Freudsche Analyse der Träume

Wie sich versteckte Botschaften enträtseln lassen. In einem auf wenige Augenblicke verdichteten Traum lassen sich viele Traumgedanken auffinden. Deren Analyse bringt Erkenntnisse über den Träumenden.

Seine Traumtheorie grenzte Sigmund Freud von der volkstümlichen Traumdeutung ab. Diese geschieht gewöhnlich auf zwei Wegen.

Volkstümliche Deutung: Symbol oder Chiffre

Im ersten Verfahren – einer symbolischen Traumdeutung – ersetzt man den Traum als Ganzes mit einem anderen Inhalt. Ein Beispiel findet sich in der Bibel. Josef legt auf dieser Art den Traum des Pharao aus. Sieben fette und sieben magere Kühe sollen die fruchtbaren und die Hungerjahre symbolisieren.

Die andere populäre Methode – man könnte sie als Dechiffriermethode bezeichnen – sieht im Traum eine Art Geheimschrift und übersetzt jedes Zeichen nach einem Schlüssel in ein anderes Zeichen.

Mit Freudschem Ansatz haben die beiden Arten nichts zu tun. Zwar hat er den volkstümlichen Grundgedanken übernommen: Einen Traum deuten, heißt seinen Sinn angeben. Aber anders als es sich das einfache Volk vorstellt, betont er, dass „derselbe Trauminhalt bei verschiedenen Personen und in verschiedenem Zusammenhang auch einen anderen Sinn verbergen mag“.

Geheimnis des Traumes

Bei einer Selbstanalyse enthüllte sich Freud das Geheimnis des Traumes: Der Traum ist eine Wunscherfüllung. Er stellt einen Wunsch als erfüllt dar. Ein einfaches Beispiel dafür sind Träume, in denen man mit einem Getränk den Durst löscht. Nach dem Aufwachen verspürt man dann wirklich Durst. Der Traum spielte bereits die Erfüllung des Wunsches vor.

Diese Erkenntnis besiegelt Freud mit einem Spruch: Wovon träumt die Gans? Vom Kukuruz (Mais). „Die ganze Theorie, dass der Traum eine Wunscherfüllung sei, ist in diesen zwei Sätzen enthalten“, räumt er bescheiden ein.

Trauminhalt

Wenn das Prinzip so einfach sei, „woher rührt die auffällige und befremdende Form, in welcher diese Wunscherfüllung ausgedrückt ist?“

Um diese Frage zu beantworten, unterscheidet Freud zwischen manifestem und latentem Trauminhalt. Der eine erscheint als unverhüllte Wunscherfüllung (gelöschter Durst), in dem anderen ist der Wunsch verkleidet, entstellt. Verantwortlich für diese Entstellung ist „eine Tendenz zur Abwehr gegen diesen Wunsch“.

Die bizarre Form des Traumes entsteht durch ein Zusammenspiel von zwei psychischen Mächten in der einzelnen Person: Die eine Macht bringt den Wunsch zum Ausdruck; die andere übt Zensur, lässt eine direkte Erscheinung nicht zu und erzwingt die Entstellung. Diese zweite Instanz bewacht auch sonst eine Zulassung zum Bewusstsein.

Woher kommt der Wunsch?

Freud sieht drei Quellen von Wünschen. Da ist einer, der bei Tage anerkannt und unerfüllt für die Nacht übrig bleibt. Der andere ist auch unerledigt, weil er nicht zugelassen und unterdrückt wurde. Eine dritte Art der Wünsche stellen diejenigen dar, die erst in der Nacht aus dem Unterdrückten erwachen. Sonst verlassen sie nicht das Unbewusstsein. Diese Wünsche sind für den Traum entscheidend.

Lösung des Traumes

Eine Lösung bringt der latente Inhalt, der in einer Bildersprache gegeben ist und deren Zeichen in die Sprache der Traumgedanken übertragen werden: „Der Traum füllt niedergeschrieben eine halbe Seite; die Analyse, in der die Traumgedanken enthalten sind, bedarf das sechs-, acht-, zwölffache an Schriftraum“.

Die Analyse bringt ans Licht, was sich hinter dem lakonisch erscheinenden Inhalt versteckt. Die aufgefundenen Traumgedanken sind im Traum nur durch wenige Vorstellungselemente vertreten. Die Traummaterie ist sehr verdichtet. Dies geschieht „indem der Traum nicht eine getreuliche Übersetzung oder eine Projektion Punkt für Punkt der Traumgedanken, sondern eine höchst unvollständige und lückenhafte Wiedergabe derselben sei“.

Ein Traum ist wie ein Rebus

Ein Traum ist ein Rätsel, dessen Schlüssel der Träumende in sich selbst trägt. Freud vergleicht den Traum mit einem Rebus: „Die richtige Beurteilung des Rebus ergibt sich offenbar erst dann, wenn ich gegen das Ganze und die Einzelheiten desselben keine solchen Einsprüche erhebe, sondern mich bemühe, jedes Bild durch eine Silbe oder ein Wort zu ersetzen, das nach irgendwelcher Beziehung durch das Bild darstellbar ist“.

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