lebenspartnerschaften nicht zwangsläufig auch leidenschaftliche Sexpartnerschaften sein; auch die Zusammenhänge zwischen Liebe und Sex hält er für weit überschätzt. Als besonders verbreitet und fatal entpuppt sich im Alltag aber oft jenes Hirngespinst, das Mary „Erlösungslüge“ nennt: „Es kommt alles darauf an, den richtigen Partner zu finden – dann sind partnerschaftliche Liebe und leidenschaftliche Sexualität für immer gesichert.“ Dieser Irrglaube führt bei vielen Verblendeten zu einer verbissenen Suche nach dem wahren, einzigen und bislang eben nur noch nicht entdeckten Idealpartner.

Gemeinsam neue Wege gehen

Dabei ist es gar nicht so schwer, solchen Denkfallen zu entrinnen: Um seine vielleicht schon ganz ordentlich große Liebe auf die gesamte Lebenszeit auszudehnen, empfehlen Psychologen gerne einige grundlegende Kniffe: Dem Partner mit Achtung und Rücksicht begegnen, sich dabei über Wünsche und Sorgen auszutauschen etwa; oder auch ein üppiges Maß an Selbstkritik bei gleichzeitigem Liebes- und Vertrauensvorschuss für den anderen. Außerdem sollte man die im Laufe der Jahre erkannten Schwächen des Partners nicht gegen ihn auszunutzen. Ebenfalls hilfreich: sich beiderseitig an Absprachen zu halten, dem anderen Freiräume zu lassen und trotzdem gemeinsamen Aktivitäten aller Art nachzugehen. Das beste Rezept gegen den Trott der Jahrzehnte sind nämlich keine alternativen Späße für sich alleine, um den Partner als trostlose Altlast hinter sich zu lassen, sondern gemeinsame neue Wege.

Die falschen Fragen

Und wer sich auch noch genug Zeit für die tätliche Liebe nimmt, sei es voller Leidenschaft oder als unspektakuläre, zärtliche Zuneigung zwischen Tür und Angel, hat ebenfalls gute Chancen, dass seine Liebe nicht verdorrt. Hinter dem Projekt „ewige Liebe“ steht eine freie Willensentscheidung. Doch welche Veränderung muss eintreten, damit selbst überzeugte Saisonlover zu Dauerbrennern werden? Kommt es auf den magischen ersten Blick an, auf das perfekt aufeinander zugeschnittene geistige und emotionale Profil, wie es uns die Betreiber von Datenbankbasierten Partnervermittlungen weis machen wollen? Muss der Sex der ersten Wochen einfach bis zur Bewusstlosigkeit aufregend sein, oder sind es doch die viel beschworenen Pheromone und andere genetische Faktoren, die zwei Menschen sich füreinander geschaffen fühlen lassen?

Es ist nett, über diese Fragen zu philosophieren, aber in der Praxis stellen sich ganz andere.

Das ideale Timing

Nicht nur die Anbandelnden, die beim zweiten Date nicht wissen, wie viel sie ausziehen sollten, grübeln über das ideale Timing. Ist es etwa besser, schnell loszulegen, oder erst beim Wiedersehen nach fünf Jahren aufeinander zu fliegen? Die Wahrheit dürfte dazwischen liegen. Oft ist es die aus einer sich langsam anbahnenden und mit stetem Feuer genährten Liebe entstehende Partnerschaft, die über die volle Marathondistanz jagt, ohne dass ihr die Puste ausgeht. Daraus zu schließen, man müsse irgendwelche Schonfristen einhalten, um die gemeinsame Rentenzeit nicht zu verhunzen, wäre allerdings weit übertrieben.

Extreme Erlebnisse schweißen zusammen

Prominente Beispiele für Langzeitliebende lenken den Blick auf dramatischere Faktoren. So schweißen extreme gemeinsame Erlebnisse Paare offenbar dauerhaft zusammen: Marcel Reich-Ranicki ist beispielsweise seit 1942 mit seiner Frau Teofila verheiratet. 1943 flüchtete er mit ihr aus dem Warschauer Getto; die beiden mussten sich monatelang versteckt halten.

Und eine kaum noch verbreitete Theorie über die Konservierung der Liebe über alle Garantiefristen hinweg rät, die gute alte Trennung zwischen Sex und Gefühlen wieder hervorzukramen. Denn die unerfüllte Liebe, so will es uns wenigstens die Literatur weis machen, ist oft haltbarer, als die tausendfach vollzogene.

Wann kommt die große Liebe?

Doch wann genau ist es eigentlich an der Zeit, die letzte Liebe seines Lebens anzugehen?

Wer sich zu früh auf die große Liebe fixiert, fällt der Furcht zum Opfer, etwas zu verpassen und ergreift vielleicht die Flucht. Wer allerdings zu lange einen zügellosen Marathon durch alle Betten hinlegt, ist vielleicht endgültig zu anspruchsvoll geworden, um sich auf Dauer für einen Partner zu begeistern. Doch auch die Eigenart, die Abwechslung mehr zu lieben als den konkreten Menschen, muss nicht unbedingt im Widerspruch zur großen ewigen Liebe stehen. Ewig muss ja nicht zwangsläufig auch einzig bedeuten.

Sieben Brücken zur ewigen Liebe

– Trotz nötiger Freiräume gemeinsame Aktivitäten nicht vergessen

– Sich nicht zur Kindererziehungszweckgemeinschaft degradieren

– Macken, die man nicht mehr so liebt, ansprechen

– Zwischen Distanz und Nähe lustvoll tänzeln

– Sich gemeinsam verschieden entwickeln, nicht parallel auseinander

– Die drei Vs: Vertrauen, Verständnis, Verlangen

– Nicht krampfhaft die ewige Liebe zementieren wollen

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