Fitness im Kopf für Whist- und Bridge-Spieler

Internationales Spiel für Jung und Alt mit Reizen per Geheimsprache. Bridge ist nicht nur ein Kartenspiel für alte Ladies. In Bad Oldesloe spielen Männer und Frauen konzentriert um die Ehre statt um Geld. Nachwuchs ist stets erwünscht.

Bridge, ein Kartenspiel für alte Ladies? Durchaus nicht. In Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein spielen an jedem Donnerstag in der Tagespflegeeinrichtung von Haus Ingrid am Pferdemarkt auch etliche Herren.

Bridge-Spieler reizen und spielen auf grünem Samt in einer Altentagesstätte, die einst ein griechisches Restaurant war

In dem ehemaligen Restaurant, in dem früher griechische Spezialitäten genossen wurden, sitzen die Spieler in gemütlichen Nischen rund um die mit grünem Samt abgedeckten Tische. Allerdings muss man zugeben, dass auch die Herren die Jüngsten nicht mehr sind. Deshalb sucht der Club dringend auch jüngeren Nachwuchs, damit die Spielpartner nicht eines Tages aussterben. Dem Nachwuchs wird man sich allerdings gewachsen zeigen, denn Bridge-Spielen hält „jung im Kopf“.

Bridge ist ein internationales Spiel, das von New York bis Tokyo mit Hilfe einer Art Geheimsprache ohne Worte gespielt werden kann

Bridge ist ein internationales Spiel, das sich aus dem höfischen Whist entwickelte. Theoretisch kann es völlig ohne Worte ablaufen. So kann man sich auch in China oder in Südafrika mit einem Bridge-Spieler an einen Tisch setzen und einfach loslegen. Grundsätzlich erscheint man nur zu zweit zum Spielabend – gerade Spielerzahlen sind erwünscht. Gespielt wird paarweise und an Vierertischen. Jeder Spieler bekommt 13 Karten. Ost und West beziehungsweise Nord und Süd spielen jeweils zusammen. Gereizt wird mit Hilfe spezieller Karten, die den wortlosen Informationsaustausch möglich machen.

In den so genannten Boards liegen die vorsortierten Spielkarten für jeweils zwei Spielerpaare pro Spieltisch

Die so genannten Boards sind hellblaue Plastiktäschchen, in denen die Spielkarten vorsortiert sind. Nach vier Spielen wird rotiert, das heißt, jeweils ein Spielerpaar wandert ein Tischchen weiter. Man bemüht sich, auch zwischen den Spielen nicht allzu viel zu reden. Zum einen, um die Konzentration der anderen nicht zu stören, zum anderen, damit die Spieler der Nachbartische möglichst nichts erfahren über die Spielkarten, die sie bald selbst in den Händen halten werden. Schließlich geht es an jedem Spielabend neu darum, den Gesamtsieg zu erringen.

Bridge an der Volkshochschule lernen? – Skat-Spieler und Doppelkopf-Spieler mit einem Gefühl für Karten lernen Bridge relativ schnell

„Wir haben auch schon Kurse an der Volkshochschule gegeben, um Interessierten das Bridgespielen beizubringen“, erzählt Ansprechpartner Siegfried Ehlers (Telefon 04531/ 88 55 58).. „Manche brauchen ein Jahr lang, bis sie das Spiel wirklich beherrschen. Aber wer ein Gefühl für Karten besitzt, vielleicht schon Skat spielt oder Doppelkopf, der lernt es viel schneller.“

Bridge-Bundesliga und Weltmeisterschaften mit Höflichkeit als Trumpf

Anderswo agieren viele Bridge-Anhänger in der Bundesliga; sogar Weltmeisterschaften gibt es. Vor allem in den USA wird viel gespielt, weiß Ehlers zu berichten.

Wer zuhört, bemerkt schnell, dass auch Höflichkeit beim Bridge Trumpf ist. „Ich bedanke mich!“ sagt Ehlers, als seine Frau und Mitspielerin als einzige der vier Spieler ihre Karten offen hinlegt. Das muss sie, weil er beim Reizen gewonnen hat und das Spiel macht. „Treff bitte!“ sagt er, wenn sie eine Kreuz-Karte spielen soll. Oder: „Stechen, bitte!“ wenn er will, dass sie mit einer Trumpfkarte den Stich macht.

In echten Bridge-Clubs spielt man um Spaß und Ehre, nicht gegen Geld

Gesucht werden im Oldesloer Bridge-Club also Club-Mitglieder der neuen Generation. Aber natürlich sind auch weitere Senioren gern gesehen. Die jetzigen Mitspieler sind zwischen 70 und 75 Jahre alt. Es gibt auch Bridge-Spieler, die um Geld spielen, so Ehlers. Das aber ist nicht die klassische Spielweise. Am Pferdemarkt, wo früher Arbeitspferde und das eine oder andere edle Ross den Besitzer wechselte, wird nicht um Geld gespielt, denn die Oldesloer haben einen „echten Bridge-Club“ gegründet. Und da spielt man um die Ehre. Und zum Spaß natürlich.

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