Heizen mit Holz – aber richtig

Altmodische Kamin- und Kachelöfen liegen wieder im Trend. Doch ihre Handhabung erfordert Kenntnisse, die heute nicht mehr selbstverständlich sind.

Es ist kein Märchen, dieses Gerede von der „anderen“ Wärme eines Holzfeuers. Tatsächlich gibt Holz bei seiner Verbrennung auch Infrarotstrahlung, also direkte Wärmestrahlung ab, die dieses wohlige Gefühl völliger Durchwärmung im ganzen Körper erzeugt. Immer mehr Menschen in Deutschland schätzen – einmal abgesehen von den rein rechnerischen Vorteilen des kostengünstigen und nachhaltigen Rohstoffes Holz – auch die Anwesenheit eines wärmenden Feuers im Haus als einen Beitrag zur Lebensqualität: roten Widerschein und ein lebendiges Knistern und Knacken anstatt der stummen, weißen Rippen eines Heizkörpers.

Aber das Heizen mit Holz erfordert Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Vieles von dem, was unsere Großeltern noch wussten, ist in Zeiten der Zentralheizung in Vergessenheit geraten. Um Neueinsteigern einiges davon an die Hand zu geben, hier eine kleine Einführung.

Der Standort des Ofens

Den Standort des Ofens richtig zu wählen, ist die halbe Miete für eine wohlig warme Wohnung. Holzöfen platziert man immer an Innenwänden, so dass die Mauer, unberührt von der Außentemperatur, sich erwärmen und diese Wärme auch an den angrenzenden Raum abgeben kann. Eine große, feuerfeste Platte unter dem Ofen verhindert, dass Glutstücke oder Funken auf den Boden spritzen, und auch die Wand direkt hinter dem Ofen (Abstand einhalten!) muss gegen die Hitze abgeschirmt werden.

Die Länge der Ofenrohre bis zum Kamineinlass ist entscheidend für eine effiziente Nutzung der erzeugten Wärme. Die Rechnung ist einfach: Je länger die Rohre, desto mehr Wärme bleibt im Raum. Idealerweise sollte das Rohr, direkt am Ofen noch extrem heiß, sich bei der Einmündung in den Kamin problemlos mit der Hand anfassen lassen. Beim Anbringen der Rohre stets darauf achten, dass vom Kamin zum Ofen hin ein leichtes Gefälle entsteht – das begünstigt den Zug und hält Feuchtigkeit fern. Die Rohre müssen regelmäßig einmal im Jahr abgenommen und ausgeputzt werden.

Wer sich einen neuen Ofen anschafft, sollte sich vorher gut informieren, da ab Dezember 2012 gegenüber dem Schornsteinfeger Rechenschaft über den Emissionsausstoß eines jeden Holzofens abgelegt werden muss. Bei Nichteinhaltung der Grenzwerte ist dann der Einbau eines zusätzlichen Filters Pflicht.

Auswahl des Holzes

Um effizient zu heizen, benötigt man nicht nur eine Sorte Holz. Zum Anfeuern bietet sich sehr fein gespaltenes, krachtrockenes und harzreiches Kiefernholz an. Früher band man das im Garten anfallende Reis und dünne Astholz zu sogenannten „Wellen“ zusammen, die man trocknete, um im Winter einen Vorrat an Anfeuerholz zur Verfügung zu haben. Weichholz wie Pappel oder Weide, das schnell verbrennt und viel Flamme erzeugt, legt man direkt nach dem Anfeuern auf, um die Luft- und Wärmezirkulation in Gang zu bringen. Wer schnell ein warmes Zimmer braucht, verwendet Weichholz, ebenso, wer einen alten Herd besitzt und darauf kochen möchte.

Hartholz glüht oft mehr, als es brennt, und überbrückt so längere Abstände zwischen dem regelmäßigen Nachlegen. Akazie, Eiche oder Birnbaum sind Beispiele für zähes Hartholz. Durch die Art, die Scheite mit großen Zwischenräumen oder eher kompakt zu schichten, kann man Flamme oder Glut begünstigen. Möchte man verhindern, dass der Ofen über Nacht auskühlt, so legt man eine Bodenschicht Glut mit dicht gepacktem Hartholz oder Briketts aus, die man nach Bedarf noch in feuchtes Zeitungspapier wickeln kann. Birkenholz neigt übrigens am wenigsten zu Rauchentwicklung und ist deshalb das beliebteste Feuerholz für offene Kamine.

Allgemein gilt: Brennholz nie neben dem Ofen lagern (auch nicht mit einem Meter Abstand)! Durch die beständige Hitze kann es sich auch ohne Funkenflug entzünden. Ebenso muss darauf geachtet werden, dass sich in unmittelbarer Nähe der Ofenrohre keine brennbaren Materialien (Vorhänge etc.) befinden.

Umgang mit dem Ofen

Der Schamott, mit dem der Brennraum von Kachel- und alten Holzöfen ausgekleidet ist, kann bei zu schneller Erhitzung zerspringen. Deshalb gilt – langsam anfeuern! Schon mancher teurer Kachelofen ist kurz nach seiner Fertigstellung wegen unsachgemäßer Behandlung implodiert.

Beim Umgang mit der Asche ist ebensolche Vorsicht geboten. Niemals darf man Asche – auch nicht mehrere Tage alte – in die Mülltonne oder in einen brennbaren Behälter (Plastikeimer) füllen! Winzige Glutpartikel haben schon ganze Hausbrände ausgelöst. Asche wird immer in Metallbehältern aufbewahrt und ist übrigens – sofern man sich gewissenhaft daran gehalten hat, nur unbehandeltes Holz zu verbrennen – eine willkommene Bereicherung für Kompost und Gartenerde.

Wenn der Ofen nicht brennen will

Anders als Elektroherd oder Zentralheizung leidet ein Holzofen unter schwieriger Witterung. Zu starker Wind kann den Kamin „verschließen“, dass es den Rauch zurück in die Wohnung drückt. Da hilft der Umgang mit den Klappen, die unten am Herd, hinter dem Brennraum und oft auch an den Rohren angebracht sind, um die Luftzufuhr zu regulieren und den Zug in Gang zu bringen. Zur Not kann man zusätzlich ein Stück brennende Zeitung durch den Brennraum ins Rohr schieben.

Grundsätzlich empfiehlt es sich anzufeuern, bevor die Sonne den Kamin zu stark erwärmt hat.

Kochen auf dem Holzherd

Das Kochen auf einem altmodischen Holzherd ist eine Umstellung, bringt aber einige Vorteile: Auf der Herdplatte hat man ständig unterschiedlich heiße Bereiche zur Verfügung, zwischen denen man je nach Bedarf hin- und herwechseln kann. Da die Platte immer warm ist, bietet es sich an, öfter als sonst einfach einen Kessel Wasser aufgesetzt zu haben – für einen schnellen Tee oder zum Geschirrspülen, womit man schon wieder Strom spart. (Zum selben Zweck gab es früher das in die Herdplatte eingelassene „Schiff“.)

Ein Holzherd ist übrigens ideal geeignet für eine schonende, langsame Art zu kochen, die inzwischen wieder modern wird. Ein Beispiel: Eine sehr gehaltvolle Brühe erhält man, wenn man sie, anstatt alles auf dem Elektroherd aufzukochen, ganz an den Rand der Ofenplatte stellt und 24 Stunden langsam ziehen lässt.

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